Review: Spuk in Hill House (Netflix)

Das US-Artwork zu "Spuk in Hill House" (© Netflix)

Das US-Artwork zu “Spuk in Hill House” (© Netflix)

Inhalt: Im Jahr 1992 ziehen Hugh (Henry Thomas) und Olivia Crane (Carla Gugino, „San Andreas“) mit ihren Kinder Steven (Paxton Singleton), Shirley (Lulu Wilson, „Annabelle 2“), Theo (Mckenna Grace, „Begabt – Die Gleichung eines Lebens“), Nell (Violet McGraw) und Luke (Julian Hilliard) in die heruntergekommene Villa Hill House. Die Eltern wollen über den Sommer das gigantische Anwesen restaurieren und dann meistbietend verkaufen. Doch schnell ereignen sich merkwürdige Dinge, für die es keine natürliche Erklärung gibt. Gerade Olivia scheint mit dem Leben in Hill House nicht zurecht zu kommen. Eines Abends kommt es zu einem tragischen Zwischenfall, der die Familie für immer verändert.

26 Jahre später versucht die psychisch instabile Nell (Victoria Pedretti), mit ihren Familienmitgliedern in Kontakt zu treten, um sie vor etwas zu warnen. Doch Autor Steven (Michiel Huisman, „Deine Juliet“), Bestatterin Shirley (Elizabeth Reaser), Psychologin Theo (Kate Siegel), der im Drogenentzug befindliche Luke (Oliver Jackson-Cohen, „Dracula – Die Serie“) und Vater Hugh (Timothy Hutton, „Stark – The Dark Half“) nehmen den Anruf von Nell nicht entgegen. Wenig später muss die Crane-Familie tatsächlich ein neues Trauma durchleben. Bald wird ihnen klar, dass sie sich ihrer Vergangenheit stellen müssen, um die Chance auf eine Zukunft zu haben.

Kritik: Im Jahr 1953 veröffentlichte Shirley Jackson ihre Gothic-Horror-Roman „Spuk in Hill House“. Der stilbildende Roman wurde bald zum Klassiker und bekam mit „Bis das Blut gefriert“ von Robert Wise 1963 eine Kino-Adaption spendiert, die ebenfalls längst Kultstatus besitzt. 1999 wagte sich „Speed“-Regisseur Jan de Bont an ein Remake, konnte mit dem wenig eindrucksvollen „Das Geisterschloss“ aber nicht überzeugen. Mike Flanagan hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der spannendsten neuen Regisseur im Horror-Genre entwickelt. Mit dem effektiven „Oculus“ und dem (gerade an der Brettspiel-Prämisse gemessen) überraschend gruseligen „Ouija – Ursprung des Bösen“ hat er sich bei einigen Fans und auch bei den Verantwortlichen von Netflix einen guten Namen gemacht. Nachdem er für den Streaming-Anbieter bereits die Thriller „Hush“ und „Das Spiel“ inszenieren durfte, hat er jetzt auf Basis des Romans von Jackson eine zehnteilige Horror-Drama-Serie entwickelt. Darüber hinaus hat er bei allen Episoden selbst die Regie übernommen.

Hugh bringt die Familie in Sicherheit (© Netflix)

Hugh bringt die Familie in Sicherheit (© Netflix)

Gerade weil er deutlich vom Original abweicht, ist das Endergebnis absolut beeindruckend. In seinem Kern ist „Spuk in Hill House“ ein Familiendrama, bei dem sich die unangenehmen und schockierenden Elemente vor allem im zwischenmenschlichen Bereich abspielen. Da Flanagan in (fast) jeder Episode den Fokus auf eine andere Hauptfigur lenkt, funktionieren die zentralen Handlungspunkte als Rätsel, die sich mit jedem Blickwinkel immer mehr entfalten. Selbst wenn der klassische Grusel eine überraschend kleine Rolle spielt, ist die Serie fast durchgängig spannend und atmosphärisch. Wenn die Horror-Elemente in den Vordergrund treten, wird das Geschehen gerne äußerst intensiv und verstörend. Die gelegentlich eingebauten Jumpscares zeigen, dass sie mit den richtigen handwerklichen Kenntnissen ein sinnvolles Mittel für guten Horror sein können. Tatsächlich gelingen Flanagan hier einige Szenen, die auch erfahrenen Genre-Fans unter die Haut gehen dürften.

In seiner Mischung einer packenden Familien-Geschichte, bei der Werte wie Zusammenhalt und Vergebung im Mittelpunkt stehen, und ziemlich klassischem, ausgesprochen effektivem Grusel-Kino, trifft die Serie fast immer den richtigen Ton. Tatsächlich gelingt es, im einen Moment aufrichtig berührend zu sein und in der nächsten Szene wieder Angst zu verbreiten, ohne dabei sprunghaft zu erscheinen.

Shirley und Steven sind ratlos (© Netflix)

Shirley und Steven sind ratlos (© Netflix)

Die starken Drehbücher werden vor der Kamera von einem herausragenden Ensemble umgesetzt. Da sich der erzählerische Mittelpunkt mit jeder Folge verändert, dürfen alle Hauptdarsteller etwas von ihren Qualitäten zeigen. Dabei greift Flanagan zu großen Teilen auf Darsteller zurück, mit denen er bereits gearbeitet hat. Allerdings gehören die beiden aktuell wohl bekanntesten Namen nicht in diese Kategorie. Doch sowohl Oscar-Preisträger Timothy Hutton als Vater, der verzweifelt aber ungeschickt Anschluss bei seinen erwachsenen Kindern sucht, als auch der niederländische Frauenschwarm Michiel Huisman, der den distanzierten, pragmatischen Steven spielt, liefern bärenstarke Vorstellungen. Elizabeth Reaser als Vernunfts-Mensch Shirley, Flanagan-Ehefrau Kate Siegel als kühl-zornige Theo, Oliver Jackson-Cohen als drogensüchtiger Luke und vor allem Debütantin Victoria Pedretti, die die traumatisierte und von einer furchtbaren Krankheit gequälte Nell spielt, sorgen in den Gegenwart-Szenen dafür, dass das Geschehen immer emotional nahbar und aufrichtig wirkt.

Auch der Cast der 1992er-Geschichte überzeugt ohne Ausnahme. Der ehemalige Kinderstar Henry Thomas zeigt als Vater, der seine Familie zusammenhalten möchte, seine vielleicht beste Leistung als Erwachsenen-Darsteller. Carla Gugino beweist als liebende Mutter, die langsam der Realität entgleitet, dass auch sie eine absolut wandelbare Darstellerin ist. Es hat seine Gründe, dass Mckenna Grace und Lulu Wilson zu den hoffnungsvollsten Nachwuchstalenten in Hollywood zählen, was sie hier in jeder Szene beweisen. Aber auch die weniger bekannten Kinderdarsteller Paxton Singleton, Violet McGraw und Julian Hilliard tragen ihren Teil zu einer erstaunlich starken Serie bei.

Es hat den Anschein, als ob alle bisherigen Filme von Mike Flanagan nur Fingerübungen für diese Produktion waren. Seine Neuinterpretation von „Spuk in Hill House“ ist Fernsehen auf Top-Niveau. Intelligent strukturiert, spannend, abwechslungsreich, stark gespielt, emotional packend und im richtigen Maß angsteinflößend, ist dieses Horror-Drama die vielleicht beste neue Serie im Jahr 2018.

4,5 von 5 Punkten

Die erste Staffel der Serie ist ab dem 12.10.2018 im Programm von Netflix zu sehen.


Quelle: Netflix, YouTube

Spuk in Hill House

Originaltitel:The Haunting Of Hill House
Showrunner:Mike Flanagan
Darsteller:Michiel Huisman, Carla Gugino, Timothy Hutton, Elizabeth Reaser, Oliver Jackson-Cohen, Henry Thomas, Kate Siegel
Genre:Horror-Drama-Serie
Produktionsland/-jahr:USA, 2018
Verleih:Netflix
Länge:10 x 42-70 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Netflix

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 06.10.2018
Review: Spuk in Hill House (Netflix)

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