Flop 10 Filme des Jahres 2017

Zu Beginn ein frohes neues Jahr in die Runde. Was könnte es für eine schönere Möglichkeit geben, 2018 zu eröffnen, als an all die herben Enttäuschungen zu denken, mit denen man 2017 seine Zeit auf der großen und kleinen Leinwand verbringen durfte. Wie bei den schönen Filmen, die im vergangenen Jahr dankenswerterweise in der Überzahl waren, wurden nur Produktionen berücksichtigt, die auch im vergangenen Jahr ihre deutsche Erstveröffentlichung (im Kino bzw. direkt auf DVD/Blu-ray) hatten. Dabei wurden nicht unbedingt nur (aber auch) die Filme berücksichtigt, die handwerklich besonders inkompetent umgesetzt. Hier geht es um die Filme, die mir als Vielgucker eine besonders furchtbare Zeit beschert haben.

Zu Beginn ein paar Werke, die mich persönlich gequält haben, dann aber doch knapp an der Flop 10 vorbei gerutscht sind:

  • A Ghost Story“: Ja, sicher ist der Film auf seine Art gut gemacht. Die Bilder sind schön, Rooney Mara und Casey Affleck sind gute Schauspieler und der Regisseur weiß, was für eine Story er erzählen wollte. Das ändert aber nichts daran, wie prätentiös sein Ansatz ist und wie lang sich 92 Minuten Spielzeit anfühlen können. Es gibt vereinzelte Momente, wo die Verlust- und Trauergeschichte ihre emotionale Tiefe andeuten kann. Wenn der quälend langsam erzählte Film dann aber fünf Minuten damit verbringt, Rooney Mara beim Essen eines Kuchens zu zeigen, oder – den in ein Bettlaken gehüllten – Casey Affleck zeigt, während er wortwörtlich Farbe beim Trocknen zusieht, ist der Film in seinem Kern beschrieben. Wer am Ende auf eine Entschädigung oder Antwort hofft, wartet vergeblich.
  • Arsenal“: Der Action-Thriller, der verdientermaßen keinen Kinostart spendiert bekam, strotzt inhaltlich vor Klischees. Die furchterregend hohle Bruder-Rache-Geschichte wird von lahmen Action-Sequenzen und gruseligen Dialogen an den Rand der Unerträglichkeit geführt. Dazu sieht der Film in kränklichen Grüntönen unglaublich hässlich aus und wird mit merkwürdigen Schnitten und künstlerisch „aufgewerteten“ Gewaltexzessen nicht unbedingt verbessert. Der einzige Grund, weshalb dieser Film die Flop 10 verpasst, ist eine unfassbar skurrile Performance von Nicolas Cage. Er hat als psychotischer Gangsterboss scheinbar jede Regie-Anweisung ignoriert und sorgt so für doch für etwas Unterhaltungswert.
  • Max Steel“: Da Superheldenfilme modern sind, muss jeder – noch so kleine – Held jetzt seine Origin-Geschichte bekommen. Mit kleinem Budget sind die fast schon lächerlichen Effekte zu erklären. Unsympathische Hauptfiguren, ein konfuser Plot und ein unfassbar nerviger Roboter-Sidekick bieten aber auch abseits des finanziellen Aspekts genug Gründe, weshalb dieser hölzerne Held nach einem Einsatz den Weg zurück in die Mottenkiste genommen hat.
  • Die Mumie“: Universal Pictures hat das Dark Universe – eine eigene Filmwelt, in der sie mit den Revivals von Horror-Ikonen Marvel Konkurrenz machen können. So sah zumindest der Plan aus. Das aggressive Marketing der Macher führte dazu, dass sich „Die Mumie“ mehr wie ein Trailer für das Universum, als ein richtiger Film angefühlt hat. Abgesehen von Sofia Boutella, die als Titelfigur wirklich gut funktioniert und einem unterhaltsam chargierenden Russell Crowe, bleibt dieser konfuse, einfallslose Genre-Beitrag – in dem selbst Tom Cruise blass bleibt – eine einzige Enttäuschung.
  • Wish Upon“: Der amerikanische YouTuber Brad Jones hat gesagt „Dieser Film wirkt, als ob R.L. Stine sturzbesoffen eine Folge „Gänsehaut“ geschrieben hätte.“, womit er den Nagel auf den Kopf trifft. Diese auf Teenager zugeschnittene Geschichte um eine böse Wunschbox bedient sich (unblutig) bei „Final Destination“ und „Wishmaster“ und schafft es, furchtbares Storytelling mit noch schlimmeren Charakteren zu kombinieren. Da der unfreiwillige Unterhaltungswert erstaunlich hoch ist, verpasst der Film dann doch knapp die letzten 10.

Nun zu den zehn Filmen, die mich in diesem Jahr an den Rand des Wahnsinns getrieben haben:

  1. Basmati Blues

Wer auf dem Papier sieht, dass ein romantisches Musical mit sozialkritischen Untertönen und einer Besetzung mit Brie Larson, Donald Sutherland und Scott Bakula veröffentlicht wird, könnte ein berechtigtes Interesse entwickeln. Tatsächlich musste dieser Film fünf Jahre auf seinen Release warten und durfte wohl nur wegen der gewachsenen Popularität seiner Protagonistin überhaupt das Licht der Öffentlichkeit sehen. Kulturelle Klischees, eine alberne, inkonsistente Geschichte, nicht weiter nennenswerte Charaktere und Musik von der Disney-Resterampe sorgen dafür, dass der Film noch schlimmer als sein Titel ist. Hier dürften allenfalls Leute auf ihre Kosten kommen, die schon immer erleben wollten, dass Donald Sutherland ein Lied über Reis singt.

Hier geht es zur ausführlichen Kritik des Films

Basmati Blues (© 2017 EuroVideo)

Basmati Blues (© 2017 EuroVideo)

  1. Flatliners

Grundsätzlich hätte „Flatliners“ ein wirklich interessantes Remake werden können, da das Potenzial der Prämisse im Original noch nicht gänzlich ausgeschöpft wurde. Trotz eines Regisseurs wie Niels Arden Oplev ist ein lieblos zusammengeschustertes, langweiliges Jumpscare-Fest entstanden, dass sich Regeln auferlegt, die ohne Not wieder gebrochen werden. Gepaart mit kaum erträglichen Charakteren (Ausnahme Ellen Page), denen wohl kaum jemand die reine Qualifikation für ein Medizinstudium zutraut, vollkommen uninteressanten Nebenschauplätzen und einem restlos überflüssigen Gastauftritt von Kiefer Sutherland, bleibt hier der Eindruck, dass Sony nur einen Film in Auftrag gegeben hat, um die Rechte am Material zu erhalten.

Hier geht es zur ausführlichen Kritik des Films

Flatliners (© Sony Pictures Germany)

Flatliners (© 2017 Sony Pictures Germany)

  1. The Bye Bye Man

Manchmal verrät der Titel schon genug über den eigentlichen Film. So ist „The Bye Bye Man“ unter vielen schlechten Klischee-Horrorfilmen ein Werk, das immer noch negativ hervorsticht. Mit einer hanebüchen erzählten Geschichte, ohne jegliches Gespür für Atmosphäre und voller inhaltlicher und inszenatorischer Lücken entsteht ein Film, der statt einer Gänsehaut die Lachmuskeln strapaziert. Dieses Werk macht eigentlich alles falsch, was falsch gemacht werden kann und sorgt nicht nur mit den Auftritten von Carrie-Ann Moss und Faye Dunaway für Verwunderung. Auf dämliche Wortspiele, was das Bewusstsein während des Genusses dieses Filmes sagt, wird an dieser Stelle verzichtet.

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The Bye Bye Man (© 2017 Paramount Pictures Germany)

The Bye Bye Man (© 2017 Paramount Pictures Germany)

  1. Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe

Nach einem öden ersten Teil, in dem Regisseurin Sam Taylor-Johnson aufrichtig versuchte, aus dem gegebenen Material einen guten Film zu machen (und scheiterte), entschieden sich die Macher, den Regie-Stab an James Foley weiterzureichen und der Autorin E.L. James mehr kreative Gewalt zu geben. Das Endergebnis hat erwartet wenig mit professionellem Kino zu tun und liefert eine zähe Geschichte fernab von Knistern und Sex-Appeal, die mit der nervtötend-naiven (und immer noch lächerlich benannten) Anastasia Steele, sowie dem unfreiwillig angsteinflößenden Christian Grey zwei weiterhin deplatzierte Hauptfiguren hat. Da diese Nicht-Qualitäten dennoch für einen kommerziellen Erfolg gereicht haben, steht ein dritter Teil schon im Startblock.

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Fifty Shades of Grey - Gefährliche Liebe (© 2017 Universal Pictures International Germany)

Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe (© 2017 Universal Pictures International Germany)

  1. Kidnap

Es kam schon hier und da vor, dass der geneigte Kinogänger zu vergessen drohte, dass Halle Berry eine Oscar-Preisträgerin ist. Dieser ebenso furchtbar geschriebene wie inszenierte Entführungs-Thriller, in dem sie die Kidnapper ihres Sohnes jagt, dürfte da ein neuer Tiefpunkt sein. Die monotone, gefühlt endlose Auto-Verfolgungsjagd, in der die Protagonistin das Publikum zumeist mit schwer erträglichen Monologen (bzw. Gebrabbel) verzückt, wird dank einiger sinnfreier Handlungssprünge schwer nachvollziehbar. Es ergibt sich eine Mischung von unübersichtlich und langweilig, die nur in dem bizarr überdrehten Finale mit ein bisschen Unterhaltungswert bestückt werden kann.

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Kidnap (© 2017 EuroVideo)

Kidnap (© 2017 EuroVideo)

  1. Armed Response – Unsichtbarer Feind

In den 90er-Jahren gehörte Wesley Snipes zu den größten Action-Stars der Welt. Seine Karriere war aber spätestens vorbei, als er wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis musste. Nach seiner Haftentlassung war er nur vereinzelt in kleinen Nebenrollen zu sehen. Dieser Horror-Action-Mix sollte sein großes Comeback werden. Wer mitbekommen hat, dass die WWE Studios und KISS-Gitarrist Gene Simmons hinter dieser Produktion steckten, dürften schon kleine Zweifel an der Qualität des Filmes bekommen haben. Eine hölzerne Geschichte, in der meistens bewaffnete Jungs durch halbdunkle Gänge schleichen und (Pseudo-)Militär-Jargon brüllen, unterbietet sogar noch die geringsten Ansprüche. Wesley Snipes selbst scheint schon während der Produktion bemerkt zu haben, in was für einer Klasse von Film er feststeckt, was er mit einer absoluten Nicht-Leistung würdigen konnte. Als ein (Direct to DVD-)Film ohne jegliche Qualität bleibt so einer der schwächsten Filme des Jahres.

Hier geht es zur ausführlichen Kritik des Films

Armed Response (© 2017 Concorde Home Entertainment)

Armed Response (© 2017 Concorde Home Entertainment)

  1. Verborgene Schönheit

Was kann schon schief gehen, wenn sich Edward Norton, Helen Mirren, Kate Winslet, Keira Knightley, Michael Pena, Naomie Harris und Will Smith zur Oscar-Saison für ein Verlust-Drama zusammentun? Wenn niemand (einschließlich der Produzenten) das Drehbuch gelesen hat, ziemlich viel. Anders lässt sich nicht erklären, dass dieser Film überhaupt die Freigabe bekommen hat. Statt einer emotionalen Geschichte, in der einige der besten Schauspieler auf diesem Planeten ihre Qualitäten ausspielen dürfen, ist ein manipulativer, zynischer und stellenweise boshafter Film entstanden, der unfassbar bizarre Entscheidungen in alle Richtungen trifft. Nachdem das Publikum gelernt hat, dass man Freunde mit Problemen bestenfalls komplett in den Wahnsinn treibt und wie romantisch doch eigentlich mentaler Missbrauch ist, kann nur gehofft werden, dass die Schönheit dieses Werkes möglichst vielen Leuten verborgen bleibt.

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Verborgene Schönheit (© 2017 Warner Bros Pictures

Verborgene Schönheit (© 2017 Warner Bros Pictures)

  1. Fallen – Engelsnacht

Was wäre eine Flop 10 ohne einen furchtbaren Fantasyfilm für das Young Adult-Zielpublikum? Diese verschwurbelte Himmel-Hölle-Dreiecks-Romanze wurde erst nach einigen Jahren auf der Wartebank veröffentlicht und lief trotz talentierter Darsteller wie Addison Timlin, Jeremy Irvine und Lola Kirke nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wer diesen konfus inszenierten und triefend kitschigen Film dennoch gesehen hat, wird froh sein, dass die Idee für Fortsetzungen schnell begraben worden sind. Mangels vorhandener Mittel sehen die Effekte mehr als grenzwertig aus. Das unausgewogene Erzähltempo, was lange Zeit nur plätschert, um dann in einem hektischen Finale zu gipfeln, passt ins Erscheinungsbild. In Kombination mit der Tatsache, dass einige Fakten so oft wiederholt worden sind, dass die Macher ihrem Publikum eine maximale Konzentrationsspanne von fünf Minuten zutrauen, ist hier ein wenig Schadenfreude sogar angebracht.

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Fallen - Engelsnacht (© 2017 Wild Bunch Germany)

Fallen – Engelsnacht (© 2017 Wild Bunch Germany)

  1. Fifty Shades of Black

Selbstverständlich gibt es zahllose Möglichkeiten, „Fifty Shades of Grey“ in all seinen Facetten zu parodieren und einen lustigen Spoof-Film zu drehen. Von Komik ist dieses billig produzierte Werk aus der Feder von Marlon Wayans aber kilometerweit entfernt. Hier werden Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Vergewaltigungsdrogen, Missbrauch und Penislängen ohne einen Anflug von Cleverness zu einer beleidigenden und aggressiv dämlichen Masse zusammengerührt. Selbst wenn einige Zitate aus dem Vorbild-Film gebracht werden, sind Wayans und sein Team nicht mal im Ansatz in der Lage, ein müdes Grinsen zu erzeugen. Viel mehr vermittelt das Frauenbild, das im Film transportiert wird, den Anschein, dass der Autor zu dem Zeitpunkt eine sehr böse Trennung durchlebt hat. Auf diese Art platziert sich der Film qualitativ deutlich hinter dem (wahrlich nicht eindrucksvollen) Werk, über das er sich lustig machen wollte.

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Fifty Shades of Black (© Universum Film)

Fifty Shades of Black (© 2017 Universum Film)

  1. Vaxxed – Die schockierende Wahrheit!?

Obwohl „Fifty Shades of Black“den Spitzenplatz auf dieser Liste zweifelsohne verdient gehabt hätte, gab es in diesem Jahr einen Dokumentarfilm, der sogar einen kleinen Kinostart hat, der noch frustrierender war. Die Impfgegner-Problematik dürfte dem einen oder anderen Leser im Verlauf der letzten Jahre untergekommen sein. Einer der führenden Gegner war Andrew Wakefield, der MMR-Impfungen mit Autismus in Verbindung gebracht hat und in Folge seiner unethischen und schlicht falschen Ergebnisse seinen Doktortitel verlor. Eine sachliche Dokumentation, die sich durch sauber recherchierte Anhaltspunkte mit Wakefields These auseinandersetzt, wäre sicherlich reizvoll gewesen. Allerdings ist der Regisseur, Produzent und Autor des Films Wakefield höchstselbst. Mit einer Mischung von gefährlich manipulativen Pseudo-Fakten und Elendstourismus, für den bemitleidenswert naive Eltern vorgeführt werden, dient dieser Film nur der Selbstdarstellung seines Protagonisten. So verdient sich dieses geschmacklose Spiel mit den Ängsten von Eltern den Platz als ärgerlichster Film des Jahres.

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Vaxxed (© Busch Media Group)

Vaxxed (© 2017 Busch Media Group)

Jetzt bleibt nur noch, euch ein angenehmes 2018 zu wünschen, das möglichst wenig Filme wie die oben genannten bereithält.

Zuletzt geändert am 01.01.2018
Flop 10 Filme des Jahres 2017

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