Review: Girl on the Train (Kino)

Das Kino-Plakat von "Girl on the Train" (© Constantin Film)

Das Kino-Plakat von “Girl on the Train” (© Constantin Film)

Inhalt: Aufgrund ihrer Alkoholprobleme ist die Ehe von Rachel Watson (Emily Blunt, „The Huntsman and the Ice Queen“) bereits vor einiger Zeit gescheitert. Dennoch versucht sie immer noch, ihren Ex Tom (Justin Theroux), der inzwischen mit seiner neuen Frau Anna (Rebecca Ferguson) ein Kind hat, wieder für sich zu erobern. Jeden Tag fährt sie in ihrem Pendlerzug am Haus von Tom vorbei. So erblickt sie auch die schöne Megan (Haley Bennett, „Die glorreichen Sieben“), die mit ihrem Mann Scott (Luke Evans, „High-Rise“) in der Nachbarschaft lebt. Nach und nach wächst ihre Begeisterung an der Frau und ihrer scheinbar perfekten Ehe. Als sie dann aber beobachtet, wie Megan ihren Mann betrügt, bricht Rachels instabile Welt in sich zusammen. Sehr betrunken entschließt sie sich dazu, Megan zur Rede zu stellen. Am nächsten Morgen erwacht sie mit einem schweren Kater, Blut an ihrem Oberteil und ohne Erinnerung, was geschehen ist. Dann erfährt sie aus dem Fernsehen, dass Megan vermisst wird. Panisch macht Rachel sich selbst auf Spurensuche und beginnt immer mehr, an sich selbst zu zweifeln.

Kritik: Vor etwas zwei Jahren gelang David Fincher die virtuose Verfilmung des ebenso starken Romans „Gone Girl“ von Gillian Flynn. „Girl on the Train“ von Paula Hawkins, der immer wieder in der Werbung mit dem Roman von Flynn verglichen wurde, war (schon aufgrund des kommerziellen Erfolgs) ein logischer Kandidat für eine Kino-Adaption. Unter der Regie von Tate Taylor, der auch noch einen ausgesprochen reizvollen Cast spendiert bekam, wanderte der komplex erzählte Thriller auf die Leinwand. Eine Haupterkenntnis, die sich schnell bei den meisten breit machen dürfte, bleibt eine Anerkennung der Fähigkeiten David Finchers. Wo „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ gerade wegen seiner perfekt durchkomponierten Atmosphäre so außergewöhnliches Kino war, wirkt „Girl on the Train“ erstaunlich einfallslos. Die Handlung springt hier ziemlich unmotiviert zwischen den Zeitebenen und schafft es nie wirklich, Interesse an dem Krimi-Rätsel oder dem Schicksal der etwas monotonen Figuren entstehen zu lassen.

Rachel zweifelt immer mehr an sich (© Constantin Film)

Rachel zweifelt immer mehr an sich (© Constantin Film)

Mehr geballte Frauenpower, wie dieser Film zu bieten hat, geht auf dem Papier eigentlich kaum. Nachdem Emily Blunt in der vergangenen Oscar-Saison trotz ihrer Fabel-Performance in „Sicario“ übergangen wurde, beweist sie hier zumindest Mut zur Hässlichkeit. Dabei hat ihr Charakter einige Probleme. Sie ist als selbstmitleidige Alkoholikerin sicher kein liebenswerter Protagonist. Sie ist aber auch nicht bösartig genug, um den Zuschauer bewusst von ihr zu distanzieren. Auch das Schauspiel von Blunt schwankt zwischen wirklich starken Momenten und Szenen, wo sie deutlich über dem angemessenen Ton landet. Haley Bennett ist eines der großen neuen Gesichter des Weltkinos. Ihre Megan strahlt teilweise eine faszinierende Tragik aus, nur um in folgenden Sequenzen wieder im Einheitsbrei zu versinken. Nachdem sie mit einem großartigen Auftritt in „Mission: Impossible – Rogue Nation“ den Sprung auf die A-Liste des Kinos geschafft hat, ist Rebecca Ferguson hier merklich unterfordert. Andere tolle Schauspielerinnen wie Laura Prepon („Orange is the new Black“), Lisa Kudrow („Bad Neighbors 2“) und Allison Janney („Die Insel der besonderen Kinder“) verdienen sich kaum einen Anwesenheitsvermerk. Die männlichen Konterparts Justin Theroux, Luke Evans und Edgar Ramirez („Joy – Alles außer gewöhnlich“) geben nicht unbedingt positiv besetzte Chraktere, die sich aber auch vermehrt im Hintergrund der Geschichte aufhalten.

Was ist mit Megan geschehen? (© Constantin Film)

Was ist mit Megan geschehen? (© Constantin Film)

Auf diese Art plätschert der flügellahme Thriller die meiste Zeit vor sich hin und liefert immer wieder ein paar nette Momente. Wenn es dann zu einem gut durchdachten Plottwist kommt, dürften die meisten Zuschauer schon in einer Gefühlswelt angekommen sein, wo sie die Geschehnisse mit einem Achselzucken quittieren. Das folgende Over the Top-Finale beinhaltet zumindest vermehrten Unterhaltungswert, der dem Film erstaunlich oft abging. „Girl on the Train“ ist ein Film der verpassten Chancen, weswegen er – obwohl er qualitativ zumindest unteres Mittelmaß ist – sicherlich enttäuscht.

2,5 von 5 Punkten


Quelle: Constantin Film, Leinwandreporter TV, YouTube

Girl on the Train

Originaltitel:The Girl on the Train
Regie:Tate Taylor
Darsteller:Emily Blunt, Rebecca Ferguson, Haley Bennett, Justin Theroux, Laura Prepon
Genre:Thriller, Krimi
Produktionsland/-jahr:USA, 2016
Verleih:Constantin FIlm
Länge: 113 MinutenFSK: ab 16 Jahren
Kinostart: 27.10.2016
Facebook-Page:Girl on the Train

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 23.10.2016
Review: Girl on the Train (Kino)

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