Review: The Secret Man (Kino)

Das Kinoplakat von "The Secret Man" (© Wild Bunch Germany)

Das Kinoplakat von “The Secret Man” (© Wild Bunch Germany)

Inhalt: Nach dem Tod von FBI-Chef Edgar G. Hoover im Jahr 1972 rechnen eigentlich alle Mitarbeiter damit, dass dessen rechte Hand, der ehrgeizige, loyale und gradlinige Mark Felt (Liam Neeson, „Ruhet in Frieden – A Walk Among The Tombstones“) dessen Nachfolger wird. Doch auf politischer Ebene sind nicht alle von dem kompromisslosen und zeitweise ziemlich undiplomatischen Felt angetan. Statt ihm bekommt der unerfahrene Pat Gray (Marton Csokas, „Voice From the Stone – Ruf aus dem Jenseits“) den Job, der deutlich pflegeleichter erscheint. Während in den ganzen USA aufgrund des Vietnamkrieges und der Bürgerrechtsbewegungen ohnehin eine aufgeheizte Stimmung herrscht, kommt es in der Parteizentrale der Demokraten zu einem merkwürdigen Zwischenfall. Eine Gruppe Einbrecher wird dabei erwischt, als sie das Gebäude verwanzen. Tatsächlich sind alle Beteiligten ehemalige Agenten oder Regierungsmitarbeiter.

Während die Journalisten sehnlich nach Spuren im Fall suchen, stürzt sich auch Felt mit einem Team auf den Fall. Schnell wird ihm klar, dass Mitglieder der Nixon-Regierung an dem Skandal beteiligt sein müssen. Seine Vermutungen werden dadurch bestärkt, dass Gray die Ermittlungen – kurz nach einem Besuch von Nixons juristischem Berater John Dean (Michael C. Hall, „Dexter“) – beenden will. Hin- und hergerissen zwischen seiner Loyalität zum FBI und seinem Unrechtsempfinden entschließt sich Felt dazu, ihm vertrauten Journalisten wie Bob Woodward (Julian Morris) und Sandy Smith (Bruce Greenwood, „Kingsman 2 – The Golden Circle“) geheime Informationen rund um den Fall zuzuspielen. Während ganz Washington den Verräter unter dem Codenamen „Deep Throat“ sucht, gerät die ganze Regierung ins Wanken.

Felt macht gute Miene zum bösen Spiel (© Wild Bunch Germany)

Felt macht gute Miene zum bösen Spiel (© Wild Bunch Germany)

Kritik: Lange bevor sich Donald Trump im Tageswechsel Fettnäpfchen, Skandale und markerschütternde Drohungen erlaubte, war „Watergate“ wohl der größte politische Fehlgriff, der rund ums Weiße Haus stattgefunden hat. Schon relativ kurz nach der Demission von Nixon erschien 1976 mit „Die Unbestechlichen“ ein erster Film, der sich mit den Taten von „Deep Throat“ auseinandersetzte. Der Journalismus-Thriller mit Dustin Hoffman und Robert Redford gewann vier Oscars und gilt mittlerweile längst als Klassiker. Erst gut 30 Jahre danach gab der hochrangige FBI-Beamte Mark Felt zu, der so lange gesuchte Whistleblower gewesen zu sein. Basierend auf dem autobiographischen Roman von Felt schrieb Peter Landesman das Drehbuch zu „The Secret Man“, bei dem er auch Regie führte.

Herausgekommen ist ein angenehm altmodischer Polit-Thriller, der dabei aber auch mit einer greifbaren Aktualität punkten kann. Obwohl das Ziel/Finale der Geschichte hinlänglich bekannt ist, gelingt es durch ein gelungenes Erzähltempo und einen gut gesetzten Fokus, den Weg dorthin wirklich spannend zu gestalten. So ist der Film mehr ein Biopic seines Protagonisten als eine detaillierte Aufdröselung des Skandals. Aspekte wie die Suche von Felt und seiner Frau Audrey (Diane Lane, „Paris kann warten“) nach der entfremdeten Tochter (Maika Monroe, „It Follows“) geben einer Person Tiefe, die jahrzehntelang nur unter einem Pseudonym bekannt war. Dazu erlaubt sich der Film in seinen kompakten 103 Minuten Spielzeit keine wirklichen Verschnaufpausen.

Mit seinem Team jagt Felt die Watergate-Drahtzieher (© Wild Bunch Germany)

Mit seinem Team jagt Felt die Watergate-Drahtzieher (© Wild Bunch Germany)

In seinem Zentrum ist „The Secret Man“ natürlich ein Dialog- und Darsteller-Film. Um das auch umsetzen zu können, hat sich Landesman eine Fülle an prominenten Schauspielern gesichert. Nachdem er zuletzt fast nur noch in Action-Rollen zu sehen war, dürften einige vergessen haben, dass Liam Neeson eigentlich ein exquisiter Charakterdarsteller ist. Mit Präsenz, Vielschichtigkeit und Integrität verkörpert er die Hauptfigur und dürfte sich so in den erweiterten Oscar-Kreis spielen. Diane Lane kann als Ehefrau, die viele Jahre im Schatten ihres Mannes gestanden hat, mal wieder einen überzeugenden Auftritt liefern. Marton Csokas gibt dem obrigkeitshörigen, neuen FBI-Chef Gray genau den zwielichtigen Schimmer, der ihn wirklich interessant macht.

Als Team von Felt sind mit Tony Goldwyn („…denn zum Küssen sind sie da“), Josh Lucas („Daydream Nation“), Brian d’Arcy James („Tote Mädchen lügen nicht“) und Ike Barinholtz („Suicide Squad“) weitere Qualitäts-Schauspieler unterwegs. Michael C. Hall feiert in einem relativ kleinen Part als John Dean sein Leinwand-Comeback. Tom Sizemore („True Romance“) spielt eine wunderbar schmierige Nebenrolle, in der er Mark Felt das Leben schwer macht. Dazu kommen noch Kurzauftritte von bekannten Leuten wie Bruce Greenwood, Eddie Marsan („A Kind Of Murder“) und Maika Monroe.

Selbst wenn „The Secret Man“ ziemlich konventionell bleibt, gefällt der Film immer noch mit gewaltigen Qualitäten. Es gelingt, eine bekannte Geschichte mit knackiger Spannung aus einem veränderten Blickwinkel zu zeigen und mit einem spektakulären Cast um den starken Liam Neeson einen hochwertigen Polit-Thriller zu präsentieren, der erschreckend viel Zeitgeist atmet.

4 von 5 Punkten


Quelle: Wild Bunch Germany, Leinwandreporter TV, YouTube

The Secret Man

Originaltitel:Mark Felt: The Man Who Brought Down The White House
Regie:Peter Landesman
Darsteller:Liam Neeson, Diane Lane, Marton Csokas, Tony Coldwyn, Michaael C. Hall
Genre:Thriller, Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2017
Verleih:Wild Bunch Germany
Länge: 103 MinutenFSK: ab 12 Jahren
Kinostart: 02.11.2017

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Wild Bunch Germany

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 01.11.2017
Review: The Secret Man (Kino)

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