Review: Beale Street (Kino)

Das Hauptplakat von "Beale Street" (© DCM)

Das Hauptplakat von “Beale Street” (© DCM)

Inhalt: In den frühen 1970er-Jahren sind Tish (KiKi Layne) und Fonny (Stephan James, „Zeit für Legenden“) ein Liebespaar geworden, nachdem sie schon seit Kindesbeinen die engsten Freunde waren. Die ungeplante Schwangerschaft von Tish könnte für das junge Paar ohnehin zum Problem werden, doch ein Schicksalsschlag verkompliziert die Situation: Fonny sitzt in Untersuchungshaft, weil er eine Frau (Emily Rios) am anderen Ende der Stadt vergewaltigt haben soll. Obwohl es deutliche Beweise für die Unschuld von Fonny gibt, sorgt die Zeugenaussage eines Polizisten (Ed Skrein, „Alita – Battle Angel“) dafür, dass das Verfahren aufrecht erhalten wird. Trotz geringer Chancen nimmt Tish gemeinsam mit ihren Eltern Sharon (Regina King) und Joseph (Colman Domingo, „Selma“) den Kampf um die Freiheit ihres Kindsvaters auf. Doch reicht die körperliche und finanzielle Kraft der armen Familie, um Fonny zur Geburt seines Sohnes auf freien Fuß zu bekommen?

Kritik: Es gibt wohl kaum einen Filmfan, der sich nicht an den legendären Patzer bei den Oscars erinnert, als zunächst „La La Land“ als Gewinner der „Bester Film“-Kategorie ausgezeichnet wurde, ehe das Charakterdrama „Moonlight“ von Barry Jenkins doch noch seine Goldstatue in der Hauptkategorie bekam. Doch auch ohne diese Kuriosität war es Jenkins gelungen, sich mit seinem erst zweiten Film unter den großen Namen in Hollywood zu etablieren. Für seinen nächsten Film hatte er nun eine Adaption des berühmten James Baldwin-Romans „Beale Street Blues“ aus dem Jahr 1973 ausgewählt. Schnell taucht der Film in eine unangenehme, harte Welt ein, in der familiärer Zusammenhalt die einzige Möglichkeit ist, zu bestehen. Es entwickelt sich eine einfühlsame und berührende Geschichte, die ohne große Gesten sehr reale Probleme adressiert.

Die werdenden Großeltern müssen ihre Tochter unterstützen (© DCM/Annapurna Pictures)

Die werdenden Großeltern müssen ihre Tochter unterstützen (© DCM/Annapurna Pictures)

Dabei gibt es nur wenige Momente, in denen sich „Beale Street“ verläuft. Hauptsächlich ist hier eine Sequenz zu nennen, in der sich Fonny mit seinem Kumpel Daniel (Brian Tyree Henry) trifft. Ohne große Inhalte wird diese Phase des Films so sehr ausgedehnt, dass das Geschehen kurz vor dem dramaturgischen Stillstand ist. Auch der Look ist ein zweischneidiges Schwert. Die wunderbar eingefangene, fast märchenhafte Optik ist immer schön anzusehen. Teilweise scheinen sich Jenkins und sein Kameramann James Laxton so sehr an der eigenen Genialität zu weiden, dass sie von der Handlung ablenken. Wenn der Film seinen Fokus behält, ist sogar eine Weiterentwicklung des Regisseurs erkennbar. In seinen besten Phasen ist „Beale Street“ spannend, empörend, witzig und aufrichtig berührend. Dabei spielt die Newcomerin KiKi Layne eine entscheidende Rolle. Als Erzählerin und Zentrum der Handlung bietet sie eine facettenreiche Darbietung, die der Startschuss eine größeren Karriere sein dürfte.

Auch Stephan James, dessen Fonny immer bemüht ist, der starke Fels in der Brandung zu sein, liefert eine bemerkenswerte Leistung. Regina King, deren Leistung in der aktuellen Preissaison unter anderem mit einem Oscar und einem Golden Globe in der Kategorie „Beste Nebendarstellerin“ bedacht wurde, verdient sich trotz verhältnismäßig kurzer Spielzeit die höchsten Weihen. Gerade in der emotionalen Schlussphase wird ihre schmerzhaft intensive Performance zu einem der Glanzpunkte des Films. Colman Domingo bekommt als herzlicher Vater von Tish zwar nicht das große Material, um hervorzustechen, passt sich aber der allgemein hohen Qualität an. Hinzu kommen prominente Gastrollen für Finn Wittrock („The Big Short“), Dave Franco („The Disaster Artist“), Pedro Pascal („Narcos“) und Diego Luna („Narcos: Mexico“).

Selbst wenn zwischendurch ein paar Kleinigkeiten sauer aufstoßen, hat Barry Jenkins mit seiner Verfilmung des Baldwin-Klassikers wieder starkes Kino abgeliefert. Mit tollen Bildern und überzeugenden Darstellern zeichnet „Beale Street“ ein eindringliches Gesellschafts-Porträt, das auch wegen seiner verträumten Momente im Gedächtnis bleibt.

4 von 5 Punkten


Quelle: DCM, LeinwandreporterTV, YouTube

Beale Street

Originaltitel:If Beale Street Could Talk
Regie:Barry Jenkins
Darsteller:KiKi Layne, Stephan James, Colman Domingo, Teyonah Parris
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2018
Verleih:DCM
Länge:119 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Kinostart:07.03.2019

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von DCM

Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 04.03.2019
Review: Beale Street (Kino)

Leave A Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen