Review: Zeit für Legenden (Kino)

Das Kino-Plakat von "Zeit für Legenden" (© Square One/Universum Film)

Das Kino-Plakat von „Zeit für Legenden“ (© Square One/Universum Film)

Inhalt: Aufgrund seines außergewöhnlichen Talents als Läufer kann sich der dunkelhäutige Jesse Owens (Stephan James, „Selma“) im Jahr 1934 die Colleges aussuchen. Obwohl Ohio nicht den Ruf hat, Schwarze mit offenen Armen zu empfangen, geht Jesse an dieses College, da er mit dem bekannten Trainer Larry Snyder (Jason Sudeikis, „Wir sind die Millers“) arbeiten möchte. Snyders größte Erfolge liegen zwar schon etwas zurück. Doch trotzdem funktioniert die Arbeit der beiden bestens. Ein Jahr später bricht Jesse schon Weltrekorde und peilt so langsam olympisches Gold an. Dabei sind die Spiele in Berlin 1936 noch keine klare Sache, da das nationale Olympia-Komitee noch nicht sicher ist, seine Athleten nach Nazi-Deutschland schicken zu wollen. Als diese Hürde aus dem Weg geräumt ist, zweifelt Jesse selbst, zwischen Rassismus und Brutalität seinen Sport machen zu wollen. Doch auch aufgrund des Zuredens von Snyder entscheidet er sich, dem Regime sportlich die Stirn zu bieten. So gelingt es ihm, ein wichtiges Zeichen zu setzen und in die Geschichtsbücher einzugehen.

Kritik: Wenn der Name Stephen Hopkins fällt, dürfte bei einigen Filmkennern in der Ferne ein Glöckchen Leuten. Bekannt geworden mit „Nightmare on Elm Street 5 – Das Trauma“ und „Predator 2“ lieferte er in den 90er-Jahren noch einige recht brauchbare Filme wie „Der Geist und die Dunkelheit“ oder „Lost in Space“. Nach der Jahrtausendwende zählt „The Reaping“ mit Hilary Swank (aus dem Jahr 2007) schon zu seinen größten Errungenschaften auf der großen Leinwand. Dafür war er ziemlich aktiv in der Serienwelt und inszenierte unter anderem Folgen bei „24“, „House of Lies“ und „Californication“. Wenn es um die Verfilmung einer großen Biographie wie der von Jesse Owens ging, war er von daher schon eine überraschende Wahl. In Anbetracht dessen ist das Ergebnis erstaunlich gut gelungen. Hopkins liefert in 118 Minuten eine flüssige, teilweise berührende und tragische, aber immer sympathische Erzählung von einem Einzelkämpfer, der sich gegen alle Widerstände durchsetzt. Natürlich ist die Geschichte von Jesse Owens zutiefst amerikanisch. Wenn aber jemand derart gekämpft hat, mit den eigenen kleinen Mitteln etwas zu bewegen, verdient er die Würdigung, die ihm der Film auch größtenteils geben kann.

Jesse und Coach Snyder wollen Geschichte schreiben (© Square One/Universum Film)

Jesse und Coach Snyder wollen Geschichte schreiben (© Square One/Universum Film)

Optisch ist der Film erstaunlich gut und liefert sehr schöne Animationen u.a. vom Berliner Olympiastadion während der Errichtung. Einen massiven Kritikpunkt müssen sich Hopkins und sein Team aber gefallen lassen: „Zeit für Legenden“ bleibt durchgängig recht oberflächlich. Die Rassismus-Thematik in den USA und natürlich auch im nationalsozialistischen Deutschland wird nur vereinzelt aufgegriffen und bleibt ansonsten zu sehr am Spielfeldrand des Geschehens. So darf der Berliner Barnaby Metschurat in der Rolle des Joseph Goebbels nicht viel mehr als den Klischee-Nazi geben, der ab und zu grimmig guckt und nicht besonders viel zu sagen hat. Stephan James war als Jesse Owens gut besetzt und darf auch seine Qualitäten zeigen. Seine präsente, recht kraftvolle Darbietung gehört zu den besten Teilen des Films. Der Komiker Jason Sudeikis überrascht hier in einer ernsten Rolle als Trainer Snyder. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase entpuppt er sich als ordentliche Besetzung. Jeremy Irons („Batman v Superman: Dawn of Justice“) darf als Bauunternehmer, der für das olympische Komitee mit den Nazis verhandelt, ein solide Performance liefern. Carice Van Houten („Game of Thrones“) bekommt als Leni Riefenstahl ebenso wenig zu tun wie William Hurt, der als Kritiker der Olympia-Pläne eine kurze Halbwertzeit im Film hat. Einen netten kleinen Part konnte David Kross („Boy 7“) in der späten Phase des Films übernehmen.

Für diejenigen, die tatsächlich noch nichts von der unglaublichen Geschichte von Jesse Owens gehört haben, ist „Zeit für Legenden“ alle Male sehenswert. Aber auch für die, die hier nicht mehr viele Neuigkeiten zu erfahren haben, wird ein gut erzählter, kurzweiliger Film geboten. Wären die Macher bei den politischen Hintergründen noch etwas in die Tiefe gegangen, hätte das Leinwand-Comeback von Stephen Hopkins weit mehr als nur passabel werden können.

3 von 5 Punkten


Quelle: Square One/Universum Film, Leinwandreporter TV, YouTube

Zeit für Legenden

Originaltitel:Race
Regie:Stephen Hopkins
Darsteller:Stephan James, Jason Sudeikis, Jeremy Irons, William Hurt
Genre:Drama, Sportfilm, Biographie
Produktionsland/-jahr:USA, 2015
Verleih:Square One/Universum Film
Länge: 118 MinutenFSK: ab 6 Jahren
Kinostart: 28.07.2016

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 09.07.2016
Review: Zeit für Legenden (Kino)

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