Review: Taboo – Season 1 (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover der ersten Staffel von "Taboo" (© Concorde Home Entertainment)

Das Blu-ray-Cover der ersten Staffel von “Taboo” (© Concorde Home Entertainment)

Inhalt: Im frühen 19. Jahrhundert möchte Zilpha Geary (Oona Chaplin, „The F-Word – Von wegen gute Freunde“) eigentlich nur so schnell wie möglich ihren verstorbenen Vater beerdigen, das Erbe antreten und mit ihrem Leben fortfahren. Zum Nachlass gehört ein strategisch sehr wertvolles Stück Land und ein Schifffahrtsunternehmen, was sie eigentlich verkaufen möchte. Doch während der Beisetzung erfolgt eine große Überraschung. Der berüchtigte Abenteurer James Delaney (Tom Hardy, „Legend“), Halbbruder von Zilpha und gerüchteweise in Afrika verstorben, betritt die Kirche. Als ältester Sohn wird er automatisch zum Alleinerben des Vermögens seines Vaters. Sehr zum Missfallen einiger reicher und mächtiger Leute wie Stuart Strange (Jonathan Pryce, „Game of Thrones“), dem Chef der Ostindien-Kompanie, hat James ganz andere Pläne mit dem Nachlass. Er möchte in die Fußstapfen seines Vaters treten und das Unternehmen zu altem Ruhm führen. Schon bald hat er – selbst im englischen Königshaus – eine große Menge an Feinden, die ihn sehr gerne neben seinem Vater liegen sehen würden. Doch Delaney ist weit gerissener, als er scheint. Gemeinsam mit seinem Assistenten Brace (David Hayman, „Macbeth“) und einigen Außenseitern wie der Prostituierten Helga (Franka Potente, „Conjuring 2“), dem skrupellosen Atticus (Stephen Graham, „Blood – You can’t bury the Truth“) und der Schauspielerin Lorna (Jessie Buckley, „Krieg & Frieden“) stellt er sich seinen Gegnern. Als ihn dann auch noch seine Vergangenheit einholt, muss er seinen Kampf gleich an mehreren Fronten ausfechten.

Kritik: Aktuell gehört Steven Knight wohl zu den besten Autoren im englischen Kino. Nach seiner Oscar-Nominierung für „Tödliche Versprechen“ bildete er schon bald mit Tom Hardy ein ziemlich erfolgreiches Duo. Nach dem erstaunlich spannenden „No Turning Back“ kam es in der großartigen Gangster-Serie „Peaky Blinders“ zu einer Wiedervereinigung. Nun haben die beiden gemeinsam mit Chips Hardy (Tom Hardys Vater) diesen finsteren Abenteuer-Rache-Mix auf den Weg gebracht. In den ersten acht Episoden gibt es einige Qualitäten, die bei dieser Kollaboration fast schon selbstverständlich sind. Die Ausstattung und Kameraarbeit sind absolut erstklassig. Auch wenn der Look bewusst eher in deprimierend kühlen Tönen gehalten ist, kann der visuelle Teil immer genossen werden. Natürlich ist auch zu spüren, dass Knight ein exzellenter Autor ist. Doch gerade hier wäre ein wenig gebremster Schaum nicht verkehrt gewesen. So wird die Geschichte stellenweise derart unnötig komplex, dass der ein oder andere Zuschauer Probleme haben dürfte, dauerhaft an Bord zu bleiben.

Delaney lässt sich von niemandem einschüchtern (© Concorde Home Entertainment)

Delaney lässt sich von niemandem einschüchtern (© Concorde Home Entertainment)

Sicherlich gehören Im- und Exportreglungen des frühen 19. Jahrhunderts zu der Welt der Figuren. Es würde aber kaum jemand böse gewesen sein, wenn die Macher auf ausufernde Dialoge zu diesem Thema verzichtet hätten. Was dann fast schon ärgerlich ist, sind die übernatürlichen Elemente, die in die Geschichte eingestreut werden. Mit der Ausnahme von ein paar verstörend-schönen Aufnahmen, die durch dieses Stilmittel entstanden sind, ist kein Mehrwert in für eine Serie zu erkennen, die sich durch den Kampf eines Querkopfs gegen das System auszeichnet. Allgemein bleibt die Auffälligkeit, dass „Taboo“ so lange unterhaltsam bleibt, wie sich die Macher aufs Kerngeschäft konzentrieren. Da die Geschichte immer mal wieder ausfranst, gibt es dann aber wahrlich zähe Passagen.

Darstellerisch ist die Serie nicht nur vom Papier glänzend ausgestattet. An guten Tagen ist Tom Hardy einer der besten Schauspieler auf diese Welt. Hier überzeugt er, muss aber als James Delaney auch nicht immer sein volles Können abrufen. So beschränkt er sich während der ganzen Serie auf einen Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen milde genervt und zornig einzuordnen ist. Viele dürfen einen zweiten Blick brauchen, um Franka Potente als Prostituierte Helga zu erkennen. In der Rolle der knallharten Geschäftsfrau gehört sie zu den Highlights der Serie. Noch ein wenig mehr verunstaltet kommt Stephen Graham daher, der als drastisch tätowierter Atticus den Mann für das Grobe gibt. Mit David Hayman und Jonathan Pryce sind hier gleich zwei Routiniers des britischen Kinos zu sehen, die dem Geschehen hier ihren Stempel aufdrücken können. Mit Oona Chaplin und Jessie Buckley sind zwei weitere Darstellerinnen zu sehen, die sich in dieser männlich dominierten, harten Geschichte zu heimlichen Stars entwickeln.

Die erste Staffel von „Taboo“ ist eine dieser Serien, die grundsätzlich auf allen Ebenen eine hochwertige Produktion ist, bei der aber dennoch nicht der letzte Funke überspringen will. Hier wäre eine geradlinigere Erzählweise wünschenswert gewesen, die etwas weniger Verschnitt produziert. Dennoch ist diese dritte Kooperation von Steven Knight und Tom Hardy weit davon entfernt, eine Enttäuschung zu sein. Wer ein wenig Geduld mitbringt, wird auf jeden Fall mit einem rabiaten Historien-Abenteuer aus dem oberen Preissegment belohnt.

Stuart Strange ist der Verzweiflung nah (© Concorde Home Entertainment)

Stuart Strange ist der Verzweiflung nah (© Concorde Home Entertainment)

Die Box ist ab dem 13.04.2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

3,5 von 5 Punkten

 

Bild: Obwohl sich ein großer Teil des Geschehens im (Halb-)Dunklen abspielt, sieht die Serie sehr gut aus. Gerade in den Traum-Sequenzen werden die ganzen Stärken offensichtlich. Da es in der Welt von „Taboo“ wohl häufiger etwas neblig ist, wird die ansonsten sehr gute Schärfe und Detaildarstellung stellenweise etwas ausgebremst. Obwohl die Farben stellenweise ein wenig blass – und bald darauf um so kräftiger – sind, ist die Palette immer natürlich. Kontraste und Schwarzwert wurden ebenfalls gut eingestellt. In manchen Szenen ist ein leichtes Rauchen zu erkennen. Ansonsten ist die Präsentation ziemlich sauber und ruhig.

4 von 5 Punkten

Ton: Der deutsche und der englische DTS HD-MA 5.1-Ton sind absolut verlustlos. In den meisten Phasen fokussiert sich der Sound auf eine gute Dialogverständlichkeit. Wenn dann aber Delaney seine Visionen beziehungsweise Anfälle hat, wird ein echter Klangteppich geboten. Bei Schießereien und Explosionen klinken sich wahrlich knackige Bässe ein. Auch der Score nimmt die ganze Bandbreite der Anlage in Anspruch. Darüber hinaus sorgen die Hintergrundgeräusche stets für eine realistisch wirkende Atmosphäre.

4,5 von 5 Punkten

Extras: Ein paar Trailer bleiben der einzige Bonus der Box.

1 von 5 Punkten

Gesamt: 3,5 von 5 Punkten


Quelle: Concorde Home Entertainment, Leinwandreporter TV, YouTube

Taboo - Staffel 1

Originaltitel:Taboo - Season 1
Entwickler:Chips Hardy, Tom Hardy, Steven Knight
Darsteller:Tom Hardy, David Hayman, Jonathan Pryce
Genre:Abenteuer-/Drama-Serie
Produktionsland/-jahr:UK, 2017
Verleih:Concorde Home Entertainment
Länge:8 x 55 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 13.04.2017
Review: Taboo – Season 1 (Blu-ray)

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