Review: Begabt – Die Gleichung eines Lebens (Kino)

Das Plakat von "Begabt - Die Gleichung eines Lebens" (© 2017 Twentieth Century Fox)

Das Plakat von “Begabt – Die Gleichung eines Lebens” (© 2017 Twentieth Century Fox)

Inhalt: Seit dem Tod ihrer Mutter lebt die sieben Jahre alte Mary (Mckenna Grace, „Independence Day 2 – Wiederkehr“) bei ihrem Onkel Frank (Chris Evans, „The First Avenger – Civil War“) in Florida. Obwohl sie in ganz einfachen Verhältnissen hausen, hat sich Mary zu einem cleveren und sehr agilen Kind entwickelt. Als sie dann eingeschult wird, fällt ihrer Lehrerin Bonnie (Jenny Slate, „Zoomania“) schnell auf, dass das Mädchen nicht wie ihre Klassenkameraden ist. Scheinbar mühelos löst sie komplizierte Matheaufgaben, weswegen sie Frank ihre Vermutung mitteilt, dass seine Nichte hochbegabt sein könnte. Es wird sogar angeboten, dass Mary in einem Programm für Hochbegabte aufgenommen wird. Doch Frank ist es wichtiger, seiner Ziehtochter ein normales Leben zu ermöglichen, weswegen er das Angebot ablehnt. Das ruft wiederum Evelyn (Lindsay Duncan, „The Honourable Woman“), die leistungsorientierte, etwas unnahbare Großmutter von Mary auf den Plan: Sie möchte das Mädchen zu sich nehmen und dafür sorgen, dass sie ihr Potenzial ausschöpft. Da sich Evelyn und Frank nicht auf eine Lösung einigen können, landet der Fall schon bald vor Gericht.

Kritik: Im Jahr 2009 überraschte der Musikvideo-Regisseur Marc Webb mit der ebenso originellen wie einfühlsamen Romantik-Komödie „500 Days of Summer“, die ihn schnell in die erste Liga Hollywoods brachte und ihm wohl auch den Job für beide „The Amazing Spiderman“-Filme besorgte. Nun geht es für ihn zurück in eine Filmwelt, in der nicht ganz so viel Bombast zu entdecken ist. Bei einer Thematik, die leicht an der Grenze zum (üblen) Kitsch kratzt, gelingt es Webb, den richtigen Ton zu finden. Sympathisch, herzlich, erstaunlich amüsant und manchmal auch aufrichtig rührend wird eine Geschichte erzählt, bei der die richtige Antwort nicht immer direkt offensichtlich ist. Auch wenn es manchmal dann doch arg zuckerig wird, entwickelt sich so ein Film, der erstaunlich gut funktioniert. Ohne Ernsthaftigkeit und Tragik zu vernachlässigen, bewahrt sich der Film über die ganze Spieldauer ein gewisses Maß an Augenzwinkern. Ebenso werden die (hoffentlich sichtbaren) Grenzen in einer extrem leistungsorientierten Gesellschaft aufgezeigt.

Mary und Frank sind ein eingespieltes Team (© 2017 Twentieth Century Fox)

Mary und Frank sind ein eingespieltes Team (© 2017 Twentieth Century Fox)

Einer der Gründe, weshalb „Begabt“ den Zuschauer auf dem Weg gut mitnimmt, sind die überzeugend gespielten und geschriebenen Charaktere. Dabei ist die junge Mckenna Grace die große Entdeckung des Films. Sie ist altklug, ohne nervig zu werden und dabei charmant, verspielt und frech. Es ist nahezu unmöglich, die kleine Mary nicht zu mögen. Chris Evans hat schon das eine oder andere Mal angedeutet, dass mehr als Captain America in ihm steckt. Als trinkfester Womanizer und passionierter Underachiever, der aber alles für seine Nichte machen würde, spielt er einen Charakter, der komplexer ist, als es auf den ersten Blick wirkt. Lindsay Duncan darf als Großmutter von Mary die Seite vertreten, die sich ganz klar für das Ausschöpfen von vorhandenem Möglichkeiten einsetzt. Dabei ist sie ansprechend kühl, bekommt aber genug eigenständige Charaktereigenschaften zugestanden, um nicht nur die böse Hexe zu mimen. Octavia Spencer und Jenny Slate kämpfen mit sympathischen Auftritten an der Seite von Frank für eine unbeschwerte Zukunft von Mary. Dazu gibt es ein Wiedersehen mit Glenn Plummer, der als Rechtsanwalt den Familienstreit verhandelt.

Sicherlich ist „Begabt – Die Gleichung eines Lebens“ keine Produktion, die nachhaltig das Filmgeschäft verändern wird. Obwohl Geschehen und Inszenierung sehr konventionell bleiben und der Film dann doch nicht komplett ohne Anflüge von Schmalz auskommt, zeigt Marc Webb eine auf ihre Art liebenswerte und gut gespielte Geschichte, die auf den meisten Ebenen überzeugt.

3,5 von 5 Punkten


Quelle: 20th Century Fox, Leinwandreporter TV, YouTube

Begabt - Die Gleichung eines Lebens

Originaltitel:Gifted
Regie:Marc Webb
Darsteller:Chris Evans, McKenna Grace, Lindsay Duncan, Jenny Slate, Octavia Spencer
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:USA 2017
Verleih:20th Century Fox
Länge: 101 MinutenFSK: ab 6 Jahren
Kinostart: 13.07.2017
Homepage: Begabt - Die Gleichung eines Lebens

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 11.07.2017
Review: Begabt – Die Gleichung eines Lebens (Kino)

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