Review: The Disaster Artist (Kino)

Das Hauptplakat von “The Disaster Artist” (© 2017 Warner Bros Pictures Germany)

Inhalt: Der 19 Jahre alte Greg Sestero (Dave Franco, „Bad Neighbors“) schlägt sich in San Francisco als Model durch, träumt aber davon, eine Schauspielkarriere zu starten. Dabei steht ihm aber immer wieder sein Lampenfieber im Weg. Während des Schauspielunterrichts lernt er dann Tommy Wiseau (James Franco, „Why Him?“) kennen, der auf der Bühne keine Tabus kennt. Während die meisten Tommy mit seinen langen Haaren und einem undefinierbaren Akzent für einen schrägen Vogel halten, ist Greg von seinem Kollegen begeistert. Die beiden merken schnell, dass sie auf einer Wellenlänge funken und beschließen, nach Los Angeles zu ziehen. Dort wollen sie große Stars werden. Doch für beide hagelt es nur Absagen. Da Tommy ein wenig Geld zur Verfügung hat, entschließt sich das Duo, an einem eigenen Film zu arbeiten. Kurz darauf steht das Drehbuch zum Drama „The Room“, das selbst einen Tennessee Williams vor Neid erblassen lassen soll. Das einzige Problem: Wie dreht man eigentlich einen Film? Mit gekaufter Gerätschaft und bezahlter Crew stürzen sich die beiden in ein Abenteuer. Auch wenn Script Supervisor Sandy Schklair (Seth Rogen, „Steve Jobs“) versucht, einen Sinn in das gesamte Konstrukt zu bringen, wird die Wiseau-Vision gnadenlos umgesetzt. Noch ahnt keiner, welche Folgen dadurch entstehen.

Kritik: Er gilt als der „Citizen Kane“ der schlechten Filme: Im Jahr 2003 wurde „The Room“ veröffentlicht, bei dem Hollywood-Außenseiter Tommy Wiseau als Drehbuch-Autor, Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller aktiv war. Doch statt in einem obskuren Winkel zu verschwinden, entwickelte sich ein regelrechter Kult um den eigenartigen Film. Nach einiger Zeit gab es auf der ganzen Welt Screenings, wo euphorische Fans die Zeilen mitbrüllen dürfen. Rund um Wiseau entstanden zahlreiche Rätsel, mit denen er auch gerne kokettiert. Woher stammt er? Wie alt ist er? Wie kam er zu den angeblich 6 Millionen US-Dollar (!), die „The Room“ gekostet hat? Fragen, die wohl nur Tommy Wiseau selbst beantworten kann. 14 Jahre später ist der Film längst zu einem Evergreen der ganz eigenen Art geworden. Die einzigartige Mischung von fehlgeleiteten Ambitionen und reichlich Herzblut hat sich tatsächlich durchgesetzt und seinem Macher eine unverhoffte Karriere ermöglicht.

This Is Bullshit, I Did Not Hit Her... (©2017 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND RATPAC-DUNE ENTERTAINMENT LLC)

This Is Bullshit, I Did Not Hit Her… (©2017 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND RATPAC-DUNE ENTERTAINMENT LLC)

Schon 2013 veröffentlichte Greg Sestero, der die Hauptrolle des Mark in „The Room“ gespielt hat und privat eng mit Wiseau befreundet ist, seinen Roman „The Disaster Artist“, der sich rund um die Entstehung dieses popkulturellen Phänomens dreht. Auch in Hollywood selbst gibt es große Kreise, in denen dieses Machwerk ein gewaltiges Ansehen genießt. So hat jetzt James Franco – den der eine oder andere wohl auch als schrägen Typen bezeichnen würde – das Buch von Sestero verfilmt. Tatsächlich ist dieses „Making of“ über den „schlechtesten Film aller Zeiten“ absolut großartig. Es entsteht eine herzlich Außenseiter-Geschichte, die den unwahrscheinlichen Weg zu diesem Erfolg nachzeichnet. Der Film ist ausgesprochen sonderbar, sehr witzig und bewahrt – so gut es geht – den Respekt vor seinen Figuren. So gelingt es, Tommy Wiseau, der sich in tiefem Akzent immer als „All American Guy“ definiert, seine eigene „Rocky“-Story zu spendieren.

Von den frühen Anfängen, in denen Sestero auf sein hemmungsloses Gegenstück trifft, über den Weg der beiden nach Los Angeles, bis hin zur bizarren Produktion und Premiere von „The Room“ deckt der Film alles ab, was es zu wissen gibt. Dabei spielt er mit den Legenden rund um die Figuren und schafft es, bekannte Szenen aus dem Film („Oh, Hi Mark!“ oder die James Dean-Hommage „You are tearing me apart“) in einem vollkommen neuen Licht zu zeigen. Auch wenn aus Gründen einer runden Dramaturgie das Geschehen ein wenig geglättet wird (so wollte Wiseau in Realität Sestero nur als Zweitbesetzung für Mark verwenden), bietet „The Disaster Artist“ einen charmanten und unfassbar komischen Blick hinter die Kulissen. James Franco erweist sich nicht nur bei der Regie als der exakt richtige Mann für die Umsetzung dieses Stoffes. Seine Umsetzung von Auftreten, Sprachfluss und dem unvergleichlichen Lachen von Wiseau ist atemberaubend und seine Interpretation der Rolle entpuppt sich als äußerst vielschichtig. Franco durchlebt eine regelrechte Verwandlung und ist Herz und Seele des Films. Er sollte mit dieser Leistung gute Chancen auf eine folgerichtige Oscar-Nominierung haben. Allerdings dürfte es nahezu unmöglich sein, eine verlustlose Synchronfassung dieses Auftritts zu präsentieren.

Tommy bei der Arbeit (©2017 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND RATPAC-DUNE ENTERTAINMENT LLC)

Tommy bei der Arbeit (©2017 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND RATPAC-DUNE ENTERTAINMENT LLC)

Sein Bruder Dave Franco zeigt als sympathischer Greg Sestero, der meistens klaglos alle Extravaganzen seines Spannmanns erträgt, einen ebenfalls gelungenen Part und funktioniert als Identifikationsfigur für das Publikum. Dazu kommt eine Nebenbesetzung, die das Standing der Vorlage unterstreicht. Alison Brie („GLOW“) – die Ehefrau von Dave Franco – ist hier als Freundin von Sestero zu sehen. Seth Rogen spielt als bemitleidenswerter Script Supervisor Sandy Schklair einen tollen Part. Die sonstige „The Room“-Besetzung wird unter anderem von Josh Hutcherson („Die Tribute von Panem“), Zac Efron („Baywatch“), Ari Graynor („Youth in Revolt“) und Jacki Weaver („The Voices“) gespielt. Dazu kommen zahllose Gastauftritte von Stars wie Sharon Stone („Total Recall“), Melanie Griffith, Bryan Cranston („Breaking Bad“), Bob Odenkirk („Nebraska“) und Zoey Deutch („Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“). Auch Tommy Wiseau lässt es sich nicht nehmen, einen kleinen, bizarr-feinen Gastauftritt zu feiern.

James Franco hat sich an ein absolut ungewöhnliches Projekt gewagt und einen herausragenden Film gedreht. Die Begeisterung der „The Room“-Fans dürfte in jedem Fall gesichert sein. Unabhängig von der Kenntnis der Vorlage ist „The Disaster Artist“ eine skurrile, aber auch harte und durchaus einfühlsam erzählte Außenseiter-Geschichte, die ausgesprochen lustig ist und zu einer der großen Überraschungen der kommenden Preis-Saison werden könnte.

4,5 von 5 Punkten


Quelle: Warner Bros Pictures, Leinwandreporter TV, YouTube

The Disaster Artist

Originaltitel:The Disaster Artist
Regie:James Franco
Darsteller:James Franco, Dave Franco, Alison Brie, Seth Rogen, Zac Efron
Genre:Drama, Komödie, Biografie
Produktionsland/-jahr:USA, 2017
Verleih:Warner Bros Pictures
Länge: 103 MinutenFSK: ab 12 Jahren
Kinostart: 01.02.2018

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Warner Bros Pictures

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 01.02.2018
Review: The Disaster Artist (Kino)

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