Review: Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa" (© Universum Film)

Das Blu-ray-Cover von “Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa” (© Universum Film)

Inhalt: Gilbert Grape (Johnny Depp, „Black Mass“) ist ein netter Kerl Mitte 20, der in dem beschaulichen Nest Endora lebt. Er ist stets hilfsbereit und würde für seine Familie alles tun. Seine Mutter Bonnie (Darlene Cates) hat nach dem Freitod ihres Mannes massiv an Gewicht zugelegt und hat seit Jahren das Haus nicht verlassen. Sein kleiner Bruder Arnie (Leonardo DiCaprio, „The Wolf of Wall Street“) ist geistig zurückgeblieben und hält mit seinen Ausflügen auf den örtlichen Wasserturm Gilbert und die gesamte Polizei auf Trab. Obwohl fast alle seine Freunde weg sind, könnte sich Gilbert niemals vorstellen, seine Familie zurück zu lassen. Erst die kesse Becky (Juliette Lewis, „Im August in Osage County“), die auf einem Camping-Trip nach einer Panne in Endora fest hängt, bringt etwas Aufruhr in seine eingeschleifte Routine. Doch eines ist schon sicher: Sie wird nicht ewig in einem Dorf in Iowa bleiben.

Kritik: Der schwedische Filmemacher Lasse Hallström ist seit vielen Jahren eine feste Größe in Hollywood und hat sich mit Werken wie „Gottes Werk & Teufels Beitrag“ oder „Chocolat“ längst unter den ganz Großen etabliert. Seinen US-Durchbruch hatte er 1993 mit der Bestseller-Verfilmung „Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa“ feiern können, die jetzt für einen HD-Transfer aufgehübscht wurde. Inzwischen ist der Film längst ein (junger) Klassiker, was nicht nur an der spektakulären Besetzung liegt. Die Geschichte des sympathischen Verkäufers Gilbert, der mitten in der Einöde sein bescheidenes Dasein fristet, schafft es auf erstklassige Weise, fast alle emotionalen Bereiche zu bedienen, ohne aufdringlich oder gekünstelt zu wirken. Dabei ist die Geschichte lustig, liebenswert, tief traurig, unverhohlen romantisch, herzlich und schlicht und ergreifend menschlich. Mit bekannt ruhiger Hand erzählt Hallström die Tage aus dem Leben von Gilbert. Bei seiner souveränen, auf den Punkt getroffenen Inszenierung verlässt er sich voll auf die Qualitäten seiner Darsteller.

Johnny Depp und Leonardo DiCaprio als liebenswertes Brüderpaar (© Universum Film)

Johnny Depp und Leonardo DiCaprio als liebenswertes Brüderpaar (© Universum Film)

Inzwischen weiß in etwa jeder, wie fantastisch Leonardo DiCaprio sein kann. Fast auf der ganzen Welt wurde aufgeatmet, nachdem er nach zahlreichen Versuchen „endlich“ seinen Oscar gewonnen hat. Vor seiner Phase als Charakterdarsteller wurde er schon viele Jahre als Typecast in (Post- „Titanic“)Romanzen belächelt. Der Ursprung seiner Karriere dürfte aber tatsächlich in diesem Film hier liegen. Berührend, vielseitig und authentisch spielt der blutjunge und zu diesem Zeitpunkt noch fast komplett unbekannte DiCaprio den herzensguten aber anstrengenden Arnie. Mit dieser Leistung ist er eine der großen Stärken des Filmes, was ihm auch seine erste Nominierung für den Oscar einbrannte. Johnny Depp war nach „Edward mit den Scherenhänden“ gerade zum Superstar aufgestiegen und gibt hier einen (für heutige Verhältnisse fast unvorstellbar) ruhigen Protagonisten.

Juliette Lewis war nach ihrer Oscar-nominierten Performance in „Kap der Angst“ auch gerade auf dem Weg zum Weltstar, als sie hier die charmant-freche Rolle der Becky übernahm. Nach ein paar Volltreffern in der Kultfilm-Sektion („Natural Born Killers“, „From Dusk Till Dawn“) sorgte vor allem eine steile Drogenkarriere dafür, dass sich diese großartige Schauspielerin nicht in der ersten Liga Hollywoods halten konnte. Eine Erscheinung ist natürlich auch die schwergewichtige Darlene Cates in einer ihrer wenigen wirklichen Schauspielrolle. Mit Anmut und Würde macht sie aus ihrer tragischen Figur trotz recht geringer Spielzeit einen denkwürdigen Teil des Films. Darüber hinaus agieren noch namhafte Darsteller wie Mary Steenburgen („Dirty Girl“), John C. Reilly („Life After Beth“) und Crispin „George McFly“ Glover in kleinen, aber durchweg netten Parts.

Auch nach über 20 Jahren hat „Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa“ nichts von seinen Qualitäten verloren. Eine Geschichte mit Herz, Witz und Emotion, eine intelligente Regie und die tollen Schauspieler um das aufstrebende Talent Leonardo DiCaprio machen aus dem Film einen Evergreen.

Becky verdreht Gilbert gehörig den Kopf (© Universum Film)

Becky verdreht Gilbert gehörig den Kopf (© Universum Film)

Der Film ist ab dem 06.05.2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

4,5 von 5 Punkten

 

Bild: Natürlich merkt man ein wenig, dass der Film schon ein paar Jahre hinter sich hat. In Anbetracht dessen ist der Transfer wirklich ordentlich ausgefallen. Schärfe und Detaildarstellung sind grundsätzlich gut. Nur bei etwa zu weichen Panoramabildern und in dunkleren Szenen gibt es kleine Probleme. Die Farbpalette hätte vielleicht noch etwas kräftiger sein können, wirkt aber stets natürlich. Dazu wurden die Kontraste gut eingestellt und auch der Schwarzwert kann überzeugen. Es gibt durchgängig eine relativ leichte Körnung, die nicht besonders auffällt. Wirklich ernste Bildfehler gibt es nicht.

3,5 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der englische Transfer auf DTS-HD MA 5.1 sind verlustlos aber auch nicht sonderlich spektakulär. Die Dialoge sind immer klar priorisiert und kommen sehr gut verständlich aus dem Center. Räumliche Aktivität gibt es eher selten. Hier und da gibt es mal bei Hintergrundgeräuschen und dem angenehmen Score ein wenig Einsatz der äußeren Boxen. Erwähnenswerte Effekte gibt es (natürlich) nicht. Insgesamt hätte die Abmischung aber ruhig noch ein wenig kraftvoller sein dürfen.

3 von 5 Punkten

Extras: Auf Bonusmaterial zum Film müssen die Zuschauer mit Ausnahme von ein paar Trailern verzichten.

1 von 5 Punkten

Gesamt: 3,5 von 5 Punkten


Quelle: Paramount Movies, YouTube

Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa

Originaltitel:What's Eating Gilbert Grape
Regie:Lasse Hallström
Darsteller: Johnny Depp, Leonardo DiCaprio, Juliette Lewis
Genre:Drama, Komödie
Produktionsland/-jahr:USA, 1993
Verleih:Universum Film
Länge:112 Minuten
FSK:ab 6 Jahren

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Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 09.05.2016
Review: Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa (Blu-ray)

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