Review: Kidnap (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "Kidnap" (© EuroVideo)

Das Blu-ray-Cover von “Kidnap” (© EuroVideo)

Inhalt: Nachdem die Ehe mit ihrem Mann in die Brüche gegangen ist, muss sich die Kellnerin Karla (Halle Berry, „The Call – Leg nicht auf!“) gewaltig strecken, um für ihren Sohn Frankie (Sage Correa) zu sorgen. Als sie mit ihm in einen Freizeitpark geht und einen Moment nicht aufpasst, geschieht das Unfassbare: Frankie wird von einem Mann (Lew Temple) ins Auto gezerrt und entführt. Karla reagiert blitzschnell und nimmt im eigenen Wagen die Verfolgung des Entführers auf. Da die Behörden nicht helfen können, ist sie auf sich allein gestellt. Obwohl ihr vom Täter und seinen Unterstützern immer wieder Steine in den Weg gelegt werden, lässt sich die Mutter nicht aufhalten und kämpft mit allem was sie hat, um ihren Sohn wieder nach Hause zu bringen.

Kritik: Es gibt wohl kaum eine größere Angst für eine Mutter, als der Verlust des eigenen Kindes. Während bei Filmen wie „96 Hours“ der väterliche Ex-Agent den Entführern zusetzt, darf in diesem Thriller die Frau des Hauses gegen Fieslinge antreten. Grundsätzlich verspricht der Film von Luis Prieto eine simple, aber durchaus reizvolle Prämisse. Die Umsetzung enttäuscht dann aber auf ganzer Linie. Schon in der zu langen Eröffnungsszene, in der der Zuschauer das schwere Leben der Protagonistin kennenlernen soll, bekommt der Zuschauer einen Eindruck von den absurden Dialogen, die bis zum Ende nicht besser werden. Zwischen Klischees und irritierender Hektik kommt der Film zu dem Punkt, wo Karla mitten in ihren persönlichen Albtraum rutscht. Was folgt, ist eine ziemlich monotone, gefühlt endlos lange Verfolgungsjagd, in der an allen Ecken falsche Entscheidungen getroffen werden.

Das ganze Universum von Karla dreht sich um ihren Sohn Frankie (© EuroVideo)

Das ganze Universum von Karla dreht sich um ihren Sohn Frankie (© EuroVideo)

Natürlich war es zentral, eine Besetzung der Mutter zu finden, die sympathisch und nahbar ist, dabei aber auch taff genug wirkt, um es mit einem Fiesling dieser Art aufzunehmen. Auf dem Papier scheint Halle Berry – ihres Zeichens immer noch Oscar-Preisträgerin – eine sichere Wahl. Das Endergebnis ist ziemlich konsternierend: Die Mantra-artig vorgetragenen Monologe („Ich komme jetzt, mein kleiner Schatz.“) sind auf die Dauer unfassbar anstrengend. Dabei wirken ihr Dialogvortrag und ihre Mimik derartig überzogen und daneben, dass man die schauspielerische Qualität von Berry gewaltig in Frage stellt. Dazu schreit die hysterische Protagonistin immer wieder Polizisten und Passanten auf eine Art an, die an ihrem Geisteszustand zweifeln lässt und wundert sich dann darüber, dass niemand ihr wirklich helfen möchte. Neben dieser nervigen, lauten und menschlich selten wirklich nachvollziehbaren Hauptfigur bleiben Lew Temple als Entführer und weitere Nebendarsteller komplett austauschbar.

Dazu ist die Geschichte übersät von extremen Plot-Löchern und derartig beliebig gestaltet, dass die Zuschauer schon fast zwangsläufig irgendwann ihr Interesse verlieren. So schreitet der überraschend langatmige Film voran und schafft es erst zum Finale, mit unfreiwilliger Komik wirklichen Unterhaltungswert zu bieten.

Wer denkt, bei einer geradlinigen Entführungsgeschichte kann nicht viel falsch gemacht werden, wird bei diesem Film eines besseren belehrt. Eindimensional, unlogisch, voller Klischees, mit albernen Dialogen und einer erstaunlich schwachen Halle Berry schafft es „Kidnap“ in keinem Bereich, auch nur ansatzweise zu überzeugen.

Zwischen Karla und dem Entführer entbrennt ein perfider Kampf (© EuroVideo)

Zwischen Karla und dem Entführer entbrennt ein perfider Kampf (© EuroVideo)

Der Film ist ab dem 21.09.2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

1 von 5 Punkten

 

Bild: Die Aufnahmen kommen in einem recht unaufregenden TV-Film-Look. Mit Ausnahme von ein paar sehr hektischen Momenten sind Schärfe und Detaildarstellung immer in Ordnung, ohne wirklich exzellent zu sein. Die Farben wirken zumeist natürlich, sind aber stellenweise schon ein bisschen zu stark gesättigt. Kontraste und Schwarzwert sind auch die meiste Zeit ordentlich, brechen aber hier und da ein wenig ein. Darüber hinaus ist die glatte Digitaloptik ziemlich ruhig und sauber.

3,5 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der englische DTS-HD MA 5.1-Ton sind verlustlos und haben das eine oder andere Highlight zu bieten. Die Dialoge sind immer gut verständlich und klingen (abgesehen vom Wortlaut) immer natürlich. Das Dröhnen des Motors und die quietschenden Reifen sorgen dafür, dass es ziemlich regelmäßige Aktivität auf den äußeren Boxen gibt. Auch die Schüsse wurden gut vertont. Darüber hinaus ist der Elektro- und Hip Hop-lastige Soundtrack ein Garant dafür, dass einige satte Bässe zu hören sind, was für eine keinesfalls makellose, aber immer überdurchschnittliche Tonpräsentation sorgt.

4 von 5 Punkten

Extras: Bis auf ein paar Trailer gibt es kein Bonusmaterial auf der Blu-ray.

1 von 5 Punkten

Gesamt: 2 von 5 Punkten


Quelle: EuroVideo, YouTube

Kidnap

Originaltitel:Kidnap
Regie:Luis Prieto
Darsteller:Halle Berry, Lew Temple, Kristin McKenzie Rice, Christopher Berry, Robert Walker Branchaud
Genre:Action, Thriller
Produktionsland/-jahr:USA, 2017
Verleih:EuroVideo
Länge:91 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von EuroVideo

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 07.08.2017
Review: Kidnap (Blu-ray)

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