Review: Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie (Kino)

Das Hauptplakat zu "Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie" (© Capelight Pictures)

Das Hauptplakat zu “Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie” (© Capelight Pictures)

Inhalt: Grundsätzlich durchlebt Sam (Zoey Deutch, „Why Him?“) das nahezu ideale Leben eines Teenagers. Sie kommt aus sehr ordentlichen Verhältnissen, sie gut aus, hat mit Ally (Cynthy Wu), Elody (Medalion Rahimi) und Lindsay (Halston Sage, „Margos Spuren“) drei Freundinnen, mit denen sie durch dick und dünn gehen kann und hat sich ganz nebenbei den Mädchenschwarm Rob (Kian Lawley) als festen Freund geangelt. Doch die Popularität ihrer Clique sorgt gerne einmal dafür, dass sie andere Menschen nicht unbedingt mit Respekt behandeln. So wird der in Sam verknallte, herzensgute Klassenkamerad Kent (Logan Miller, „Scouts vs. Zombies – Handbuch zur Zombie-Apokalypse“) trotz charmanter Bemühungen nur verächtlich belächelt. Doch besonders die etwas ungepflegte Außenseiterin Juliet (Elena Kampouris, „#Zeitgeist“) bekommt immer wieder die Boshaftigkeiten des Quartetts zu spüren. Auf einer Party von Kent eskaliert der Streit von Sam und ihren Freundinnen mit Juliet. Als kurze Zeit später die Feier aufgelöst wird und die Mädchen nach Hause fahren, geraten sie in einen schweren Autounfall. Kurz darauf erwacht Sam im eigenen Bett und es ist wieder der Morgen des Vortags. Immer wieder wiederholt sich der Tag des Unfalls. Nach anfänglicher Panik begreift Sam die Situation als Möglichkeit, mit ihrem Schicksal ins Reine zu kommen.

Kritik: Das gleichnamige Mystery-Drama-Buch (im Original etwas bündiger mit „Before I Fall“ betitelt) von Lauren Oliver war ein ziemlicher Hit. Nachdem die Young Adult-Fantasy-Welle etwas abgeebbt ist, kommt jetzt diese etwas andere Geschichte für ein Publikum im Teenager-Alter auf die Leinwand. Für den Film von Ry Russo-Young wird sich zeigen, ob es ein Fluch oder Segen ist, kurz nach dem thematisch teilweise ähnlichen Netflix-Hit „Tote Mädchen lügen nicht“ zu erscheinen. Die gewaltige Messlatte, die die Serie vorgibt, ist natürlich kaum zu erreichen. Gerade der ungewöhnlich harte und anspruchsvolle Umgang mit den schweren Themen wird hier doch eher Teenie-freundlich gelöst. Dennoch dürfte der Erfolg des Mobbing-Dramas auch bei diesem Film für erhöhte Aufmerksamkeit sorgen. Daneben werden dem geübten Kinogänger natürlich schnell „Heathers“ und „…und täglich grüßt das Murmeltier“ bei der Ansicht des Filmes einfallen. Selbst Ähnlichkeiten mit „Carrie“ und „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ sind nicht ganz von der Hand zu weisen. Dennoch ist „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ weit mehr als eine reine Zitate-Sammlung.

Sam und ihre Freundinnen halten immer zusammen (© Capelight Pictures)

Sam und ihre Freundinnen halten immer zusammen (© Capelight Pictures)

Zu Beginn lernt das Publikum die vier jungen Damen kennen, die wahrlich wenig Grund geben, sie sympathisch zu finden. Während es bei vielen (schlecht geschriebenen) Filmen am fehlenden Talent liegt, vernünftige Figuren zu kreieren, setzt der eher unerfreuliche Einstieg in den Film hier den Ton. Erst nach und nach versteht Sam, wie falsch ihr Leben eigentlich verläuft und entwickelt sich in eine Richtung, die großen Teilen des Publikums wohl eher zugänglich ist. Der Umgang mit Oberflächlichkeit und Mobbing bleibt eher hölzern, was sich in einer eher süßlich anmutenden Entwicklung von Geschichte und Moral entlädt. Gerade im Mittelteil, wo Sam gegen die Konventionen ihres Lebens und ihrer Freunde rebelliert, war der Film eigentlich auf dem Weg in eine positive Richtung gewesen.

Zoey Deutch (die ihrer Mutter Lea Thompson immer noch erstaunlich ähnlich sieht) ist absolut in der Lage, diesen Film zu tragen. Ob als egomane Zicke, die aber immer noch niedlich genug ist, damit ihr auch schlimme Aktionen verziehen werden, Kämpferin gegen ihr Schicksal oder reuige Sünderin funktioniert sie sehr gut. Aus ihrer Clique fällt vor allem Halston Sage auf, die als taffe und intrigante Lindsay ihre Freundinnen zu mehr Unheil anstiftet. Die von der jungen Elena Kampouris verkörperte Juliet ist doch ein ganzes Stück zu stereotyp und eindimensional, um wirklich als bemitleidenswerte Außenseiterin zu funktionieren. Leider bekommt die charmante Liv Hewson („Santa Clarita Diet“) als Sams etwas raubeinige Mitschülerin Anna weniger Spielzeit, als sie eigentlich verdient gehabt hätte. Daneben gibt es mit Jennifer Beals („Manhattan Nocturne – Tödliches Spiel“)und Nicholas Lea („The Killing“) noch zwei alte Bekannte zu sehen, die hier die Eltern von Sam spielen.

So entsteht ein kleines, gutaussehende Mystery-Drama, das sich auch mit einer Botschaft an sein jugendliches Zielpublikum richtet. Dabei bleibt „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ zwar auf einer eher seichten Ebene, ist aber handwerklich solide und unterhaltsam genug, um einen insgesamt leicht positiven Eindruck zu hinterlassen.

3 von 5 Punkten


Quelle: Capelight Pictures, Leinwandreporter TV, YouTube

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

Originaltitel:Before I Fall
Regie:Ry Russo-Young
Darsteller:Zoey Deutch, Halston Sage, Elena Kampouris, Jennifer Beals
Genre:Drama, Mystery
Produktionsland/-jahr:USA, 2017
Verleih:Capelight Pictures
Länge: 98 MinutenFSK: ab 12 Jahren
Kinostart: 01.06.2017
Homepage:Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 29.05.2017
Review: Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie (Kino)

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