Review: Yoga Hosers

Das Plakat von "Yoga Hosers" (© Sony Pictures Germany)

Das Plakat von “Yoga Hosers” (© Sony Pictures Germany)

Inhalt: Sie sind die besten Freundinnen, beide 15 Jahre alt, haben eine Band gemeinsam mit dem älteren Drummer Ichabod (Adam Brody, „Life Partners“) und arbeiten im gleichen Supermarkt: Die Colleens (Lily-Rose Depp und Harley Quinn Smith), wie sie von allen Bekannten genannt werden, sind mehr als angeödet vom Leben in ihrem Heimatkaff in Kanada. Eine Einladung zur Oberstufenparty von Mädchenschwarm Hunter (Austin Butler) bringt etwas Farbe in den Alltag der Mädchen, der ansonsten von ihren Smartphones und Yoga-Training bei ihrem Privat-Lehrer (Justin Long, „Youth in Revolt“) bestimmt wird. Der Traum von der großen Party wird aber zerstört, als die beiden die Spätschicht im Supermarkt aufgedrückt bekommen. Schon vollkommen frustriert beginnen sie ihre Schicht, die bald komplett aus dem Ruder läuft. Erst tauchen Satanisten in ihrem Laden auf und dann sorgen Bratzis – kleine, rechtsradikale Bratwurst-Monster – für Chaos in Winnipeg. Gemeinsam mit dem kauzigen Privat-Schnüffler Guy Lapointe (Johnny Depp, „Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa“) ziehen die Colleens in den Kampf.

Kritik: 1994 gelang Filmemacher Kevin Smith der frühe Durchbruch mit der sympathischen Kiffer-Satire „Clerks – Die Ladenhüter“. Nach einigen Ablegern und der schrillen Religions-Comedy „Dogma“ wurde es etwas ruhiger um den Indie-Regisseur. Nach ein paar Mainstream-Komödien wie „Cop Out“ und „Zack and Miri make a Porno“ schlug er 2011 dann mit dem ironischen Thriller „Red State“ ganz andere Töne an. Sein neuestes Projekt entstand eher zufällig. Nachdem er in seinem Podcast eine Geschichte rund um einen bizarren Walross-Fetisch entdeckte, lies er das Publikum über einen Film zu der Thematik abstimmen. Das Endergebnis konnte dann in der Groteske „Tusk“ beobachtet werden. Doch dieser Film war nur der Auftakt zu der „True North“-Reihe, einer Trilogie um die kanadische Stadt Winnipeg. „Yoga Hosers“ ist nun die lose Fortsetzung. Auch wenn es schwer vorstellbar ist: Hier wird es noch trashiger. Die beiden Protagonistinnen sind die Art bester Freunde, die sogar gegenseitig die Sätze beenden können und den Rest der Welt mit ihren Insider-Jokes an den Rand der Verzweiflung bringen.

Die Colleens in ihrem grauen Alltag (© Sony Pictures Germany)

Die Colleens in ihrem grauen Alltag (© Sony Pictures Germany)

Trotz mäßigem musikalischen Talent und auch ansonsten recht allgemeingültiger Schamlosigkeit wachsen dem Zuschauer die beiden „Yoga Hosers“ (Hosers bedeutet in der kanadischen Umgangssprache etwa so viel wie Idioten) recht schnell ans Herz. Das liegt vor allem daran, dass die Hauptdarstellerinnen Lily-Rose Depp und Harley Quinn Smith – die Töchter von Johnny Depp und Kevin Smith – sichtbar unglaublich viel Spaß an ihren Parts haben. Daneben funktioniert die Chemie der beiden natürlich gut, da sie auch im privaten Leben enge Freundinnen sind. Auch wenn der Film hier nicht der Maßstab ist, könnten beide durchaus Karriere machen. Johnny Depp kehrt in seine Rolle aus „Tusk“ zurück. Bis zur Unkenntlichkeit geschminkt und restlos aufgekratzt genießt der Weltstar sichtlich das kuriose Treiben im Film. Darsteller aus dem Vorgänger wie Justin Long, Genesis Rodriguez und Haley Joel Osment („Entourage“) gönnen sich mehr oder weniger kleine Auftritte – wobei Osment als kanadischer Führer natürlich am meisten im Kopf bleibt. Dazu kommen Tony Hale („American Ultra“), Adam Brody, Vanessa Paradis und Natasha Lyonne („Orange Is the New Black“) in witzigen Nebenrollen.

Ich sehe doofe Menschen (© Sony Pictures Germany)

Ich sehe doofe Menschen (© Sony Pictures Germany)

Es entwickelt sich ein skurriler Party-Spaß, dessen Genuss vor allem in Verbindung mit Alkohol empfehlenswert ist. Auch wenn längst nicht jeder Joke landet, gibt es doch reichlich Lacher. Sobald dann die Bratzis auftauchen, ist ohnehin jedes bisschen menschliche Sinnhaftigkeit auf dem Weg zur Ausgangstür. Die mörderischen Bratwurst-Sauerkraut-Mischlinge, die in einem Fleck aus bewusst fürchterlichem CGI zerplatzen, brabbeln noch mehr als die „Minions“ und dürfen sicherlich die schrägste Erscheinung des diesjährigen Kinos sein. So wird bis zum Finale des (dankenswerterweise) nur 88 Minuten langen Film hemmungslos geblödelt, gezickt und Bratzis zermatscht, dass es eine Wonne ist.

Nicht falsch verstehen: „Yoga Hosers“ ist rettungslos bescheuert und sicherlich nicht jedermanns Humor. Wer aber weiß, worauf er sich einlässt, wird mit einem stellenweise urkomischen Trash-Fest belohnt, das außerdem der Karrierestarter für die beiden tollen Protagonistinnen sein könnte.

Der Film gehört zum Programm des Fantasy Filmfest 2016 und wird bei Sony Pictures Germany auf DVD und Blu-ray erscheinen.

3,5 von 5 Punkten

PS: Der dritte Teil der „True North“-Reihe ist mit „Moose Jaws“ schon in Arbeit. Tagline: Wie „Der weiße Hai“ mit einem Elch.

…wir sind gespannt


Quelle: Movieclips Trailers, Sony Pictures, YouTube

Yoga Hosers

Originaltitel:Yoga Hosers
Regie:Kevin Smith
Darsteller: Lily-Rose Depp, Harley Quinn Smith, Johnny Depp, Justin Long, Vanessa Paradis
Genre:Komödie, Horror, Fantasy
Produktionsland/-jahr:USA, 2016
Verleih:Sony Pictures
Länge:88 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 07.09.2016
Review: Yoga Hosers

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