Review: Norman (Kino)

Das Hauptplakat von "Norman" (© Sony Pictures Germany)

Das Hauptplakat von „Norman“ (© Sony Pictures Germany)

Inhalt: Wer ihn direkt fragen würde, bekäme von Norman Oppenheimer (Richard Gere, „The Dinner“) wahrscheinlich die Antwort, dass er ein gut vernetzter Geschäftsmann mit leuchtenden Finanzplänen ist. Die Realität ist da eher ernüchternd. Immer wieder nervt Norman den Unternehmer Bill (Dan Stevens, „The Guest“), den Rabbi Blumenthal (Steve Buscemi, „Youth in Revolt“) oder selbst seinen eigenen Neffen Philip (Michael Sheen, „Am grünen Rand der Welt“) mit strahlenden Geschäftsideen. Auf einen Erfolg wartet der alternde Mann aber seit Jahren. Bei verzweifelten Versuchen, seine Kontakte zu erweitern, lernt er den aufstrebenden israelischen Politiker Micha Eshel (Lior Ashkenazi) kennen. Um einen Eindruck zu hinterlassen, schenkt er Eshel ein teures Paar Schuhe.

Ein paar Jahre später scheint sich dieses Investment tatsächlich auszuzahlen, da Eshel zum Minister-Präsident seines Landes gewählt wurde. Mit einem wirklichen Schwergewicht in seinem Telefonbuch möchte er jetzt endlich an den großen Coups beteiligt werden. Als er dann ein wenig zu sorglos mit seinen Möglichkeiten umgeht, bringt er Israel an den Rand einer nationalen Krise.

 

Kritik: Fast jeder kennt diese Person auf eine Art. Der sympathische Wichtigtuer, der Kleinigkeiten als gigantische Errungenschaften verkauft und sein Umfeld immer wieder für neue „bahnbrechende“ Ideen einspannen will. Was aber passiert, wenn diese Person dann einmal tatsächlich etwas bewegen kann? Dieser Frage geht Regisseur und Autor John Cedar mit dem selbsternannten Unternehmensberater und Life-Coach Norman Oppenheimer auf den Grund. Norman ist eine echte Nervensäge, die hier und da doch zu ein paar Errungenschaften kommt, weil Leute seiner Beharrlichkeit Tribut zollen müssen. Der Film ist auf seine ganz eigene Art schrullig.

Norman ist in der Nahrungskette aufgestiegen (© Sony Pictures Germany)

Norman ist in der Nahrungskette aufgestiegen (© Sony Pictures Germany)

Grundsätzlich verlässt sich Cedar auf seine Charaktere und Dialoge, was beides bei vorhandener Qualität auch durchaus legitim ist. Dazu gibt es einige wundervoll gefilmte Montagen, wenn Oppenheimer seine Kontrahenten am Telefon zur Weißglut treibt. Dennoch dürften sich einige Zuschauer während des Filmes häufiger die Frage stellen, was der Punkt der Geschichte ist. Der tragikomische Schwang aus dem Leben eines Sonderlings, der sich zunächst für wichtiger hält, als er ist, nur um im Angesicht von wirklicher Bedeutung nicht mehr weiter zu wissen, ist natürlich eine Zusammenfassung. Doch die meiste Zeit wird trotz langer Gespräche nur angedeutet, was eigentlich los sein könnte. Die nicht unbedingt leicht nachvollziehbaren Probleme im Hintergrund, soll sich das Publikum zusammenreimen. Das kann zwar gewollt sein, um die Fokussierung auf die reine Charakterzeichnung zu legen, ist aber dennoch ziemlich frustrierend.

Das ändert nichts daran, dass die Darstellerleistungen fantastisch sind. Gerade Richard Gere scheint gerade einen dritten Karriere-Frühling zu durchleben. Er spielt den anstrengenden Norman Oppenheimer mit so viel Humor und Charme, dass das Publikum ihm gerne auf seinem 119 Minuten langen Weg folgt. Lior Ashkenazi ist als naiv-selbstgefälliger Politiker der unverhoffte Wegbereiter für die plötzlichen Erfolge des Protagonisten. Auch ansonsten kann der Film auch eine Fülle an prominenten Darstellern vertrauen. So werden Michael Sheen, Dan Stevens und Steve Buscemi von Oppenheimer an den Rand des Wahnsinns getrieben. Auch wenn alle drei Darsteller dabei nicht wirklich gefordert werden, liefern sie souveräne Auftritte. Dazu kommen noch Charlotte Gainsbourg („Nymphomaniac“) als ambitionierte Anwältin und Hank Azaria („Lovelace“) in einer amüsanten, aber verzichtbaren Mini-Rolle.

„Norman“ ist ein absolut merkwürdiger Film. Viel Charme, tolle Schauspieler und wunderbar kreativ gefilmte Aufnahmen verstecken sich in einem Plot, der die Grenzen der Belanglosigkeit austestet. Auf diese Art wird kaum ein Zuschauer enttäuscht, aber viele dafür ziemlich ratlos zurückbleiben.

3,5 von 5 Punkten


Quelle: Sony Pictures Germany, YouTube

Norman

Originaltitel:Norman: The Moderate Rise and Tragic Fall of a New York Fixer
Regie:Tarik Saleh
Darsteller:Richard Gere, Steve Buscemi, Michael Sheen, Dan Stevens, Hank Azaria, Charlotte Gainsbourg
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:USA, Israel, 2017
Verleih:Sony Pictures
Länge: 119 MinutenFSK: ab 0 Jahren
Kinostart:21.09.2017

Mehr Information gibt es auf der Seite von Sony Pictures

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 20.09.2017
Review: Norman (Kino)

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