Review: Abgang mit Stil (Kino)

Das Hauptplakat von "Abgang mit Stil" (© 2017 Warner Bros Pictures)

Das Hauptplakat von „Abgang mit Stil“ (© 2017 Warner Bros Pictures)

Inhalt: Seit mehreren Jahrzehnten sind Willie (Morgan Freeman, „…denn zum Küssen sind sie da“), Joe (Michael Caine, „Ewige Jugend“) und Albert (Alan Arkin, „Thin Ice“) die besten Freunde. Eigentlich wollen sie nur in Ruhe ihren Lebensabend genießen, als es zum Schock kommt: Vom einen auf den anderen Tag wird ihre Firmenrente ersatzlos gestrichen. Joe, der mit seiner Tochter (Maria Dizzia, „Orange Is the New Black“) und Enkelin (Joey King, „Conjuring – Die Heimsuchung“) zusammen wohnt, droht sogar, sein Haus zu verlieren, weswegen ihm eine radikale Idee kommt: Er möchte die Bank überfallen, die das Vermögen seiner ehemaligen Firma verwaltet. Nach etwas Überzeugungsarbeit sind Albert und Willie bereit, ihren Freund zu unterstützen. Kurzerhand wird der patente Gangster Jesus (John Ortiz, „Steve Jobs“) für die Planung engagiert und ein sportliches Training bei Alberts Freundin Annie (Ann-Margaret, „Ray Donovan“) begonnen. Sie wissen ganz genau, dass Timing bei diesem Himmelfahrtskommando die halbe Miete ist. Doch auch die größten Hindernisse stoppen das Trio bei ihrer eigenwilligen Suche nach Gerechtigkeit nicht.

Kritik: In der Rolle als junger Arzt J.D., die er zwischen 2001 und 2010 175 Mal in der Comedy-Serie „Scrubs – Die Anfänger“ verkörperte, wurde Zach Braff international bekannt. Fast beiläufig konnte er für seinen Paradepart drei Golden Globe-Nominierungen und zahlreiche weitere Auszeichnungen verbuchen. Noch in der Frühphase seiner Karriere verblüffte Braff mit dem einfühlsam-ironischen und extrem persönlichen Indie-Hit „Garden State“, dessen Soundtrack ihn zu einem Grammy-Preisträger machte und der inzwischen längst Kultstatus erreicht hatte. Nach dem Ende von „Scrubs“ geriet die Schauspiellaufbahn von Braff ein wenig ins Straucheln und auch ein Nachfolger für sein Regie-Debüt ließ lange auf sich warten. Mit „Wish I Was Here“, der 2014 erschien, zeichnete er erneut ein treffendes Porträt seiner Generation, verpasste es aber deutlich, an die Klasse von seinem Erstling anzuknüpfen. Seine dritte Kino-Produktion wurde jetzt wiederum der erste Film, den er nicht geschrieben hat. Viel mehr ist „Abgang mit Stil“ eine Neuauflage der 1979er-Komödie „Die Rentnergang“. Theodore Melfi, der unlängst für seine Skript zu „Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“ eine Oscar-Nominierung einstreichen konnte, verfasste hier das Drehbuch.

Als Bankräuber sollte man schießen könne (© 2017 Warner Bros Pictures)

Als Bankräuber sollte man schießen könne (© 2017 Warner Bros Pictures)

Obwohl dem Film der erkennbare Ton des Regisseurs abgeht und die Grundidee nur bedingt vor Originalität strotzt, ist das Endergebnis gerade in der ersten Hälfte urkomisch. Schon in der Eröffnungssequenz, wo ein angefressener Joe seinen Sachbearbeiter auf der Bank (Josh Pais, „Turtles – Der Film“) zur Schnecke macht und kurz danach in einen Überfall gerät, ist temporeich und voller schräger Momente. Auch danach jagt ein gelungener Gag den nächsten. Ob es die Dialoge der Protagonisten oder das Handeln von einigen wirklich herrlichen Nebenfiguren ist, macht „Abgang mit Stil“ in dieser Phase großen Spaß. Christopher Lloyd („Piranha 3D“) entwickelt sich als seniler Milton zum heimlichen Star des Geschehens. Handlungspunkte wie ein nicht ganz so runder Überfall auf einen Supermarkt, den die drei Hauptprotagonisten zum Training durchziehen, könnten nicht amüsanter sein (hier gab es sogar in der Pressevorführung Szenenapplaus, was wahrlich nicht alltäglich ist). Sobald der wirkliche Überfall dann näher kommt, wird der Film merklich gewöhnlicher und etwas weniger witzig. Doch gerade wenn man andere Werke, in denen Hollywood-Ikonen Blödsinn machen dürfen („Last Vegas“ etc.) zum Vergleich heranzieht, ist der Film auch hier immer noch überzeugend.

Es ist ziemlich eindeutig, dass die drei Oscar-Preisträger Michael Caine, Morgan Freeman und Alan Arkin die Zeit am Set und das gegebene Material genossen haben. Bei dem Trio ist die Spielfreude fast greifbar, was sowohl bei dem Zeilenvortrag, als auch bei den zahlreichen Albernheiten nie abfällt. Hier sind vereint runde 250 Lebensjahre auf der Leinwand zu erleben, die vor Esprit und Energie sprühen. John Ortiz als „Gangster-Ausbilder“, Ann-Margret als Freundin von Albert und die junge Joey King als Enkelin von Joe sind weitere bekannte Namen, die sich hier die Ehre geben.

Auch wenn die neue Regie-Arbeit von Zach Braff weit konventioneller als seine Vorgänger ist, macht „Abgang mit Stil“ großen Spaß. Charmant, stellenweise extrem witzig und voller gut aufgelegter Schauspiel-Legenden ist diese schelmische Krimi-Komödie beste Kino-Unterhaltung

4 von 5 Punkten


Quelle: Warner Bros Germany, YouTube

Abgang mit Stil

Originaltitel:Going in Style
Regie:Zach Braff
Darsteller:Michael Caine, Morgan Freeman, Alan Arkin, Christopher Lloyd
Genre:Komödie, Krimi
Produktionsland/-jahr:USA, 2016
Verleih:Warner Bros Pictures Germany
Länge: 97 MinutenFSK: ab 6 Jahren
Kinostart: 13.04.2017
Homepage:Abgang mit Stil

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 12.04.2017
Review: Abgang mit Stil (Kino)

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