Review: Dirty Trip – Missisippi Grind (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "Dirty Trip" (© Ascot Elite)

Das Blu-ray-Cover von “Dirty Trip” (© Ascot Elite)

Inhalt: Gerry (Ben Mendelsohn, „Mauern der Gewalt“) ist ein Zocker, wie er im Buch steht. Seine Maßlosigkeit am Kartentisch hat die Beziehung zu seiner Frau (Robin Weigert, „Deadwood“) und seiner kleinen Tochter zerstört und ihm massive Schulden bei gefährlichen Leuten eingebracht. Seinen Job als Immobilienmakler hasst er mit voller Inbrunst. Während eines Spiels lernt er den stets positiven Lebenskünstler Curtis (Ryan Reynolds, „The Voices“) kennen, der ihn auf Anhieb fasziniert. Zwischen den beiden Männern entsteht schnell eine Freundschaft. Als Curtis dann weiterziehen will, schließt sich Gerry an. Gemeinsam wollen sie zu einem großen Pokerturnier, wo es einen gewaltigen Gewinn gäbe. Auf ihrem Weg lernen sie einige interessante Menschen kennen, müssen aber immer wieder Rückschläge hinnehmen.

Kritik: Das Regie- und Autoren-Pärchen Anna Boden und Ryan Fleck hatte im Jahr 2006 mit „Half Nelson“ – der Ryan Gosling eine Oscar-Nominierung bescherte – ein mehr als beachtliches Debüt hingelegt. Auch das Sportdrama „Sugar“ und die wundervolle Tragikomödie „It’s Kind of a Funny Story“ entwickelten sich zu Kritiker-Lieblingen. Aus diesem Grund ist es kaum verwunderlich, dass auch ihr vierter gemeinsamer Film ziemlich sehenswert ist. Die Geschichte konzentriert sich (ähnlich wie „Half Nelson“) auf eine ungewöhnliche Freundschaft und das Thema Sucht. Dabei schlägt der Film bewusst leise Töne an und liefert dabei eine immer packende Geschichte, selbst wenn das Geschehen dramaturgisch fast zum Stillstand kommt. Witzig, melancholisch, zeitweise ziemlich tragisch und absolut authentisch entwickelt sich der Road-Trip von zwei auf eigene Art gescheiterten Existenzen. Öfters werden hier Erinnerungen an den Oscar-Gewinner „Sideways“ wach, hinter dem sich „Mississippi Grind“ (so der Originaltitel) keinesfalls verstecken muss.

Gerry und Curtis bei der Arbeit (© Ascot Elite)

Gerry und Curtis bei der Arbeit (© Ascot Elite)

Das selbstzerstörerische Verhalten von Gerry wird zu keiner Zeit verharmlost, aber auch nie mit dem erhobenen Zeigefinger versehen. Boden und Fleck trauen ihrem Zuschauer zu, das Verhalten selbst einzuordnen, was absolut gut so ist. Auf der Reise des Duos gibt es einige Momente, die in ihrer Einfachheit zu den berührendsten Szenen des Filmjahres gehören. So hat der Film eine ganz starke Phase, wenn Gerry und Curtis mit den Call-Girls Simone (Sienna Miller, „Im Rausch der Sterne“) und Vanessa (Analeigh Tipton, „Crazy, Stupid, Love.“) unterwegs sind. Gerade wenn Gerry durch ein paar harmlose Zaubertricks der liebenswerten Vanessa einen Moment des Friedens in seinem chaotische Dasein findet, dürfte kaum ein Zuschauer emotional distanziert bleiben.

Allgemein steht und fällt das Geschehen mit den zwei Hauptdarstellern, die auf grandiosem Niveau agieren. Ben Mendelsohn ist ohnehin ein Darsteller, der jeden Film ein Stück besser macht. Als gebrochener Verlierer-Typ, der die Hoffnung nicht verliert, ist der Australier in Oscar-Form. Kaum dahinter ist Ryan Reynolds, der sich in letzter Zeit zum erstaunlich starken Charaktermimen gewandelt hat. Als stets positiver Curtis, der merklich die innere Traurigkeit unterdrückt, ist auch er bärenstark. Dazu kommt, dass die beiden Darsteller nahezu optimal miteinander harmonieren. Auch die Nebendarsteller, die dem Duo auf ihrem Trip begegnen, sind durchweg gut besetzt.

Es ist erstaunlich, dass es für „Dirty Trip“ nicht zumindest in kleiner Kopien-Zahl ins Kino gekommen ist. Dem Duo Anna Boden und Ryan Fleck ist mal wieder ein ruhiger, kleiner Film gelungen, der das Herz an der richtigen Stelle trägt und unaufdringlich ein ernstes Thema behandelt. Auf diese Art bleibt eine bittersüße, emotionale Geschichte, die auch dank Reynolds und Mendelsohn eines der besten Road Movies der letzten Zeit ist.

Curtis genießt einen stilllen Moment mit Simone (© Ascot Elite)

Curtis genießt einen stilllen Moment mit Simone (© Ascot Elite)

Der Film ist ab dem 01.12.2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

4 von 5 Punkten

 

Bild: Die Optik des Films ist gehoben solide. Viele Szenen spielen sich in recht dunklen Bars und Casinos ab. Die Schärfe und Darstellung von Details ist aber immer ziemlich gut. Manche Szenen sind etwas weich gezeichnet. Diese sind aber äußerst rar. Die Farben sind öfters in gelb-bräunlichen Tönen, sehen dafür immer natürlich aus. Kontraste und Schwarzwert sind ebenfalls auf ordentlichem Niveau. Da die Bilder immer sauber und frei von Fehlern dargestellt werden, ist das Gesamtergebnis ziemlich ansehnlich.

4 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der englische DTS-HD MA 5.1-Ton sind verlustfrei, auch wenn der ruhige Film keine erwähnenswerten Effekte bietet. Die Dialoge kommen immer gut verständlich aus dem Frontbereich. Score und Hintergrundgeräusche in den Bars und Casinos werden sauber auf die verschiedenen Boxen verteilt. Das ist eigentlich alles, was bei dem Film zu erwarten war.

3,5 von 5 Punkten

Extras: Vier kleine Featurettes (12 Minuten), ein Making of (5 Minuten), sowie ein Interview mit Ryan Reynolds (23 Minuten) sind neben den handelsüblichen Trailern auf der Blu-ray zu finden.

2,5 von 5 Punkten

Gesamt: 3,5 von 5 Punkten


Quelle: Ascot Elite, Leinwandreporter TV, YouTube

Dirty Trip

Originaltitel:Mississippi Grind
Regie:Anna Boden, Ryan Fleck
Darsteller:Ryan Reynolds, Ben Mendelsohn, Sienna Miller
Genre:Drama, Road-Movie
Produktionsland/-jahr:USA, 2015
Verleih:Ascot Elite
Länge:109 Minuten
FSK:ab 12 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 02.12.2015
Review: Dirty Trip – Missisippi Grind (Blu-ray)

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