Review: Joy – Alles außer gewöhnlich (Kino)

Das Plakat von "Joy - Alles außer gewöhnlich" (© 20th Century Fox)

Das Plakat von “Joy – Alles außer gewöhnlich” (© 20th Century Fox)

Inhalt: Joy Mangano (Jennifer Lawrence, „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2“) war schon als Kind ausgesprochen kreativ und hat immer kleine Sachen erfunden. Mit fortschreitendem Alter konnte sie ihre Talente bald nicht mehr so ausleben, da sie sich um ihre alltagsuntaugliche Mutter Terry (Virginia Madsen) kümmern und bei ihrem Vater Rudy (Robert de Niro, „Man lernt nie aus“) in der Werkstatt aushelfen musste. Die Ehe mit dem erfolglosen Musiker Tony (Édgar Ramírez, „The Liberator“) brachte ihr zwar zwei Kinder, ging aber schon bald in die Brüche. Trotz der Scheidung lebt Tony weiterhin bei Joy im Keller. Während eines Ausfluges, wo sie sich beim Aufwischen von Scherben schneidet, bekommt Joy eine Idee: Sie entwickelt mit der finanziellen Unterstützung von Rudys neuer Freundin Trudy (Isabella Rossellini, „Enemy“) den ersten automatisch auswringbaren Wischmopp. Sie hat nur keine Ahnung, wie sie den vertreiben soll. Erst als sie den QVC-Programmchef Neil Walker (Bradley Cooper, „Im Rausch der Sterne“) kennen lernt, sieht sie ihre Chance gekommen.

Noch sprühen zwischen Tony und Joy die Funken (© 20th Century Fox)

Noch sprühen zwischen Tony und Joy die Funken (© 20th Century Fox)

Kritik: In den letzten Jahren hat sich Regisseur David O. Russell in die erste Hollywood-Liga vorgeschoben. Das Boxer-Drama „The Fighter“ und die eigenwillige Tragikomödie „Silver Linings“ gehörten zu den jeweils besten Filmen ihres Jahrgangs und bescherten vor allem den Darstellern zahlreiche Preise. Diese Qualität konnte mit „American Hustle“ zwar nicht gehalten werden. Ein unterhaltsamer, schick ausgestatteter und gut gespielter Film war es aber auf jeden Fall. Deswegen waren die Befürchtungen auch nicht besonders hoch, als bekannt wurde, dass David O. Russell seinen neuen Film über die Erfinderin eines Wischmopps dreht. Als leichtfüßige „American Dream“-Geschichte wäre wahrscheinlich ein durchaus unterhaltsamer Film machbar gewesen. Leider macht es vor allem in der ersten Halbzeit den Eindruck, als ob „Joy“ in der Planungsphase stecken geblieben ist.

Mit extrem langsamen Tempo wird der Zuschauer in die Welt der Protagonistin eingeführt. Dabei gibt es ein paar Familienstreitigkeiten, Rückblenden, Randgeschichten und Soap Opera-Zwischenspiele, die als reines Gimmick dienen. Das ganze Geschehen wirkt dabei ziemlich zerfasert und wenig homogen, was allgemein für einen zähen Film sorgt. Erst nachdem (inhaltlich recht konstruiert) die große Erfindung gemacht wurde und Joy probiert, ihren Einfall umzusetzen, gewinnt das Geschehen an Unterhaltungswert. Optisch wird hier einiges geboten. Im stilbewussten Film-Look sieht „Joy“ klasse aus. Auch der starke Soundtrack hebt sich vom Geschehen ab. Weswegen dieser Film, der ganz eindeutig im Genre Drama beheimatet ist, bei den Golden Globes in der Kategorie „Beste Komödie“ vertreten ist, will sich beim besten Willen nicht erschließen.

Doch auf sich gestellt ist Joy wesentlich erfolgreicher (© 20th Century Fox)

Doch auf sich gestellt ist Joy wesentlich erfolgreicher

Eine große Stärke der vergangenen Filme von David O. Russell waren die originellen Charaktere, die von einem tollen Ensemble getragen wurden. Da ist es schon ein wenig verwunderlich, dass es hier nur eine wirklich interessante Figur gibt. Jennifer Lawrence ist in der Titelrolle wieder einmal exzellent. Sie gibt eine emotionale, taffe, facettenreiche Frau, die dem Film auch in den schwachen Momenten Tiefe und Leben gibt. An ihrer Seite gelingt es am ehesten noch Édgar Ramírez in der Rolle des sympathischen, aber nicht besonders erwachsenen Ex-Mannes, ein paar nette Momente zu zeigen. Robert de Niro geht nach starkem Beginn ein wenig unter. Virginia Madsen, Bradley Cooper und Isabella Rossellini grenzen in ihren eindimensionalen Figuren an Karikaturen.

Am Ende des Tages muss die Frage, ob David O. Russell auch rund um einen Wischmopp einen spannenden Film drehen kann, verneint werden. Es hat den Anschein, als ob er selbst nicht genau wusste, wie er seine Geschichte wirklich umgesetzt werden soll. Nur in einzelnen Momenten blitzt die Klasse auf, die seine letzten Werke ausgezeichnet hatte. So liegt es vor allem an der gewohnt starken Jennifer Lawrence und dem tollen Look, dass „Joy – Alles außer gewöhnlich“ trotz seiner Probleme ein zumindest brauchbarer Film ist.

3 von 5 Punkten


Quelle: 20th Century Fox, Leinwandreporter TV, YouTube

Joy - Alles außer gewöhnlich

Originaltitel:Joy
Regie:David O. Russell
Darsteller:Jennifer Lawrence, Bradley Cooper, Donna Mills, Edgar Ramirez, Robert de Niro
Genre:Tragikomödie
Produktionsland/-jahr:USA, 2015
Verleih:20th Century Fox
Länge: 124 MinutenFSK: ab 12 Jahren
Kinostart: 31.12.2015
Homepage:Joy - Alles außer gewöhnlich

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 24.12.2015
Review: Joy – Alles außer gewöhnlich (Kino)

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