Review: Nocturnal Animals (Kino)

Das Plakat zu "Nocturnal Animals" (© Universal Pictures Germany)

Das Plakat zu „Nocturnal Animals“ (© Universal Pictures Germany)

Inhalt: Susan (Amy Adams, „Arrival“) ist eine erfolgreiche Galeristen und mit dem jüngeren, gutaussehenden Hutton (Armie Hammer, „Codename U.N.C.L.E.“) verheiratet. Eines Tages bekommt sie überraschend Post von ihrem Ex-Mann Edward (Jake Gyllenhall, „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“). Sie hatte den ambitionierten, aber nicht all zu ehrgeizigen Autor vor vielen Jahren verlassen und seitdem nichts mehr von ihm gehört. Jetzt hat Edward seinen neuen Roman „Nocturnal Animals“ beendet und er möchte, dass Susan ihn vor allen anderen zu lesen bekommt. Als sie anfängt zu lesen, ist sie sofort in den Bann gezogen: Familienvater Tony (auch Jake Gyllenhaal) ist mit seiner Frau Laura (Isla Fisher, „Visions“) und Tochter India (Ellie Bamber, „Stolz und Vorurteil & Zombies“) auf dem Weg in den Urlaub, als sie plötzlich auf einem verlassenen Highway von einem anderen Auto verfolgt und schließlich von der Straße gedrängt werden. Der Fahrer Ray (Aaron Taylor-Johnson, „Godzilla“) und seine beiden Begleiter gehen auf die Familie los, provozieren und attackieren Tony und entführen schließlich India und Laura. Tony schleppt sich in die nächste Stadt, wo er auf den Polizist Bobby (Michael Shannon, „Die highligen drei Könige“) trifft. Gemeinsam nehmen die beiden die Spur der Täter auf. Es beginnt eine jahrelange Suche. Um so weiter Susan in der Geschichte vorrückt, um so klarer werden ihr die realen Anteile, die in „Nocturnal Animals“ versteckt sind.

Kritik: Als Modedesigner ist Tom Ford seit vielen Jahren eine Institution. In den 90er-Jahren half er der Marke Gucci praktisch im Alleingang auf die Beine. 2009 überraschte er dann mit seinem Regiedebüt „A Single Man“, dass es zu internationaler Anerkennung und sogar einer Oscar-Nominierung für Hauptdarsteller Colin Firth brachte. Dennoch dauerte es weitere sieben Jahre, ehe sein zweites Werk das Licht der Welt erblickte. Mit viel Interesse erwartet, platziert sich „Nocturnal Animals“ als der eigenartige Film, der er zu sein schien. Schon der Vorspann, der mit seinen expliziten Darstellungen wohl bei den meisten Ekel auslösen dürfte, ist außerhalb jeder Norm. In der Rahmengeschichte, die am ehesten als Konsumkritik zu verstehen ist, darf der Zuschauer sich darauf einstellen, die meiste Zeit Susan bei der Benutzung modischer Sitzmöbel zu bewundern. Der visuelle und auch erzählerische Stil könnte einige an den diesjährigen „The Neon Demon“ erinnern, der aber noch packender und zugänglicher wie das neue Werk von Ford ist (und mit Jena Malone und Karl Glusman zwei identische Cast-Mitglieder hat).

Es besteht eine seltsame Leere im Leben von Susan (© Universal Pictures Germany)

Es besteht eine seltsame Leere im Leben von Susan (© Universal Pictures Germany)

Die verwobene Erzählstruktur ist wohl nicht so clever, wie sich die Macher es vorstellen. So sind die Gemeinsamkeiten der beiden Geschichten sehr begrenzt, aber dennoch nicht subtil genug, um wirklich zu funktionieren. Bis auf ein paar originelle Momente (Vorstandssitzung der Galerie) nimmt die Rahmenhandlung eher der Film im Film-Erzählung ihren Schwung. Der ziemlich gradlinige Rache-Thriller hat zwar ein paar logische Schwierigkeiten, dafür aber einen konstanten Spannungsbogen und einen hohen Unterhaltungswert. Gerade das Duo Jake Gyllenhaal und Michael Shannon sorgt für unglaublich viel Spaß. Shannon spielt als spektakulär pragmatischer Cop Bobby einen sensationell schrägen Part und verursacht die wahrscheinlich denkwürdigsten Momente des Filmes. Auch Aaron Taylor-Johnson als überdreht-schmieriger Südstaatler sorgt mit Spielfreude für einen klasse Part. Die oft so tolle Amy Adams bekommt da als melancholische Galeristin schlicht zu wenig zu tun. Der Cast wird aufgefüllt mit Qualitätsschauspielern wie Isla Fisher, Laura Linney („Das Leben des David Gale“), Michael Sheen („Am grünen Rand der Welt“) und Andrea Riseborough („Enemies – Welcome to the Punch“), die aber allesamt nur bessere Gastrollen haben.

Es ist ziemlich offensichtlich, dass Tom Ford mit seinem neuen Film herausfordern und provozieren will. Seine Herangehensweise wirkt aber stellenweise wirklich konfus, weswegen seine verschiedenen Erzählebenen zum Taschenspielertrick verkommen. So ist es hauptsächlich an der simpel gestrickten Rache-Geschichte, die mit sonderbaren Figuren und ein paar Ecken und Kanten dafür sorgt, dass „Nocturnal Animals“ nicht zur reinen Fingerübung für den Regisseur verkommt.

3 von 5 Punkten

Der Film ist ab dem 27.04.2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Quelle: Universal Pictures Germany, Leinwandreporter TV, YouTube

Nocturnal Animals

Originaltitel:Nocturnal Animals
Regie:Tom Ford
Darsteller:Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Michael Shannon
Genre:Drama, Thriller
Produktionsland/-jahr:USA, 2016
Verleih:Universal Pictures Germany
Länge: 116 MinutenFSK: ab 16 Jahren
Kinostart: 22.12.2016
Facebook-Page:Nocturnal Animals

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 27.04.2017
Review: Nocturnal Animals (Kino)

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