Review: Reservoir Dogs (Blu-ray)

Die "TarantinoXX"-Blu-ray-Box zum Dienstjubiläum des Regie-Großmeisters (Quelle: StudioCanal)

Die “TarantinoXX”-Blu-ray-Box zum Dienstjubiläum des Regie-Großmeisters (Quelle: StudioCanal)

Inhalt: Eine Gruppe von sechs Gangstern, die sich untereinander nicht kennen (Harvey Keitel alsMr. White, Tim Roth als Mr. Orange, Michael Madsen als Mr. Blonde, Steve Buscemi als Mr. Pink, Edward Bunker als Mr. Blue und Quentin Tarantino als Mr. Brown) werden beauftragt, einen Diamantenraub durchzuführen. Vollkommen überraschend erscheint die Polizei frühzeitig und verwickelt die Truppe in eine wüste Schießerei, aus der nicht alle lebend herauskommen. Die Überlebenden treffen sich wie geplant in einem Lagerhaus und beginnen, sich gegenseitig zu beschuldigen, da nur ein Spitzel innerhalb der Gruppe verantwortlich für die Polizeipräsenz sein konnte. Nach und nach eskaliert die Situation immer mehr.

Kritik: Im Januar 1992 debütierte ein damals vollkommen unbekannter Quentin Tarantino mit seinem gerade einmal 1,2 Millionen US-Dollar teuren Gangster-Film „Reservoir Dogs“ auf dem Sundance Film Festival. Die fast kammerspielartige Geschichte, die zum großen Teil in dem ominösen Lagerhaus spielt, sorgte durch eine ungewöhnliche Erzählstruktur, bissige Dialoge und brillante Zitate für Furore und ebnete so den Weg zur Weltkarriere des Regisseurs, der nur zwei Jahre später „Pulp Fiction“ drehen sollte.

Die Eröffnungsszene, in der sich die acht Gangster beim Frühstück über den Subtext von Madonnas „Like a Virgin“ und den Sinn von Trinkgeldern unterhalten zeigte den Kritikern, die von einem trashigen Heist Movie ausgegangen waren, das sie hier etwas ganz anderes geboten bekommen. Nach dem sensationellen Start und dem Vorspann bekommt der Zuschauer nicht etwa den Überfall zu Gesicht, sondern die Nachwirkungen.

Die Gangster vor dem Überfall (Quelle: StudioCanal)

Die Gangster vor dem Überfall (Quelle: StudioCanal)

Tarantinos Anfänge – Der etwas andere Gangsterfilm

Mr. Orange (Tim Roth) liegt schwer verletzt und blutverschmiert auf dem Rücksitz eines Autos, das von Mr. White (Harvey Keitel) gesteuert wird. Im Lagerhaus stößt Mr. Pink (Steve Buscemi) zu den beiden und jetzt erfährt der Zuschauer was los ist. Einer aus der Truppe war ein Verräter und die Polizei hatte die Räuber schon erwartet. Mr. Blondes (Michael Madsen) Amoklauf hat die Situation eskalieren lassen. Die Geschichte entwickelt sich auf höchster psychologischer Ebene, die von dem bedrückenden Ambiente des Lagerhauses verstärkt wird. Zwischen all die gegenseitigen Verdächtigungen und teils blutigen Auseinandersetzungen stellt Tarantino einen bemitleidenswerten Polizisten, der den Sadismus aller Figuren zu spüren bekommt. Dadurch werden die Gangster auf eigene Art charakterisiert. Hintergründe zu den Figuren liefert Tarantino in Rückblenden, die die Vorbereitungen der einzelnen Gang-Mitglieder zeigen. Diese werden wiederum unterteilt. Es wird durch einfache Mittel mit klassischen Erzählstrukturen gebrochen, was ausnahmslos gut funktioniert.

Bevor es zum genauso unvermeidlichen wie unvergesslichen Finale kommt, wird im Grunde eine Geschichte über Freundschaft und Vertrauen erzählt, die aber immer wieder von Tarantino-typischen Gewaltexzessen unterbrochen wird. Bei all der Klasse von Regisseur und Drehbuch hätte der Film aber nie ohne die hervorragenden Schauspieler funktioniert. Harvey Keitel spielte sich als (am ehesten) menschlicher Mr. White zurück ins Rampenlicht und übt eine väterliche Präsenz aus. Tim Roth schaffte als Schwerverletzter Mr. Orange seinen endgültigen US-Durchbruch. Als Zuschauer fühlt man jede Sekunde die Todesangst seiner Figur mit, was Roth als Glanzleistung anzurechnen ist. Steve Buscemi war wohl dank seiner Darstellung von Mr. Pink bis zu seiner Hauptrolle in „Boardwalk Empire“ auf schräge Typen abonniert. Michael Madsen spielte als cooler Psychopath die vielleicht beste Rolle seiner Karriere und Chris Penn und Lawrence Tierney funktionieren ausgezeichnet als Vater-Sohn-Gespann.

Tarantino mit Steve Buscemi und Harvey Keitel (Quelle StudioCanal)

Tarantino mit Steve Buscemi und Harvey Keitel (Quelle StudioCanal)

„Reservoir Dogs“ ist wohl nicht so perfekt, wie er von vielen Tarantino-Jüngern gesehen wird. Dennoch hat er es mit einem Mini-Budget geschafft fernab von filmischen Konventionen einen Kult-Film zu drehen, der auch nach 20 Jahren nichts von seinem Charme verloren hat.

Ab dem 10.01.2013 ist die „Tarantino XX Collection auf DVD und Blu-ray erhältlich.

4,5 von 5 Punkten

 

Bild: Für einen vor über 20 Jahren gedrehten Low Budget-Film hat „Reservoir Dogs“ ein erstaunlich gutes Bild: Farbwahl und Schärfe sind fast durchgehend hervorragend, nur der Schwarzwert hätte etwas tiefer gewählt sein können. Ein Filmkorn ist wenn überhaupt nur minimal auszumachen.

4 von 5 Punkten

Ton: Der DTS-HD HR 5.1- Sound kann sowohl im deutschen als auch im englischen nur bedingt überzeugen. Die Dialogverständlichkeit ist in der berühmten Anfangsszene nicht vollkommen problemlos möglich, lässt danach aber keine Kritikpunkte mehr zu. Schüsse, Hintergrundgeräusche und Soundtrack wurden etwas zu frontlastig abgemischt.

2,5 von 5 Punkten

Extras: Es gibt Bonusmaterialien wie Sand am Meer. Audiokommentare von Quentin Tarantino, Lawrence Bender und weiteren Mitgliedern von Cast & Crew sowie von Filmkritikern (hoch spannend), Featurettes über fast alles und Interviews mit fast jedem, der etwas mit dem Film zu tun hatte, geschnittene und alternative Szenen, Probeaufnahmen und K-Billy Radio Show und eine Einleitung von Tarantino sind vorhanden. Einige dieser Extras hätten aber noch mehr ins Detail gehen können (oder müssen).

4 von 5 Punkten

Gesamt: 4 von 5 Punkten


Quelle:filmreporter.de, StudioCanal, YouTube

Reservoir Dogs

Originaltitel:Reservoir Dogs
Regie:Quentin Tarantino
Darsteller:Harvey Keitel, Tim Roth, Michael Madsen
Genre:Krimi
Produktionsland/-jahr:USA, 1992
Verleih:StudioCanal
Länge:99 Minuten
FSK:ab 18 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 09.01.2013
Reservoir Dogs (Blu-ray)

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