Review: Red State (Blu-ray)

Cheyenne ist von der Gewalt entsetzt(Bildquelle: Ascot Elite)

Cheyenne ist von der Gewalt entsetzt(Bildquelle: Ascot Elite)

Inhalt: Die Jugendlichen Jarod (Kyle Gallner), Travis (Michael Angarano) und Billy-Ray (Nicholas Braun) sind gelangweilt vom spießigen Vorstadtleben in den republikanisch dominierten Red States. Weder Alkohol noch Mädchen scheinen für die drei Jungs in Reichweite. Da kommt es ihnen sehr gelegen, dass Jarod eine Kontaktanzeige entdeckt, die schnellen und schmutzigen Sex verspricht. Voller Vorfreude machen die Drei einen Roadtrip, werden dann aber böse überrascht: Die angeblich willige Dame (Melissa Leo, „The Fighter“) ist Mitglied der christlich-fundamentalistischen „Cooper-Sekte“ und betäubt die Jugendlichen, um sie für ihre Verderbtheit zu bestrafen. Als sie wieder zu sich kommen, sind sie gefesselt in der Kirche der Sekte und müssen miterleben, wie die Gemeinde (u.a. Kerry Bishé aus „Scrubs – Med School“) unter der Anleitung des Pastors Abin Cooper (Michael Parks, „Kill Bill Vol.1“) einen Homosexuellen „für seine Sünden“ hinrichtet.

Doch die Coopers sind längst auch den Offiziellen ins Auge gefallen. So wird während der Gefangenschaft von Kyle, Billy-Ray und Jarod das Gebäude von einer ATF („Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives”)- Spezialeinheit unter der Leitung von Agent Keenan (John Goodman, „Roseanne“) umstellt, die das beachtliche Waffenarsenal der Fundamentalisten beschlagnahmen wollen. Natürlich hat Abin Cooper nicht vor, seine Sammlung „für die Erlösung der Welt“ aufzugeben und so herrschen bald kriegsähnliche Zustände.

Agent Keenan und seine Männer wollen Cooper ans Leder (Bildquelle: Ascot Elite)

Agent Keenan und seine Männer wollen Cooper ans Leder (Bildquelle: Ascot Elite)

Kritik: Nachdem Independent-Kultregisseur Kevin Smith („Clerks – Die Ladenhüter“) zuletzt mit dem teuren „Cop Out“ einen ziemlichen Flop hinlegte und daraufhin seinen Rüchzug aus dem Filmgeschäft ankündigte, besann er sich bei „Red State“ auf das, was er am besten kann: Mit geringen Mitteln ein skurriles und provokatives Spektakel erzeugen. Dabei durchlebt der Film von der Teenie-Klamotte, über den Torture-Porn bishin zum Belagerungsthriller einen Streifzug durch mehrere Genres, die bis auf das Erstgenannte bislang nicht in Smiths Repertoire zu finden waren. Dabei fällt positiv ins Gewicht, dass es Smith gelingt, niemals verallgemeinernd über konservative Werte herzuziehen, sondern stets ein ausgewogenes Bild der Gesellschaft zu zeigen. So distanzieren sich beispielsweise selbst rechte Gruppierungen von Coopers meuchelnden Anhängern und auch das ATF und die Bürokratie werden hier rabenschwarz beleuchtet. Auch wenn einige seiner Charaktere sehr geschwätzig sind und bei den bleihaltigen Szenen der Belagerungsphase Kevin Smith’ Unerfahrenheit im Action-Kino zu erkennen ist, entsteht eine Satire, die irgendwo zwischen Rob Zombie, Troma und Quentin Tarantino ihren Platz findet.

Katz- und Mausspiel der Routiniers

Agent Keenan bietet Cooper die Stirn (Bildquelle: Ascot Elite)

Agent Keenan bietet Cooper die Stirn (Bildquelle: Ascot Elite)

Auch wenn sie von Beginn der Geschichte an mitspielen, halten sich die von Kyle Gallner, Michael Angarano und Nicholas Braun solide verkörperten Figuren Jarod, Billy-Ray und Travis eher im Hintergrund. Michael Parks, der dank zahlreicher Auftritte in Tarantino und Rodriguez-Filmen den Umgang mit inhaltlich skurrilen Drehbüchern gewohnt ist, entpuppt sich als Idealbesetzung für den selbstgerechten, dauerhaft brabbelnden Abin Cooper, dessen Figur eine Mischung aus Peter Lustig und Charles Manson ist. Besonders in der zweiten Hälfte, in der er sich mit dem von John Goodman genial verkörperten Agent Keenan auseinandersetzen muss, läuft Parks zu Höchstform auf. Goodman, der zuletzt schon mit einer Nebenrolle im Oscar-Abräumer „The Artist“ gutes Rollengespür bewies, spielt hier den herrischen, rauen und lauten Einsatzleiter Keenan, den er mit seinem vielseitigen Spiel und seinem inzwischen von Falten zerfurchten Gesicht zur auffälligsten Figur des Films macht.

Nach ihrem Oscar in „The Fighter“ scheint Melissa Leo Gefallen an abgedrehten White Trash-Charakteren gefunden zu haben. Als Cooper-hörige Sara liefert sie erneut eine gelungene Performance. Kerry Bishé, die in dem enttäuschenden „Scrubs“-Spinoff „Med School“ die Hauptrolle übernommen hatte, zeigt hier in der Rolle von Saras Tochter Cheyenne, der bald Zweifel an dem Treiben ihrer Gemeinde kommen, dass sie durchaus talentiert ist. Eine auffällige und gelungene Leistung der jungen Schauspielerin. Kevin Alejandro („Shark“), Kevin Pollak („Die üblichen Verdächtigen“), Kaylee DeFer („Hinterm Sofa an der Front“) Matt Jones und Anna Gunn (beide „Breaking Bad“) komplettieren in Nebenrollen das prominente Ensemble.

„Red State“ ist eine kompromisslose, knallharte Abrechnung von Kevin Smith mit Fundamentalisten und Bürokraten. Der Film spielt auch auf reale Fälle, wie den der Westboro Baptist Church, an. Einige kleine handwerkliche Fehler sowie einige ausufernde Monologe stören das Vergnügen ein wenig. Aber insgesamt ist die Zusammensetzung von kuriosen Figuren, witzigen One-linern und Gewalt immer noch so gelungen, dass alle Fans von Filmen der Machart Tarantinos auf ihre Kosten kommen.

3,5 von 5 Punkten.

 

Bild: Der Bildtransfer ist sehr gut gelungen. Das plastische Bild besitzt enorme Schärfe, der Schwarzwert wurde gut gewählt, die Kompressionen sind sauber. Die kühle Farbgebung unterstützt die Atmosphäre des Films. An manchen Stellen kommt es zu einem Überstrahlen von Details, was die einzige auffällige Schwäche im Film ist.

4,5 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der englische Ton liegen in DTS HD MA 5.1 vor und sind das technische Highlight der Blu-Ray. Die Dialogverständlichkeit ist jederzeit gegeben, die Abmischung ist gut und dynamisch. Bei den Schusswechseln gibt es einen sehr voluminösen Bass, der die Szenen zu einem regelrechten Surround-Erlebnis werden lässt.

5 von 5 Punkte

Extras: Außer einigen interessanten Trailern gibt es leider keine Extras. Schade.

1,5 von 5 Punkten

Gesamt: 3,5 von 5 Punkten


Quelle: TopMovieTrailers2011, YouTube

Red State

Originaltitel:Red State
Regie:Kevin Smith
Darsteller:Michael Parks, John Goodman, Melissa Leo
Genre:Horrorsatire
Produktionsland/-jahr:USA, 2011
Verleih:Ascot Elite
Länge:88 Minuten
FSK:ab 18 Jahren

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Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 09.06.2012
Red State (Blu-ray)

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