Review: American Hustle (Kino)

Das Plakat von "American Hustle" (Quelle: Tobis Film)

Das Plakat von “American Hustle” (Quelle: Tobis Film)

Inhalt: 1978 betreibt Irving Rosenfield (Christian Bale, „The Dark Knight Rises“) eine Kette von mäßig erfolgreichen Waschsalons. Das wirkliche Geld verdient er mit Trickbetrug und dubiosen Kreditgeschäften. In der charmant-verführerischen Sydney (Amy Adams, „Man of Steel“) findet er die ideale Partnerin fürs Private und Geschäftliche. Schnell verdienen sich die beiden ein kleines Vermögen. Irvings wesentlich jüngere Ehefrau Rosalyn (Jennifer Lawrence, „Die Tribute von Panem – Catching Fire“), die ebenso unberechenbar und labil wie eifersüchtig ist, speist er immer wieder mit Ausreden ab.

Alles läuft gut, bis Irving und Sydney von dem krankhaft ehrgeizigen FBI-Agenten Richie DiMaso (Bradley Cooper, „The Place Beyond the Pines“) auf frischer Tat ertappt werden. Richie ist auf der Jagd nach korrupten Politikern und spannt die beiden ein, um Lockvögel zu spielen. Sie sollen helfen, dem beliebten Bürgermeister von Camden, Carmine Polito (Jeremy Renner, „Hänsel und Gretel – Hexenjäger“) Bestechlichkeit und mehr nachzuweisen. Gezwungenermaßen macht sich das Gauner-Pärchen unter der Regie des Agenten an die Arbeit und rutscht mitten in eine Operation, die bis in die höchsten Mafia-Kreise geht.

Kritik: In den letzten Jahren hat sich Regisseur und Drehbuchautor David O. Russell zum Kassenmagneten und Kritikerliebling entwickelt. Nach dem packenden Sport-/Familiendrama „The Fighter“ aus dem Jahr 2010, für den Christian Bale und Melissa Leo einen Oscar gewinnen konnten, legte er 2012 mit der herausragenden Tragikomödie „Silver Linings“ sogar noch eine Schippe drauf. Für diesen Film konnte Jennifer Lawrence 2013 hochverdient Golden Globe und Oscar mit nach Hause nehmen. Da ist es auch wenig verwunderlich, dass sein neuestes Machwerk mit gewaltigen Vorschusslorbeeren bedacht wurde und noch höhere Erwartungen zu befriedigen hat. Sieben Nominierungen bei den Golden Globes sprechen aber schon eine deutliche Sprache. Tatsächlich ist „American Hustle“ ein guter bis streckenweise sehr guter Film, aber kein Meisterwerk, da die 138 Minuten Spielzeit gemessen am recht simplen Inhalt doch etwas zu viel des Guten sind.

Ein paar Längen, ein tolles Drehbuch und preisverdächtige Schauspieler

Zwei Gauner und ein Cop (Quelle: Tobis Film)

Zwei Gauner und ein Cop (Quelle: Tobis Film)

Streckenweise plätschert der Film etwas vor sich hin und scheint sich im (sehr gelungenen) 70er-Jahre Ambiente zu verlieren. Doch David O. Russell schafft es auch dank seines Skripts immer wieder, das Ruder herumzureißen. Clevere Wendungen, erstklassige Dialoge und gelungen eingesetzte Humorelemente sorgen dafür, dass das Drehbuch bei allen großen Preisverleihungen zum Favoritenkreis gehört. Wie bei den beiden Vorgängerfilmen ist „American Hustle“ auch wieder großes Schauspielerkino.

Christian Bale nutzt den Film mal wieder, um seine künstlerische und körperliche Bandbreite unter Beweis zu stellen. Nachdem er für „The Fighter“ erschreckend ausgemergelt zu sehen war, präsentiert er sich hier mit sattem Übergewicht und einer herrlich bizarren Frisur. Außerdem ist Bale in seiner Rolle tatsächlich ziemlich amüsant, was bislang nicht zu seinen bekanntesten Eigenschaften gehört hat. Natürlich ist jede einzelne Facette seiner Darstellung des Trickbetrügers Irving perfekt ausgefeilt. Im Oscar-Rennen wird er trotz dieser wieder einmal grandiosen Leistung nur als Außenseiter gehandelt, was vor allem an der sehr starken Konkurrenz liegt.

Rosalyn und Sydney können sich nicht ausstehen (Quelle: Tobis Film)

Rosalyn und Sydney können sich nicht ausstehen (Quelle: Tobis Film)

Amy Adams wirkt meist wie das nette Mädchen von nebenan. Hier zeigt sie, dass sie auch in einer ganz anderen Rolle groß aufspielen kann. Ihre Sydney ist verspielt, verführerisch und vor allem doppelbödig. Es macht wirklich Spaß, ihr in diesem Film zuzusehen. Bradley Cooper hat spätestens mit „Silver Linings“ bewiesen, das mehr in ihm steckt, als „der Schönling von „Hangover““. Das unterstreicht er hier als verbissen ehrgeiziger und cholerisch veranlagter Polizist noch einmal deutlich. Daneben hat sein Richie gemeinsam mit dessen Boss (Louis C.K.) einen der besten Running Gags der jüngeren Filmvergangenheit.

Ein weiterer Höhepunkt des neuen Werks von David O. Russell ist wieder einmal Jennifer Lawrence, die hier als psychisch labile,vorlaute und vom Leben überforderte Ehefrau und Mutter spielt, als hätte sie ihr ganzes Leben auf diese Rolle gewartet. Sie ist urkomisch, ohne dabei überspitzt zu wirken und wertet so jede Szene zusätzlich auf. Es ist fast schade, dass sie sich hier auf eine Nebenrolle beschränken muss. Alle vier Schauspieler sind bei den Golden Globes und bei den Oscars als Nominierte vertreten. Amy Adams und Jennifer Lawrence konnten bei den Globes sogar den Award mit nach Hause nehmen. Nicht ganz mithalten kann da der ähnlich talentierte Jeremy Renner, der hier als Politik-Strahlemann aber dennoch einen mehr als soliden Eindruck hinterlässt. Robert De Niro hat als gealterter Mafiakiller einen denkwürdigen Kurzauftritt.

„American Hustle“ bringt dem Zuschauer sehr viel Gutes. Vor allem die vorzüglichen Schauspieler und Dialoge sind sicher zum besten des Kinojahres zu zählen. Es gibt aber Filme, die mit 20-30 Minuten weniger noch besser geworden wären. Das zählt hier deutlich und sorgt immer wieder für eine Verschleppung des Tempos. Da das aber neben ein bis zwei Szenen am Ende, die nicht so clever sind, wie sie sein möchten, die einzige Schwäche bleibt, ist David O. Russell sein dritter toller Film in Serie gelungen.

4 von 5 Punkten


Quelle: Tobis Film, YouTube

American Hustle

Originaltitel:American Hustle
Regie:David O. Russell
Darsteller:Christian Bale, Amy Adams, Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Jeremy Renner, Robert de Niro
Genre:Krimikomödie
Produktionsland/-jahr:USA, 2013
Verleih:Tobis Film
Länge:138 Minuten
FSK:ab 16 Jahren
Kinostart:13.02.2014
Homepage:Der Internet-Auftritt von "American Hustle"

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