Fantasy Filmfest Nights: Tusk (Kino)

Das internationale Plakat von "Tusk" (Quelle: Sony Pictures)

Das internationale Plakat von “Tusk” (Quelle: Sony Pictures)

Inhalt: Wallace (Justin Long, „Youth in Revolt“) betreibt mit seinem Kumpel Teddy (Haley Joel Osment) einen ziemlich erfolgreichen Internet-Podcast. In der Sendung der beiden erzählen außergewöhnliche Personen ihre Lebensgeschichten. Als Wallace für ein Interview nach Kanada reist, das überraschend ausfällt, ist er froh, eine interessante Anzeige von dem gealterten Seebären Howard Howe (Michael Parks, „We Are What We Are“) zu entdecken. Howe sucht einfach nur jemanden, der seinen Storys lauscht. So fährt Wallace zu dem abgelegenen Anwesen des alten Mannes und hört sich fasziniert die Anekdoten des Senioren an. Doch auf einmal endet das Gespräch, als Wallace in Ohnmacht fällt. Erst einige Zeit später, nachdem er wieder zu sich gekommen ist, bemerkt er die wahren Beweggründe seines Gastgebers: Howard plant, Wallace in ein Walross zu verwandeln. Währenddessen machen sich Teddy und Ally (Genesis Rodriguez, „Ein riskanter Plan“), die Freundin von Wallace, auf die Suche nach dem Verschwundenen.

Kritik: Autor, Regisseur und Podcaster Kevin Smith hat schon seine komplette Karriere etwas andere Filme gedreht. Seine schrägen Komödien aus den 90ern wie „Clerks“ und „Dogma“ sind längst Kult. 2011 gelang ihm mit dem nicht minder abgedrehten Thriller „Red State“ ein radikaler Genre-Wechsel. Mit „Tusk“ erreicht er aber eine neue Stufe der Verrücktheiten in seinen Filmen. Nachdem er in seinem Podcast eine reale Anzeige vorgestellt hat, in der jemand Kost und Wohnung anbot, wenn sich sein Untermieter einige Stunden am Tag als Walross verkleidet, ließ er sein Publikum über die Entstehung dieses Filmes abstimmen. Natürlich wurde der Plan bejaht, sodass sich die Zuschauer nun über dieses Machwerk erfreuen dürfen.

Dieser alte Mann kann mehr als Geschichten erzählen (Quelle: Sony Pictures)

Dieser alte Mann kann mehr als Geschichten erzählen (Quelle: Sony Pictures)

Herausgekommen ist ein humorvoller, grotesker und vollkommen durchgeknallter Film, der weit weg vom Mainstream für ein ganz eigenartiges Erlebnis sorgt. Vor allem in der ersten Hälfte ist der Film wirklich amüsant und atmosphärisch, hat aber auch schon da etwas unter der übertriebenen Geschwätzigkeit seiner Charaktere zu leiden. Im zweiten Teil zündet Smith vollkommen neue Stufen des Wahnsinns und sorgt mit skurrilen Bildern dafür, dass sich das Gesehene auf der Netzhaut des Zuschauers einbrennt. Kostüme und Make-Up des Filmes sind dabei herausragend.

Schauspielerisch darf Michael Parks da weiter machen, wo er in „Red State“ aufgehört hat. Als intelligenter, charmanter alter Mann, der im Vincent Price-Stil gruselt, verströmt er schon in den Anfangsminuten Bedrohlichkeit. Diese entwickelt sich immer weiter zu einer denkwürdigen Darstellung eines anders gepolten Psychopathen. Die Figur von Wallace ist ein arroganter, prolliger Widerling, dem man sein Schicksal in gewisser Weise gönnt. Davon abgesehen, spielt Justin Long, von dem in den letzten Jahren wenig zu sehen war, wirklich stark und bietet Parks die Stirn.

Ein Ex-Kinderstar und Guy Lapointe

Noch trinken Wallace und Howard gemütlich Tee (Quelle: Sony Pictures)

Noch trinken Wallace und Howard gemütlich Tee (Quelle: Sony Pictures)

Genesis Rodriguez beweist, dass sie mehr als nur Eye Candy ist und sorgt in ihrer Rolle als geplagte Freundin streckenweise für ein wenig Bodenhaftung und emotionale Glaubwürdigkeit im Film. Auch wenn man mehrmals hinsehen muss, ist der Co-Moderator von Wallace tatsächlich Ex-Kinderstar Haley Joel Osment („Ich sehe tote Menschen“). Er reiht sich in eine ganze Reihe von guten Performances ein. Abschließend ist da noch gewisser Guy Lapointe zu nennen, der hier als versoffener „Inspektor Clouseau“-Verschnitt, der Ally und Teddy bei der Suche nach Wallace hilft, auftritt. Dabei ist Guy Lapointe das Pseudonym eines gewissen Hollywoodstars, den die meisten wohl aus „Fluch der Karibik“ und diversen Tim Burton-Filmen kennen dürften. Sein Auftritt hier ist zwar irritierend, aber wohl das Originellste,was er seit langer Zeit abgeliefert hat.

„Tusk“ ist ein Film, an den man sich so oder so erinnert. In einer Mischung von „Human Centipede“ und Tarantino liefert Kevin Smith weit weg von jeglichen Sehgewohnheiten einen manchmal unausgegorenen, stets irrsinnigen Spaß, der auch dank dem wunderbaren Michael Parks so gut funktioniert.

3,5 von 5 Punkten

Der Film ist ab dem 07.05.2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich. Da der Film auf den Fantasy Filmfest Nights gesichtet wurde, sind keine Aussagen zu Bild, Ton und Extras möglich.


Quelle: A24, Sony Pictures, YouTube

Tusk

Originaltitel:Tusk
Regie:Kevin Smith
Darsteller:Justin Long, Michael Parks, Haley Joel Osment, Genesis Rodriguez
Genre:Horrorkomödie, Groteske
Produktionsland/-jahr:USA, 2014
Verleih:Sony Pictures
Länge:102 Minuten
FSK:noch unbekannt

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 16.03.2015
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