Review: Gone Girl – Das perfekte Opfer (Kino)

Das Poster von "Gone Girl" (Quelle: 20th Century Fox)

Das Poster von „Gone Girl“ (Quelle: 20th Century Fox)

In ihrer Kindheit wurde Amy Elliot (Rosamund Pike, „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“) von ihren Eltern für eine Buch-Reihe vermarktet. Jahre später glaubt die gebildete Frau, im charmanten Roman-Autor Nick Dunne (Ben Affleck, „Company Men“) ihr Glück gefunden zu haben. Alles scheint perfekt, bis Nick am fünften Hochzeitstag des Paares aus der Bar, die er nebenbei mit seiner Schwester Margo (Carrie Coon) betreibt, nach Hause kommt. Amy ist spurlos verschwunden. Verzweifelt startet Nick gemeinsam mit seinen Schwiegereltern eine große Suchaktion, die aber ohne Ergebnis verläuft. Dabei bilden sich immer mehr Unklarheiten, die darauf hinweisen, dass die Ehe der Dunnes doch nicht so traumhaft war, wie sie nach außen gewirkt hat. Steckt Nick selbst hinter dem Verschwinden seiner Frau? Hat er sie vielleicht sogar ermordet? Und was hat Amys Schulfreund Desi (Neil Patrick Harris, „A Million Ways To Die In The West (Kino)“) mit der Situation zu tun.

Ohne Zweifel gehört David Fincher zu den ganz großen Regisseuren seiner Zunft. Doch trotz verdientem Lob und Preisen erreichten weder das „Verblendung“-Remake noch „Benjamin Button“ oder „Social Network“ die außergewöhnliche Klasse von „Sieben“ und „Fight Club“. Für seinen neuen Film diente der finstere New York Times-Bestseller „Gone Girl“ von Gillian Flynn als Vorlage. Schon auf dem Papier erscheint dieser Thriller, der viel mehr bietet als eine einfache Entführungsgeschichte, wie geschaffen für David Fincher. Und tatsächlich liefert der Regisseur seine beste Arbeit seit langem. In den stolzen 145 Minuten Spielzeit erzählt er eine jederzeit fesselnde Story, in der er sich praktisch keine Schwäche erlaubt. In dem unglaublich wendungsreichen und intelligenten Plot werden die Zuschauer gekonnt an der Nase herumgeführt und manipuliert. So verliebt man sich in den schon starken ersten Minuten gemeinsam mit Nick und Amy, ehe alles in sich zusammenzufallen zu beginnt. Immer wieder gelingt es, falsche Fährten zu legen, wegen denen der Zuschauer zahlreiche Überraschungen erleben darf. Dabei ist die Inszenierung Finchers handwerklich natürlich absolut makellos. Der immer perfekte Soundtrack von Trent Reznor und die virtuose Kamera-Arbeit von Jeff Cronenweth beweisen wieder einmal, warum der Regisseur gerne mit einem eingespielten Team arbeitet.

Rosamund Pike spielt sich in Hollywoods A-Liga

Was hat Nick Dunne mit dem Verschwinden seiner Frau zu tun? (Quelle: 20th Century Fox)

Was hat Nick Dunne mit dem Verschwinden seiner Frau zu tun? (Quelle: 20th Century Fox)

Es dürfte offensichtlich sein, dass „Gone Girl“ in allen Belangen die Erwartungen erfüllen kann. Der Film schafft es sogar, an einigen Stellen sehr humorvoll zu sein und die düstere Grundstimmung so immer wieder etwas aufzuhellen. Auch das wird bis zum außergewöhnlichen Finale durchgezogen. In seinen letzten Werken konnte Fincher Jesse Eisenberg („The Social Network“) und Rooney Mara („Verblendung“) zu einer Oscar-Nominierung und einer damit verbundenen neuen Karriere-Stufe verhelfen. Dieser Part fällt hier eindeutig Rosamund Pike zu. Die schöne Britin brilliert mit einer einfühlsamen und wundervoll doppelbödigen Darstellung einer der faszinierendsten Frauen-Rollen seit langer Zeit. Wer so eine Leistung zeigt, wie ihr es hier gelingt, sollte einen Platz in der Elite Hollywoods sicher haben. Auch Ben Affleck zeigt seine beste schauspielerische Leistung seit längerem. Sein Nick wirkt wie der nette Kerl von nebenan, der ein Geheimnis zu verbergen hat. Genau aus dieser Mischung zieht der Film einen guten Teil seiner Spannung. Eine komplett ungewohnte Darbietung gibt es von Comedy-Superstar Neil Patrick Harris, der sich hier als sehr anhängliche Jugendliebe von Amy sich auch im ernsthaften Genre etabliert. Auch bei den weiteren Darstellern wie der beachtlichen Newcomerin Carrie Coon als Nicks Schwester Margo, Tyler Perry („Alex Cross“) als Sprüche klopfendem Star-Anwalt oder auch Kim Dickens („Deadwood“) als abgebrühter Polizistin gibt es keinen Kritik-Punkt.

David Fincher wird den wahnsinnig hohen Erwartungen an seinen neuen Film scheinbar spielend gerecht. Der durchgehend spannende Plot, die fantastische Kamera-Arbeit und Filmmusik sowie die Schauspielleistungen um die herausragende Rosamund Pike machen den „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ zu einem Thriller-Meisterwerk.

5 von 5 Punkten


Quelle: 20th Century Fox, Leinwandreporter TV, YouTube

Gone Girl - Das perfekte Opfer

Originaltitel:Gone Girl
Regie:David Fincher
Darsteller:Ben Affleck, Rosamund Pike, Neil Patrick Harris
Genre:Thriller
Produktionsland/-jahr:USA, 2014
Verleih:20th Century Fox
Länge:145 Minuten
FSK:ab 16 Jahren
Kinostart:02.10.2014

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 01.10.2014
Review: Gone Girl – Das perfekte Opfer (Kino)

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