Review: Captain Marvel (Kino)

Das Hauptplakat von "Captain Marvel" (© Marvel/Disney)

Das Hauptplakat von “Captain Marvel” (© Marvel/Disney)

Inhalt: Seit Jahren wird die talentierte Kämpferin Vers (Brie Larson, „Raum“) von ihrem Lehrmeister und Vorgesetzten Yon-Rogg (Jude Law, „The Young Pope“) zur noblen Heldin für das Volk der Kree ausgebildet. Im Kampf gegen die brutalen Skrull möchte die Einheit von Vers gerade zu einem entscheidenden Schlag ausholen, als sie in einen Hinterhalt geraten. Dabei wird die junge Kriegerin von ihren Leuten getrennt und landet – von einigen Skrull verfolgt – auf der Erde. Dort trifft sie auf den S.H.I.E.L.D.-Agenten Nick Fury (Samuel L. Jackson, „Glass“), den sie mit Nachdruck von ihrer Geschichte überzeugen kann. Gemeinsam versuchen sie, die mit gestaltwandlerischen Fähigkeiten ausgestatteten Skrull um ihren Anführer Thalos (Ben Mendelsohn, „Ready Player One“) zu stoppen. Überraschend stoßen sie dabei auf eine Spur, die darauf hindeutet, dass Vers nicht zum ersten Mal auf der Erde weilt.

Kritik: Es gibt wohl kaum ein Phänomen, was in den vergangenen zehn Jahren so sehr das Blockbuster-Kino dominiert hat wie das Marvel Cinematic Universe MCU. Mehrere Milliarden Euro wechselten in dieser Zeit an den weltweiten Kinokassen ihren Besitzer. Mit dem vierten Hauptfilm „Avengers: Endgame“ (deutscher Kinostart ist am 25.04.2019) wird das MCU zu einem vorläufigen Abschluss geführt, auf den einige Veränderungen folgen dürften. Ein Teil dieser Neuerungen dürfte die Anwesenheit von „Captain Marvel“ sein, die so kurz vor diesem Fixpunkt (an dem sie auch schon teilhaben wird) ihr Helden-Debüt feiert. Mit dem Filmemacher-Duo Anna Boden und Ryan Fleck, die normalerweise auf packende Indie-Dramen wie „Dirty Trip – Missisippi Grind“ (mit „Captain Marvel“-Bösewicht Ben Mendelsohn) und „Half Nelson“ spezialisiert sind, wurde eine unkonventionelle, ziemlich interessante Wahl für die Inszenierung getroffen.

Wer kämpfen will, muss üben (© Marvel/Disney)

Wer kämpfen will, muss üben (© Marvel/Disney)
L to R: Leader of Starforce (Jude Law) and Captain Marvel (Brie Larson)
Photo: Chuck Zlotnick
©Marvel Studios 2019

Gerade in der Anfangsphase, in der Vers auf einer ohnehin unübersichtlichen Mission ist, präsentiert sich „Captain Marvel“ als spärlich beleuchtetes, hektisch geschnittenes Chaos. Mit der Landung auf der Erde bessert sich das Geschehen aber bald. Bei den teils etwas billig anmutenden Spezialeffekten bleibt die Vermutung, dass Marvel hier Budget für den kommenden Reihen-Höhepunkt gespart hat. In einer leicht verdaulichen und simpel gehaltenen Geschichte, deren Wendungen nur wenig Überraschungspotenzial bereithalten, bewegt sich der Film durch seine gewohnt ausufernde Spielzeit. Dabei gelingt es, sich bis zum gelungenen Schlussakt ziemlich kontinuierlich zu steigern. Der Humor, der in dem Film eine nicht unwesentliche Rolle spielt, bleibt hingegen zu guten Teilen eher aufgesetzt – auch wenn ein paar schöne Treffer gelandet werden. Sich darauf zu beschränken, popkulturelle Referenzen an die 90er-Jahre als Komik zu verkaufen, funktioniert hingegen nur sehr bedingt. Der heimliche Star des Filmes ist tatsächlich eine Katze, die als treudoofer Begleiter der Helden im Zentrum von ein paar tollen Momenten steht.

Captain Marvel im Einsatz (© Marvel/Disney)

Captain Marvel im Einsatz (© Marvel/Disney)
Captain Marvel (Brie Larson)
Photo: Film Frame
©Marvel Studios 2019

Oscar-Preisträgerin Brie Larson, die wie das Regie-Duo ihre Wurzeln im Independent-Bereich hat, feiert einen soliden Einstand als Titelheldin. Auch wenn sie recht charmant agiert und gut mit Samuel L. Jackson harmoniert, fehlen die großen Glanzmomente. Jackson fällt hauptsächlich durch sein digital (überzeugend) verjüngtes Gesicht und ein paar nette Querverweise auf zeitlich später gelagerte Ereignisse im Marvel-Universum auf. Clark Gregg („Spinning Man – Im Dunkel deiner Seele“) darf ebenfalls in künstlich verjüngter Form zurückkehren, wirkt aber weit weniger lebensecht. Ben Mendelsohn muss wieder einmal den Bösewicht in einem Blockbuster mimen, darf hier seinen Part aber schön variieren. Das Figuren-Design der Aliens, das wohl besser zu einer mittelmäßigen „Doctor Who“-Folge gepasst hätte, ist ihm natürlich nicht anzulasten. Jude Law als kompromissloser Lehrmeister Yon-Rogg und Annette Bening („Film Stars Don’t Die In Liverpool“) als oberste Anführerin der Kree sind die wohl bekanntesten Namen einer gewohnt prominenten Nebenbesetzung. Daneben sind unter anderem noch Djimon Hounsou („King Arthur – Legend of the Sword“), Lee Pace („Halt And Catch Fire“), Gemma Chan („Maria Stuart, Königin von Schottland“) und Mckenna Grace („Spuk in Hill House“) Teil des Films.

Über die Jahre hat Marvel eine derart beständige Qualität bei seinen Filmen geliefert, dass ein mittelmäßiger Beitrag zur Reihe schon fast eine Enttäuschung ist. Dieser erste Film nach dem Tod von Mastermind Stan Lee (der im Vorspann entsprechend gewürdigt wird) gehört in diese Kategorie. Es gelingt zwar, sich von einem schwachen, kaum verständlichen Beginn bis zu einem temporeichen Finale konstant zu steigern, doch die mäßigen Effekte, der mäßig erfolgreiche Humor und äußerst rar gesäte Höhepunkte sorgen dafür, dass „Captain Marvel“ nur durchschnittliche Popcorn-Unterhaltung ist.

3 von 5 Punkten


Quelle, Disney, Marvel, LeinwandreporterTV, YouTube

Captain Marvel

Originaltitel:Captain Marvel
Regie:Anna Boden, Ryan Fleck
Darsteller:Brie Larson, Samuel L. Jackson, Ben Mendelsohn, Djimon Hounsou, Lee Pace, Clark Gregg, Jude Law
Genre:Fantasy, Action
Produktionsland/-jahr:USA, 2018
Verleih:Walt Disney Studios Motion Pictures Germany
Länge:128 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Kinostart:07.03.2019

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Disney https://disney.de/filme/captain-marvel

Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 05.03.2019
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