So Bad! It’s Good?: The Room

Manche Filme sind derart furchtbar, dass man sie gesehen haben muss. Natürlich gibt es da extra hoch stilisierte schlechte Filme wie die „Sharknado“-Teile. Diese haben auch ihren Reiz, sind hier aber weniger gemeint. Viel mehr Spaß machen da Filme, die eigentlich gut sein sollten, es aber spektakulär nicht schaffen, zu überzeugen. Ein aktuelles Beispiel ist da das 140 Millionen Dollar-Desaster „Gods of Egypt“, das fast auf allen Ebenen des Filmemachens versagt, dabei aber teuflisch unterhaltsam ist. In dieser Rubrik wollen wir euch ein paar Filme vorstellen, die durch ihr Versagen mehr als sehenswert sind. Solltet ihr eine derartige Produktion kennen, die ihr gerne in der Rubrik vorfinden würdet, lasst es uns wissen.

Den Anfang macht ein Werk, das sich in den USA bereits den Ruf als „Citizen Kane des schlechten Films“ erarbeitet hat.

The Room

Das Artwork von "The Room" in all seiner Herrlichkeit (© Wiseau-Films)

Das Artwork von “The Room” in all seiner Herrlichkeit (© Wiseau-Films)

Es kann wohl mit Fug und Recht behauptet werden, dass es auf der ganzen Welt keinen Filmemacher wie Tommy Wiseau gibt. Neben seinem mindestens einschüchternden Äußeren und einem Akzent, den niemand auf irgend eine Art und Weise einordnen kann, verwundert er gerne mit bizarren (und ich meine BIZARREN) Interviews. Im Jahr 2001 schrieb Wiseau, der gerüchteweise tatsächlich Regie und Schauspiel studiert hat, den 500 Seiten langen Roman „The Room“. Als jemand, der den Film gesehen hat, kann ich ehrlich sagen: Ich habe keine Ahnung, wie man diese Handlung auf 500 Seiten dehnen kann. Zur restlosen Überraschung Wiseaus fand er mit dem Roman keinen Verleger. In einem zweiten Anlauf versuchte er, sein Werk ans Theater zu bringen, womit er ebenfalls scheiterte. Doch zum Glück konnte er sich mit dem Export von Lederjacken nach Südkorea ein Millionen-Vermögen (!!!) verdienen, weswegen er im Jahr 2003 „The Room“ einfach eigenhändig verfilmte. So haben wir im Vorspann Tommy Wiseau als Regisseur, Drehbuchautor, Hauptdarsteller, Produzent UND ausführender Produzent vertreten.

Ein erstes Mysterium des Filmes ist das Budget von 6 Millionen US-Dollar, die bei einem Cast voller Amateurdarsteller und äußerst einfach gehaltener Sets absurd viel sind. Diese Summe ergibt sich allerdings, wenn man die Technik des Drehs nicht ausleiht, sondern komplett kauft und außerdem bei jeder Szene immer den kompletten Cast und die ganze Crew vor Ort haben möchte. Da Wiseau den Unterschied zwischen 35mm und digitalem Dreh nicht verstand, kaufte er sich einfach beide Kameras und drehte das Geschehen doppelt.

Im Film geht es um den hart arbeitenden Banker Johnny (Wiseau), der alles für seine Verlobte Lisa (Juliette Danielle) tun würde. Doch diese beginnt eine Affäre mit Johnnys bestem Freund Mark (Greg Sestero), was einige tragische Ereignisse verursacht. Was sich erst einmal recht normal liest, wird jedem die Sprache verschlagen, der erst einmal das meisterhafte Anti-Schauspiel, die gefühlt 700 unabhängigen Storylines, die fast ausnahmslos im Nichts versanden, Figuren wie den unfreiwillig gruseligen Nachbarsjungen Denny (Philip Haldiman) und zahllose vollkommen abgefahrene Einzeiler erlebt hat.

Die beiden Hauptfiguren von The Room (© Wiseau-Films)

Die beiden Hauptfiguren von The Room (© Wiseau-Films)

Während die meisten miesen Filme nie wirklich Anerkennung bekamen, sorgten prominente „The Room“-Fans wie Alec Baldwin, Kristen Bell und Seth Rogen, sowie zahlreiche YouTube-Reviews dafür, dass die Welt die Arbeit von Tommy Wiseau (der den Film tatsächlich bei den Oscars einreichte) kennenlernen durfte. Seit vielen Jahren existieren inzwischen Special Screenings, in denen Fans im Stile von „The Rocky Horror Pictures Show“ als Charaktere verkleidet kommen und die bekanntesten Zeilen in Richtung Leinwand brüllen. In regelmäßigen Abständen nehmen auch der Macher selbst und einige Darsteller an diesen Events teil.

Meet Creepy Denny (© Wiseau-Films)

Meet Creepy Denny (© Wiseau-Films)

 

Auch wenn „The Room“ nie einen deutschen Release bekommen hat, könnten einige Fans bald mit dem Material in Berührung kommen. „Mark“-Darsteller Greg Sestero hat seine einzigartige Erfahrung, mit Tommy Wiseau an diesem Film zu arbeiten, in dem Buch „The Disaster Artist“ niedergeschrieben. Dieses Buch wird aktuell tatsächlich von James Franco verfilmt. In diesem Film über das Making of von „The Room“ wird Franco die Regie und die Rolle Wiseaus übernehmen, während Dave Franco Sesteros Part spielen wird. Andere an diesem Werk beteiligte Darsteller sind beispielsweise Alison Brie, Bryan Cranston, Sharon Stone, Seth Rogen, Kate Upton und Zac Efron.

Ich denke, diese Namen bringen ein wenig zum Ausdruck, wie weit dieser Kult um „The Room“ geht. Wer ein wenig Spaß an derartigen filmischen Katastrophen hat, wird bei der Reise in die Welt Tommy Wiseaus Freudentränen vergießen. Allerdings möchten wir dazu raten, den Film zwingend in der Originalfassung zu sehen und das möglichst nicht ohne den Verzehr von alkoholischen Getränken zu tun, da es ansonsten zu Folgeschäden kommen kann.

Bis dahin gibt es hier ein wenig Tommy Wiseau zur Einstimmung:


Quelle: Xing 500, YouTube

The Room

Originaltitel:The Room
Regie:Tommy Wiseau
Darsteller:Tommy Wiseau, Juliette Danielle, Greg Sestero
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2003
Verleih: -----
Länge:100 Minuten
FSK: -----

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 02.04.2016
So Bad! It’s Good?: The Room

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