Review: Im Rausch der Sterne (Kino)

Das Kino-Plakat von "Im Rausch der Sterne" (© Wild Bunch Germany)

Das Kino-Plakat von “Im Rausch der Sterne” (© Wild Bunch Germany)

Inhalt: Adam Jones (Bradley Cooper, „Silver Linings“) war eine Ikone in der Pariser Küchenszene. Seit seiner Jugend hat er aus dem Kochen eine Kunst gemacht und zwei Michelin-Sterne bekommen. Doch mit seinen Stimmungsschwankungen, dem Alkoholismus und zahlreichen anderen Eskapaden hat er sich mit jedem aus seinem Umfeld überworfen. Drei Jahre später möchte er in London einen Neuanfang wagen und überzeugt seinen alten Weggefährten Tony (Daniel Brühl, „Die Frau in Gold“), sein Vorhaben zu unterstützen. Gemeinsam stellen sie ein Top-Team zusammen, das den Gästen neue Geschmackserlebnisse und Adam den dritten Michelin-Stern bescheren soll. Eine Entdeckung von Adam ist die alleinerziehende Mutter Helene (Sienna Miller, „American Sniper“), die den Star-Koch nicht nur am Herd beeindruckt. Doch sie ist wenig begeistert von ihrem neuen Chef. Mit seiner oft ausfallenden Art treibt er seine Untergebenen aber an die Grenzen der Belastbarkeit. Erst spät geht es Adam auf, dass er privat und bei der Arbeit nicht alles alleine schaffen kann.

Kritik: Zuletzt ließ John Wells im bissigen „Im August in Osage County“ ganz gewaltig die Fetzen fliegen. Deswegen dürften einige die Hoffnung gehegt haben, nach zuletzt sehr zahmen Werken im Bereich der Küchen-Komödie hier ein etwas rabiateres Werk zu sehen. Diese Hoffnung erfüllt sich, wenn der cholerisch veranlagte Sternekoch seinen Untergebenen nach einem missglückten Abend die Leviten liest. Doch die Momente, wo „Im Rausch der Sterne“ emotional oder leidenschaftlich wird, sind ziemlich rar. Wells verlässt sich auf die optische Kraft der künstlerisch anspruchsvollen Speisen und lässt die Geschichte ansonsten ohne große Höhepunkte vorbeiziehen. Die geprellten Kollegen von damals treffen erstmals wieder auf Adam. Wird das zum Problem? Nicht wirklich, da alle ihm das Vertrauen schenken, sich wirklich geändert zu haben. Helene kann den arroganten Ex-Shootingstar der Szene nicht ausstehen? Man muss kein Hellseher sein, dass sich das ändert. An manchen Stellen dürften einige Zuschauer gar das Gefühl haben, keine richtige Handlung zu beobachten, sondern Leute beim (handlungstechnisch vollkommen belanglosen) Erledigen von alltäglichen Besorgungen zu sehen.

Tony und Adam im Zwiegespräch (© Wild Bunch Germany)

Tony und Adam im Zwiegespräch (© Wild Bunch Germany)

Der Film hat viele Anlagen, Ecken und Kanten zu bekommen. Diese werden aber dreifach gepolstert und dann noch einmal abgeschliffen. Sicherlich hat Adam Jones eine Borderline-Persönlichkeitsstörung und ist akut suchtgefährdet. Das kommt aber nur an dramaturgisch günstigen Momenten zum Vorschein. Es ist inzwischen keine Neuigkeit mehr, dass Bradley Cooper ein exzellenter Schauspieler ist. Wenn Wells ihn wirklich agieren lässt, wird sein Adam je nach Situation wirklich beängstigend, abgehoben, amüsant oder bedauernswert. Es ist schade, dass hier nicht weiter in die Untiefen dieses potenziell interessanten Charakters eingetaucht wird. An seiner Seite spielt Sienna Miller sicherlich ordentlich. Die Rollenbeschreibung „überforderte, alleinerziehende Mutter, die ihr eigenes Talent unterschätzt“ ist aber ungefähr so alt, wie das Medium Film an sich. Daniel Brühl als alter Vertrauter, Emma Thompson („Wie in alten Zeiten“)und Omar Sy („Jurassic World“) werden mit keinen erwähnenswerten Charakterzügen ausgestattet, weswegen ihre Parts recht undankbar sind. Uma Thurman („Nymphomaniac“), Alicia Vikander („Ex_Machina“) und Lily James („Cinderella“) beschränken sich auf Gastrollen.

Wer sich auf tolle Schauwerte und kreativ zubereitete Mahlzeiten freut, wird „Im Rausch der Sterne“ genießen können. Doch gerade im Bezug auf die fast komplette Abwesenheit von Dramaturgie enttäuscht der neue Film von John Wells. Zusätzlich ist das Geschehen nicht lustig genug für eine Komödie, aber deutlich zu seicht, um als Drama zu funktionieren. Da reicht auch kein unterforderter Star-Cast um einen gut aufgelegten Bradley Cooper, um aus dieser faden Hausmannskost einen Leckerbissen zu machen.

2 von 5 Punkten


Quelle: Wild Bunch Germany, Leinwandreporter TV, YouTube

Im Rausch der Sterne

Originaltitel:Burnt
Regie:John Wells
Schauspieler:Bradley Cooper, Sienna Miller, Daniel Brühl, Omar Sy, Alicia Vikander
Genre:Drama, Komödie
Produktionsland/-jahr:USA, 2015
Kinostart:03.12.2015
Verleih:Wild Bunch Germany
Länge:100 Minuten
FSK:ab 0 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 03.12.2015
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