Review: Remainder (Kino)

Das Kino-Plakat von "Remainder" (© Piffl Medien)

Das Kino-Plakat von „Remainder“ (© Piffl Medien)

Inhalt: Nachdem Tom (Tom Sturridge, „Am grünen Rand der Welt“) von einem herabstürzenden Gegenstand am Kopf getroffen wurde, erwacht er aus einem längeren Koma. Nach einer kräftezehrenden Therapie ist er körperlich wieder beinahe so fit wie früher, ihm fehlen aber immer noch alle Erinnerungen an die Ereignisse vor dem Unfall. Catherine (Cush Jumbo) und Greg (Ed Speleers, „Howl“), die seine besten Freunde sein wollen, sind ihm völlig fremd. Nur wenn spezielle Trigger kommen, erscheinen Tom einige Erinnerungsfetzen. Gut, dass er eine Millionen-schwere Entschädigung für den Unfall erhalten hat. Er engagiert Naz (Arsher Ali), einen Mann, der ausgefallene Probleme lösen kann, damit dieser ein Haus findet, dass in Toms Erinnerung eine zentrale Rolle spielt. Sobald das geschehen ist, sollen Schauspieler seine Anweisungen ausführen, um sein Gedächtnis wiederzubeschaffen. Nach und nach werden Versuche Toms immer ausgefallener, seine Amnesie zu überwinden. Schon bald fallen die letzten Hemmnisse.

 

Kritik: Ein äußerst eigenwilliger Roman von Tom McCarthy diente als Vorlage für dieses Drama, bei dem Omar Fast das Drehbuch verfasste und gleich auch noch die Regie führte. Wenige dürften sich darüber wundern, dass der Film eher in die Kategorie der schrägen Unterhaltung fällt. Sehr getragene, fast philosophisch wirkende Aufnahmen zum Intro werden durch einen radikalen Zwischenfall ziemlich schnell unterbrochen. Danach haben die Zuschauer Zeit, einen leidenden Mann kennen zu lernen, für den das Leben nicht mehr so ist, wie es einmal war: Freunde, Geliebte und Familie sind für ihn wie Leute, die er gerade erst auf der Straße getroffen hat . Die Erinnerung zu erlangen ist die einzige Hoffnung, für die man gerne den gerade erst erlangten Reichtum opfert. In dieser Phase wird der Film zumindest einmal exzentrisch. Wenn Tom und Naz ein Casting durchführen, bei dem unklar erinnerte Figuren einen Strumpf über den Kopf gezogen bekommen, oder Katzen in Lebensgefahr geschickt werden, ist „Remainder“ exzellent. Auch weitere skurrile Einfälle rund um einen Banküberfall machen den Film zu einem Highlight des abseitigen Humor.

Tom führt ein sehr eigenwilliges Casting durch (© Piffl Medien)

Tom führt ein sehr eigenwilliges Casting durch (© Piffl Medien)

Ein wenig zu weit führt Fast das Spiel im Schlussakt, wo der Film ähnlich leicht verständlich aber nicht so rund wie ein „Mulholland Drive“ ist. Hier werden die zahlreichen großartigen Einzelszenen nicht wirklich zufriedenstellend aufgelöst, da der Zuschauer statt über die reine Bedeutung auch über die nicht immer funktionierende innere Logik des Gesamtkonstrukts nachdenkt. Durchgängig überzeugend ist hingegen die Besetzung.

Tom Sturridge ist als schwer verletzter Mann, der auf der Suche nach seinem Gedächtnis zu immer sonderbareren Mitteln greift, eine sehr gute Wahl gewesen. Zwischen gedankenverloren und zielbewusst entwickelt Sturridge eine erinnerungswürdig eigenartige Figur. An seiner Seite spielt Arsher Ali den geduldigen und extrem professionellen Naz, der ohne Murren für eine Realisierung der Eskapaden seines Chefs sorgt. Er ist ebenso ordentlich besetzt wie Cush Jumbo und Ed Speleers, die die einzigen wichtigen Figuren in Toms Leben spielen.

Auch wenn „Remainder“ besonders gegen Ende einige Probleme hat, strotzt er vor Ideenreichtum und schafft es, ebenso verstörend, bedrückend und amüsant zu sein. Natürlich bewegt sich Omar Fast mit seinem Werk weit abseits des Mainstreams, was aber nichts daran ändert, dass diese merkwürdig-originelle Geschichte ziemlich sehenswert ist.

3,5 von 5 Punkten


Quelle: Piffl Medien, Leinwandreporter TV, YouTube

Remainder

Originaltitel:Remainder
Regie:Omar Fast
Darsteller:Tom Sturridge, Cush Jumbo, Ed Speleers
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:Deutschland/UK, 2015
Verleih:Piffl Medien
Länge: 97 MinutenFSK: ab 12 Jahren
Kinostart:12.05.2016
Homepage:https://www.remainder-derfilm.de

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 11.05.2016
Review: Remainder (Kino)

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