Review: Ewige Jugend (Kino)

Das Haupt-Plakat von "Ewige Jugend" (© Wild Bunch Germany)

Das Haupt-Plakat von “Ewige Jugend” (© Wild Bunch Germany)

Inhalt: Seit über einem halben Jahrhundert sind Fred (Michael Caine, „Stonehearst Asylum – Diese Mauern wirst du nie verlassen“) und Mick (Harvey Keitel, „Reservoir Dogs“) die besten Freunde. Wie so oft, geht es für den gemeinsamen Urlaub mit Freds Tochter Lena (Rachel Weisz, „Dream House“) in ein Luxus-Ressort in der Schweiz. Während der ehemalige Star-Komponist Fred nur seinen Ruhestand genießen will und sogar Avancen des britischen Königshauses abweist, arbeitet Autor und Filmemacher Mick an seinem letzten großen Werk, das sein Vermächtnis werden soll. An entspannte Tage ist für beide aber ohnehin nicht zu denken, da andere Hotelgäste wie der kauzige Schauspiel-Star Jimmy Tree (Paul Dano, „Prisoners“) oder die aktuelle Miss Universe (Madalina Diana Ghenea) die alternden Kumpels zu unterhalten wissen. So drehen Fred und Mick zwischen Philosophie und Chaos noch einmal so richtig auf.

 

 

Der exzentrische Jimmy wird zum ständigen Wegbegleiter für Mick und Fred (© Wild Bunch Germany)

Der exzentrische Jimmy wird zum ständigen Wegbegleiter für Mick und Fred (© Wild Bunch Germany)

Kritik: Nachdem sein letzter Film „La Grande Bellezza“ rund um einen alternden Playboy im Jahr 2014 mit dem Auslands-Oscar dekoriert wurde, blickt der Italiener Paolo Sorrentino in seinem neuen Werk wieder auf die ältere Generation. So wurde der Film schon vorab zu einem heißen Preiskandidat. Tatsächlich schafft er es lange Zeit, diesem Erwartungsdruck gerecht zu werden. Mit ebenso eigenwilligen wie faszinierenden Bildern und Charakteren sorgt Sorrentino für ein ungewöhnliches, aber durchaus angenehmes Kino-Erlebnis. Wenn die alternden Besucher in fast schon Ballett-artiger Eleganz zum Frühsport getrieben werden oder Fred und Mick die anderen Besucher beim Essen beobachten dürfte nicht nur das Arthaus-Publikum äußerst angetan sein. Schrullige Dialoge der Protagonisten über Probleme beim Wasserlassen und die Konkurrenz um einen gemeinsamen Schwarm zur Schulzeit geben dem Film seine Liebenswürdigkeit.

Freds Tochter Lena erlebt einen ereignisreichen Urlaub (© Wild Bunch Germany)

Freds Tochter Lena erlebt einen ereignisreichen Urlaub (© Wild Bunch Germany)

Sorrentino gelingt es lange Zeit, zwischen Kunstfertigkeit, Humor und der gebotenen Tragik hin- und herzuwechseln, ohne die Balance zu verlieren. Auch bizarre Einschübe wie eine verstörende Traumsequenz oder ein aus dem Leim gegangener Ex-Weltklasse-Fußballer (der nicht ganz zufällig an Diego Maradona erinnert) passen ins Geschehen. Leider verliert sich der Film im etwas langatmigen letzten Drittel dann etwas, wenn die Handlung zeitweise auf eine schwer verständliche Meta-Ebene abrutscht und es allgemein nicht mehr so leicht fällt, dem Geschehen zu folgen. Was durchgängig abseits der Bilderflut gefällt, sind die wunderbaren Schauspieler. Trotz seines seit jeher eher eingeschränkten mimischen Spiels ist Michael Caine als gealterter Star-Komponist charmant, sympathisch und fängt auch die Tragik seiner Figur bestens ein. Er könnte hier noch einmal die Chance bekommen, in den erweiterten Kreis der Oscar-Anwärter vorzustoßen. Harvey Keitel nutzt auch im gehobenen Alter sein enorme Ausstrahlung für einen starken, augenzwinkernden Auftritt.

Rachel Weisz gliedert sich mit einer emotionalen, absolut herzlichen und humorvollen Darbietung in die Qualität ihrer betagteren Kollegen ein. Gerade eine lange, tiefgründige Ansprache an Filmvater Caine bleibt bei ihr besonders haften. Der heimliche Star des Filmes ist aber Paul Dano. Als etwas selbstverliebter Schauspieler, der von der Popularität einer seiner seichten Rollen genervt ist, spielt Dano derart verschroben, dass er zahlreiche Szenen dominiert. Dazu kommt eine Sequenz, in der er (anstößig) kostümiert zum Frühstück kommt, die zu den besten Momenten des Filmes zählt.

Auch wenn „Ewige Jugend“ nicht immer große Unterhaltung ist, manche Weisheiten hier auf Küchentisch-Niveau bleiben und die ein oder andere Randgeschichte ins Leere führt: Mit einzigartigen Bildern und gut aufgelegten Schauspielern erzählt Paolo Sorrentino eine ebenso traurige wie amüsante Geschichte, die bei den Zuschauern auf jeden Fall im Gedächtnis bleiben dürfte.

4 von 5 Punkten

Quelle: Wild Bunch Germany, Leinwandreporter TV, YouTube

Ewige Jugend

Originaltitel:Youth
Regie:Paolo Sorrentino
Darsteller:Harvey Keitel, Michael Caine, Rachel Weisz, Paul Dano
Genre:Tragikomödie
Produktionsland/-jahr:Italien , Frankreich , Schweiz , Großbritannien, 2015
Kinostart:26.11.2015
Verleih:Wild Bunch Germany
Länge:118 Minuten
FSK:ab 12 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 17.08.2015
Ewige Jugend (Kino)

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