Review: 31 (Kino)

Das Kino-Plakat von "31" (© Tiberius Film)

Das Kino-Plakat von „31“ (© Tiberius Film)

Inhalt: Am 31. Oktober ist die Schausteller-Truppe um Charly (Sheri Moon Zombie), Roscoe (Jeffrey Daniel Phillips) und Venus (Meg Foster) auf dem Weg zu einem Auftritt. Kurz nach Einbruch der Nacht müssen sie ihre Fahrt unterbrechen, da große Halloween-Fans die Straße mit Vogelscheuchen blockiert haben. Als sie den Weg frei räumen wollen, werden sie von maskierten Killern angegriffen. Einige von ihnen werden vor Ort getötet. Die fünf Überlebenden werden verschleppt und in einer skurrilen Villa ausgesetzt. Dort erzählt ihnen ein alternder Herr (Malcolm McDowell, „Mozart in the Jungle“), dass sie Teilnehmer des Spiels „31“ sind. Die Regeln sind einfach: Sie müssen zwölf Stunden in der Gesellschaft von psychotischen Gestalten wie „Demon-Head“ (Richard Brake, „Numbers Station“) lebendig überstehen. Doch die bizarren Labyrinthe im Haus sind nahezu undurchdringlich und die Hausherren denken auch nicht daran, den unfreiwilligen Gästen den Sieg im Spiel zu schenken.

Kritik: Schon in den 80er-Jahren machte Rob Zombie als Frontmann der Heavy Metal-Gruppe „White Zombie“ Karriere. Es dauerte bis ins Jahr 2003, ehe er dann als Regisseur auftrat. Sein Erstlingswerk „Haus der 100 Leichen“ war wirr, ultra-brutal und merklich eine Fingerübung. Dennoch wurde der Film ebenso wie der von Sid Haig verkörperte Gruselclown Captain Spaulding zum Kult bei Genre-Fans. Zwei Jahre später gelang es ihm mit der Fortsetzung „The Devil’s Rejects“ einen Film zu drehen, der allgemein einen recht guten Ruf genießt. Nach diesem mit zahlreichen Horrorstars garnierten Mitternachtsfilm galt Rob Zombie schon als neues Gesicht des modernen, harten Genrekinos. Mit seiner Neuauflage von „Halloween“, das mit einigen falschen Entscheidungen, Klischees und schlimmen Dialogen nur mäßig angenommen wurde, zeigte es sich, dass der Rockmusiker – trotz schickem Horrorstils – doch kein reines Naturtalent ist. Als ob er das unterstreichen wollte, lieferte er mit dem grotesk missglückten „Halloween II“ einen der merkwürdigsten Horrorfilme nach der Jahrtausendwende. Seitdem folgten nur noch der recht zahme „The Lords of Salem“ und einige sehr spezielle Projekte („The Zombie Horror Picture Show“).

Demon-Head ist ein wahrer Sonnenschein (© Tiberius Film)

Demon-Head ist ein wahrer Sonnenschein (© Tiberius Film)

Bei seinem großen Comeback im Splatter-Bereich standen ihm dann jetzt auch nur relativ geringe Mittel zur Verfügung. In 20 Tagen war dieses Werk abgedreht, was auch teilweise sehr offensichtlich wird. In seiner ersten Szene bekommen die Zuschauer dann aber gleich richtig feines Horrorkino geboten. Richard Brake spricht als blutverschmierter Demon-Head aus einem extremen Close Up in die Kamera, als ob es (für den Zuschauer) kein Morgen gibt. Vielen Zuschauern dürfte schnell die Frage durch den Kopf gehen, ob Brake nicht eine bessere Wahl für die Rolle des Jokers als Oscar-Preisträger Jared Leto („Suicide Squad“) gewesen wäre. Die Szene ist zwar ein wenig zu lang, aber ausgesprochen stylisch und beängstigend. Nach diesem tollen Start liefert Zombie nach dem Vorspann den wohl schlimmsten Teil des Filmes. Das Intro soll dazu dienen, die Protagonisten kennenzulernen, damit man bei ihrem folgenden Leidensweg mitfühlt. Die Dialoge, die dem Zuschauer um die Ohren gehauen werden, sorgen aber eher dafür, dass man sich langsame, möglichst qualvolle Tode für jede einzelne Figur wünscht. Eine Mischung von Schimpfworten, Selbstbespiegelung (im Original natürlich ausnahmslos mit herbem Südstaaten-Akzent) und unverständlichem Gegrunze unterbietet alles bisher in Zombies Werken gehörte.

Nachdem mit „ich brauche einen alten, zahnlosen Perversen“ (weswegen Tracey Walter seine Rolle als Tankstellen-Pächter aus „I Spit On Your Grave“ wieder aufleben lässt) und „schaut, wie heiß meine Frau ist“ zwei wichtige Bestandteile eines Rob Zombie-Films abgehandelt worden sind, dürften die meisten wahre Glücksgefühle haben, wenn die unsympathische Schausteller-Truppe dann eine blutige „Einladung“ zum Spieleabend bekommt. Fortan wird (dankenswerter Weise) weniger geredet. Dafür wird es noch wesentlich kurioser. Malcolm McDowell mit geschminktem Gesicht und Puderperücke ist schon ein sehr eigener Anblick. Danach darf der 1,38 Meter chilenische Schauspieler Pancho Moler als mexikanischer Killer-Nazi-Clown (!) einen Auftritt feiern, der die Bratzis aus „Yoga Hosers“ würdevoll erscheinen lässt. Folgend gibt es noch mehr Clowns, Blut und das übliche Ekelprogramm. Kannibalismus, Kettensägen, Hitler-O-Töne, Witze über Blowjobs von Babys und eine ordentliche Fluktuation von Charakteren werden vor einer schicken Horrorkulisse ausgeführt. Die Kamera weiß die Sets recht gut zur Geltung zu bringen. Aber im Speziellen einige hektische Schnitte sorgen immer wieder für unfreiwillige Verwirrung.

Spieleabend mit Clowns und Kettensägen (© Tiberius Film)

Spieleabend mit Clowns und Kettensägen (© Tiberius Film)

Es bleibt nur das Problem, dass es dem Zuschauer nahezu unmöglich gemacht wird, sich für die Charaktere zu interessieren, was auch das Entstehen von Spannung im Keim erstickt. Dazu ist der Film sogar in seinem – reichlich vorhandenen – Sadismus erstaunlich einfallslos. Neben den dümmlichen Dialogen sind auch die Darstellerleistungen eher mäßig. Sheri Moon Zombie war noch nie eine große Schauspielerin und beweist hier wieder einmal ihre Unfähigkeit, einen Film zu tragen. Routiniers wie Malcolm McDowell und Meg Foster spulen recht teilnahmslos ihr Programm ab. Der deutsche Schauspieler Torsten Voges darf als „Hänschen klein“ singender Transvestit Death-Head einen – sogar für diesen Film – auffällig durchgeknallten Part spielen. Wer sich auch im späteren Verlauf vom gesamten Werk abhebt, ist Richard Brake. Der Waliser sprüht vor Spielfreude, ist aufrichtig gruselig und liefert erstaunlich (auch inhaltlich) gelungene Monologe.

Auch nach „31“ warten die Fans immer noch auf den ersten wirklich überzeugenden Rob Zombie-Film seit „The Devil’s Rejects“. Auf der Haben-Seite bleiben hier hauptsächlich nette Set-Designs und die wunderbare Psycho-Performance von Richard Brake. Ansonsten bleibt ein schriller, aber nicht besonders einfallsreicher Horrorfilm, der wegen seiner Dialoge und seinem eigenen Logikverständnis manchmal schwer erträglich ist, aber auf seine sonderbare Art trotzdem irgendwie unterhält.

2 von 5 Punkten


Quelle: Tiberius Film, Leinwandreporter TV, YouTube

31

Originaltitel:31
Regie:Rob Zombie
Darsteller:Sheri Moon Zombie, Meg Foster, Malcolm McDowell
Genre:Horror
Produktionsland/-jahr:USA, 2016
Verleih:Tiberius Film
Länge: 102 MinutenFSK: ab 18 Jahren
Kinostart: 27.10.2016

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 01.10.2016
Review: 31 (Kino)

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