Flop 10 des Jahres 2016

Wo es gute Filme gibt, muss es auch furchtbare Filme geben. Wie bei der Top 10 sind auch hier nur Filme in die Wertung gekommen, die 2016 ihre deutsche Erstveröffentlichung hatten. Auch wenn so manche Filme wie „Verborgene Schönheit“ und „Voll verkatert“ erst im Jahr 2017 die Leinwände bevölkern (verschmutzen) dürfen, gab es genug Werke, die auch hartgesottenen Kinogängern das Leben wirklich schwer gemacht haben. Wenn sie auch für gestiegen Wut sorgen konnten, reichte es bei Werken wie dem herzerweichend öden „Väter und Töchter – Ein ganzes Leben“, der abgesehen von Margot Robbie herben Enttäuschung „Suicide Squad“, Horror-Retorten-Produktionen wie „The Boy“ und „Visions“, dem Fantasy-Quark „Die 5. Welle“ oder dem überflüssigen Remake von „Point Break“ nicht für die Endauswahl.

Wie auch schon bei der Top 10 geht es nur bedingt um das Handwerk bei den Filmen. Viel mehr steht hier das Ärgernis, das die Filme bei mir persönlich verursacht haben, im Vordergrund. Die zehn Filme, die bei mir persönlich eine komplett verzichtbare Filmerfahrung beschert haben, sind:

  1. 31

Zum Karrierestart als Regisseur sagten Fans wie Kritiker dem Schockrocker Rob Zombie eine große Laufbahn vorausgesagt. Nach dem verspielt-brutalen „Haus der 1000 Leichen“ und dem starken Grindhouse-Roadmovie „The Devils Rejects“ stagnierte seine Laufbahn aber gewaltig. Ob das noch passable, aber unnötige erste „Halloween“-Remake, sein bizarr misslungenes „Halloween 2“ oder zuletzt der handzahme, aber wirre Hexen-Horror „The Lords of Salem“: Von denkwürdig waren diese Filme weit entfernt. „31“ sollte das ändern. Eine furchteinflößende Einleitung um Richard Brake – dem Highlight dieses Filmes – machte Hoffnung. Doch als danach der Vorspann abgelaufen war und der Welt unsere Protagonisten, eine Truppe schnaubender und grunzender Südstaatler, vorgestellt wurden und die Zuschauer aus irgend einem Grund mit ihnen mitfiebern sollen, schwante Schlimmes. Was folgt, war eine einfallslose Schlachtplatte, die mit einem schwer erträglichen Verständnis von Humor, immerhin passablen Set-Designs, merkwürdigen Selbstzitaten, noch merkwürdigeren Dialogen und Sheri Moon Zombie – der talentfreien Ehefrau des Regisseurs – in der Hauptrolle, zu einer anderen Anstrengung für die Nerven wurde, als viele erhofft haben.

Hier geht es zu ausführlichen Kritik von „31“

31 (© Tiberius Film)

31 (© Tiberius Film)

  1. Shut In

Eine reizvolle Prämisse und Naomi Watts, sowie die Nachwuchsstars Jacob Tremblay und Charlie Heaton in den Hauptrollen sorgten dafür, dass „Shut In“ auf dem Papier durchaus verheißungsvoll erschien. Das Endergebnis war mehr als ernüchternd. Die erste Stunde bestand aus Langeweile in Reinkultur, in der die uninteressanten Hauptfiguren – seien wir ehrlich – nahezu nichts tun. Um die Zuschauer zu erinnern, dass sie immer noch einen Horrorfilm gucken, werden vereinzelt Jumpscares eingestreut, die qualitativ von deplatziert bis unfreiwillig komisch reichen. Die meisten dürften froh sein, wenn es nach einer Stunde zu einer vollkommen albernen, aber immerhin unterhaltsamen Wendung kommt. Danach gibt es ein mit Logiklöchern übersätes Szenario, bei dem sich die idiotisch handelnden Figuren das Leben selbst schwer machen. Insgesamt gehörte dieser unausgegorene Horror-Drama-Mix zu den ärgerlichsten Filmen des Jahres.

Hier geht es zu ausführlichen Kritik von „Shut In“

Shut In (© Universum Film)

Shut In (© Universum Film)

  1. Mütter & Töchter

„Große Stars und tief empfundene Gespräche.“ Mit dieser Prämisse lockt der Heimkino-Release dieser Episoden-Geschichte, die zugegebenermaßen nominell wirklich klangvolle Namen zu bieten hat. Wie so oft bei Episodenfilmen, hört hier der Spaß aber auf. Es gibt eine ganze Reihe an nicht ausgereiften Storys, in denen langweiligen Charakteren ausgesprochen unglaubwürdige Sachen passieren. Das wäre noch nicht so schlimm, wären nicht die ganzen grauenhaften Klischees und Dialoge, die der Film über den Köpfen der Zuschauer ablädt. Hier ist es offensichtlich, dass fast keine Frau hinter der Kamera an der Entstehung eines Filmes beteiligt war, der sich dem Verständnis von Frauen verschrieben hat. Sicherlich können in diesem Themengebiet wirklich schöne Geschichten erzählt werden. Dieser kaum erträgliche Kitsch hat aber nur gezeigt, wie es nicht geht.

Hier geht es zu ausführlichen Kritik von „Mütter & Töchter“

Mütter und Töchter (© Ascot Elite)

Mütter und Töchter (© Ascot Elite)

  1. Der junge Messias

Wer hat sich nicht schon immer gefragt, wie Jesus im Grundschul-Alter war? Die Antwort dürfte wohl „fast niemand“ lauten. Doch selbst wer sich deutlich dem Glauben verschrieben hat, wird bei diesem aufdringlich frömmelnden und dabei ausgesprochen drögen Werk kaum etwas Positives finden. Bei dem Sandalenfilm wechseln sich monoton vorgetragene Gleichnisse, erstaunlich exzessive Gewaltausbrüche und ein sichtlich gelangweilter Sean Bean ab. Hier ist schon wörtlich gemeinte Engelsgeduld von Nöten, um diese erstaunlich langen 111 Minuten im Wachzustand zu erleben.

Hier geht es zu ausführlichen Kritik von „Der junge Messias“

Der junge Messias (© Concorde Filmverleih)

Der junge Messias (© Concorde Filmverleih)

  1. Allegiant

Young Adult-Fantasy – Dieses Subgenre scheint dank des Erfolgs von dem „Tribute von Panem“-Franchise allgegenwärtig. Während die Anfänge noch recht vielversprechend waren, wurden einige der auf Tempo produzierten Filme rasant schlechter. Ein perfektes Beispiel ist hier die „Die Bestimmung“-Reihe, die mit „Divergent“ und „Insurgent“ zumindest noch annehmbares Kino bot, dann aber bei diesem dritten Teil trotz Stars wie Shailene Woodley, Naomi Watts und Jeff Daniels komplett in sich zusammenfiel. Ein desolat schwaches Drehbuch verleitete die Darsteller alternativ zu komplett lustlosen (Woodley) oder total überdrehten (Miles Teller) Auftritten. Insgesamt wurden die Fans durch dieses lieblos zusammengeschusterte Werk derart vor den Kopf gestoßen, dass sich der Film zu einem extremen Flop entwickelte. Aus diesem Grund wird der Abschluss der Reihe nur noch mit Mini-Budget als TV-Film inszeniert. Manchmal gibt es eben doch Gerechtigkeit.

Hier geht es zu ausführlichen Kritik von „Allegiant“

Allegiant (© Concorde Filmverleih)

Allegiant (© Concorde Filmverleih)

  1. Ride Along 2 – Next Level Miami

Wer sich schon immer ein filmisches Äquivalent zum mit einem rostigen Nagel über eine Schiefertafel kratzen gewünscht hat, wird bei dieser Buddy-Komödie glücklich werden. Kevin Hart und Ken Jeong liefern sich ein Duell, wer die größere Nervensäge ist (knapper Punktsieg für Hart). Irgendwo in der Mitte steht ein desillusionierter Ice Cube und eine nicht weiter erwähnenswerte Story. Aus unbegreiflichen Gründen wurde die einfallslose Krawall-Comedy sogar zum Kassenschlager. Ein Erklärungsansatz wäre, dass viele Zuschauer durch den Film die Wertigkeit von Ruhe zu schätzen lernen wollten. Leider scheinen aber tatsächlich einige der Fehleinschätzung erlegen zu sein, dass diese 101 überaus anstrengenden Minuten etwas mit Humor zu tun hatten.

Hier geht es zu ausführlichen Kritik von „Ride Along 2 – Next Level Miami“

Ride Along 2 - Next Level Miami (© Universal Pictures Germany)

Ride Along 2 – Next Level Miami (© Universal Pictures Germany)

  1. Gods of Egypt

Es gibt Filme, die sind derart grottig, dass man sie gesehen haben muss. „Gods of Egypt“ ist da ein ausgesprochen rares Beispiel aus dem sehr gehobenen Preissegment. Mit 140 Millionen US-Dollar Budget gelang es Alex Proyas und seinem Team nicht, nur im Ansatz brauchbare Spezialeffekte zu erzeugen. Zum Glück hat auch das Drehbuch den Tiefgang eines 90er-Jahre Jump’n Run-Spiels, sodass hier zumindest etwas zusammenpasst. Auch Darsteller wie ein vollkommen überdrehter Gerard Butler, der als ägyptische Gottheit seinen schottischen Akzent in der Originalfassung nicht verstecken möchte, sorgen weiterhin für die Entstehung von etwas eigenartigem. Wenn der Film lustig sein will, herrscht Stille. Wenn der Film ernst sein will, ist er stellenweise urkomisch. Wenn der Film spannend sein will…sagen wir es so: ist er nicht. Auf diese Art fügt sich ein extrem teurer Trashfilm zusammen, der durch sein konsequentes Versagen fast schon wieder unterhaltsam wird.

Hier geht es zu ausführlichen Kritik von „Gods of Egypt“

Gods of Egypt (© Concorde Film)

Gods of Egypt (© Concorde Filmverleih)

  1. Martyrs

Auch hartgesottene Genre-Fans musst teilweise schlucken, nachdem sie den verstörenden, französischen Film „Martyrs“ gesehen hatten. Dennoch dürften einige das Gefühl gehabt haben, dass die kompromisslose Geschichte noch einen besseren Film möglich gemacht hätte, als das Ergebnis gezeigt hat. Von daher war der Film fast ein logischer Kandidat für ein Remake. Was die Regisseure Kevin und Michael Goetz als Endergebnis liefern, lässt Zweifel zu, ob die beide das Ausgangsmaterial überhaupt gesehen haben. Statt der psychisch harten Gratwanderung des französischen Films liefern die Brüder einen sinnentleerten Folterporno, der sich mit inkompetent inszenierten Jumpscares und lächerlichen Figuren zu einem reinen Ärgernis entwickelt. Wenn selbst schon die – nicht gerade wählerische – Produktionsfirma Blumhouse Productions ihre Beteiligung verbergen möchte, ist eigentlich alles gesagt.

Hier geht es zu ausführlichen Kritik von „Martyrs“

Martyrs (© Tiberius Film)

Martyrs (© Tiberius Film)

  1. Ben Hur

Als eine Neuauflage des klassischen Stoffes angekündigt wurde, hatten viele Kinogänger Zweifel. 100 Millionen US-Dollar und einen kommerziellen Flop später dürften auch die Produzenten von Paramount Pictures verstanden haben, dass dieses Projekt eine blöde Idee war. Ohne prominente Namen – dafür mit den vollkommen fehlbesetzten Jack Huston und Toby Kebbell in den Hauptrollen – erzählt der Film ein Geschichte, die sehr viele Fragen übrig lässt. Stellenweise alberne Kostüme und eine CGI-Flut schaffen es nicht im Ansatz, der Version mit Charlton Heston das Wasser zu reichen. So entwickelt sich ein vollkommen uninspirierter Film, dessen Daseinsberechtigung angezweifelt werden darf. In dieser Version der Geschichte hätte es noch nicht einmal einen Film gegeben, wenn sich der Titelheld nicht zu Beginn wie ein Vollidiot verhalten hätte. Wie schön wäre das gewesen?

Hier geht es zu ausführlichen Kritik von „Ben Hur“ https://www.leinwandreporter.com/2016/review-ben-hur-kino/

Ben Hur (© Paramount Pictures)

Ben Hur (© Paramount Pictures)

  1. Jem and the Holograms

Was passiert, wenn Macher auf die grandiose Idee kommen, ein Live Action-Prequel zu einem semi-erfolgreichen Superhelden-Comic aus den 80er-Jahren zu drehen? Die Antwort kann kaum jemand geben, da dieser Film verdientermaßen ignoriert wurde. So bekommen die Zuschauer ein Werk zu sehen, in dem ein Waisenkind zufällig zum Popstar wird. Um die Handlung auszuwalzen, werden noch einige zusammenhanglose YouTube-Clips eingestreut (das Wasserski fahrende Eichhörnchen…ehrlich jetzt?). Dann gibt es noch eine Geschichte am Rand, in der es um einen Roboter geht. Scheint unverständlich? Ist es auch. Hier wäre es wahrscheinlich sogar interessanter gewesen, einen kompletten Film darüber zu sehen, wie Peter Parker vor seinem Spinnenbiss die Schule besucht. Die reine Existenz von einem Film wie „Jem and the Holograms“ ist eine Sensation und verdient sich (trotz Konkurrenz) den „Spitzenplatz“ in dieser Kategorie.

Hier geht es zu ausführlichen Kritik von „Jem and the Holograms“

Jem and the Holograms (© Universal Pictures Germany)

Jem and the Holograms (© Universal Pictures Germany)

Nun kennt ihr meine Auswahl der besten und schlechtesten Filme des Jahres. Welche Filme fandet ihr besonders gut oder besonders ätzend? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.

Jetzt wünschen wir euch einen guten Rutsch und einen angenehmen Start ins Jahr 2017.

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 31.12.2016
Flop 10 des Jahres 2016

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