Review: Conjuring – Die Heimsuchung (Kino)

Das Kinoplakat von "Conjuring - Die Heimsuchung" (Quelle: Warner Bros.)

Das Kinoplakat von „Conjuring – Die Heimsuchung“ (Quelle: Warner Bros.)

Gerade erst sind Roger Perron (Ron Livingston, „Music Within“), seine Frau Carolyn (Lili Taylor, „Six Feet Under“) und ihre fünf Töchter (u.a. Hayley McFarland, „Lie to me“) in ein beschauliches Landhaus aus dem 19. Jahrhundert gezogen, als sich merkwürdige Ereignisse in ihrem Umfeld häufen. Uhren bleiben immer zur gleichen Zeit stehen, Bilder fallen von der Wand, Vögel fliegen gegen die Fenster und sterben. Doch das ist nur der Anfang: Bald sind alle verängstigten Familienmitglieder sicher, dass eine böse Macht in dem Haus wohnt. Als sie nicht mehr weiter wissen, wendet sich Carolyn an die Eheleute Ed (Patrick Wilson, „The Ledge – Am Abgrund“) und Lorraine Warren (Vera Farmiga, „Nichts als die Wahrheit“), zwei anerkannte Psi-Wissenschaftler und Dämonologen und bittet die beiden um Hilfe. Nur widerwillig nehmen die Exoerten an, doch schon bei ihrer Ankunft spürt Lorraine eine finstere Präsenz, die brutaler und hasserfüllter als alles ist, was sie und ihr Mann bislang gesehen haben. Trotzdem starten die Geisterjäger ihre Ermittlung und stellen bald fest, dass sie den schwierigsten Fall ihrer Karriere übernommen haben, der auch auf ihr Privat-Leben großen Einfluss nehmen soll.

Dämonische Besessenheit, Poltergeister, gruselige Puppen und Exorzimus: Hört sich eigentlich nach Horror-Dutzendware an. Weit gefehlt, da sich mit James Wan ein Regisseur gefunden hat, der mit „Saw“ und „Insidious“ zwei der besten Horrorfilme der vergangenen zehn Jahre gedreht hat. Mit dieser Verfilmung einer auf Tatsachen basierenden Geschichte gelingt ihm aber erst sein Meisterstück. Er arbeitet mit sicherlich bekannten Versatzstücken aus „Amityville Horror“ (bei dem es auch um die tatsächlich realen Ed und Lorraine Warren ging), „Der Exorzist“, „Poltergeist“ usw. setzt diese aber eigenständig und mit handwerklicher Perfektion so gut zusammen, dass „Conjuring“ einer der spannendsten und besten Gruselfilme in langer Zeit geworden ist. Die wunderbar fiesen und effektiven Kamerafahrten von John R. Leonetti, der auch schon bei „Insidious“ einen vorzüglichen Job gemacht hatte, der atemberaubende Tonschnitt und der spielerische Umgang Wans mit den menschlichen Urängsten machen den Film zu einem Erlebnis, bei dem sich selbst hart gesottene Zuschauer panisch am Sitz festkrallen werden.

Die 70er-Jahre, schlaflose Nächte und Hitchcock

Da ist bei den Perrons noch alles im Reinen (Quelle: Warner Bros.)

Da ist bei den Perrons noch alles im Reinen (Quelle: Warner Bros.)

Optisch ist der Film in einem authentischen 70er-Jahre Look gehalten, der viel für die Glaubwürdigkeit tut. Ein großartiger Schachzug, der die Vorlage für die massenhaft auftretenden Gänsehautszenen bietet, ist ein Spannungsaufbau, der wohl nur vom Master des Suspense Alfred Hitchcock so beherrscht wurde. Nachdem in einigen Szenen Erwartungen geschürt und dann unterlaufen werden, schlägt James Wan genau dann zu, wenn sich die Zuschauer sicher fühlen. Wenn der Film richtig in Fahrt gekommen ist, werden sich wohl die meisten dabei erwischen, wie sie sich auf die rar gesäten Tagesszenen freuen, um im atemlosen Treiben etwas zu Luft zu kommen. Hier sitzt jeder Schockeffekt und geht mit unglaublicher Präzision unter die Haut. Dabei verzichtet der Regisseur fast komplett auf den Einsatz von Blut, was durchaus angenehm ist.

Das gelungene Drehbuch von den Zwillingsbrüdern Chad und Carey Hayes („House of Wax“) und der mittlerweile gute Name von James Wan haben dabei geholfen, eine ganze Reihe erstklassiger Schauspieler in „Conjuring – Die Heimsuchung“ unterzubringen. Hier wird von den vier Hauptdarstellern auch derartig viel verlangt, dass eine ganze Armada an Model-Laien-Darstellern daran verzweifelt wäre. „Band of Brothers“-Star Ron Livingston spielt als starker, aber nach und nach mehr zusammenbrechender Vater ebenso grandios auf Lili Taylor, die als liebenswerte, etwas labile Carolyn vor allem gegen Ende auftrumpft. Patrick Wilson harmoniert in seinem zweiten James Wan-Film hervorragend mit seiner Film-Ehefrau Vera Farmiga. Alle vier Figuren sind vielschichtig, sehr interessant und menschlich, wobei sich speziell Vera Farmiga als mental begabte Lorraine auf einem Niveau bewegt, was in die Spitzenklasse Hollywoods einzuordnen ist. Auch die Kinder-Darsteller rufen ausnahmslos überdurchschnittliche Leistungen ab.

Lorraine und Ed untersuchen den Keller der Perrons (Quelle: Warner Bros.)

Lorraine und Ed untersuchen den Keller der Perrons (Quelle: Warner Bros.)

Leider sind die großen Preisverleihungen immer noch sehr konservativ, da ansonsten eine Nominierung dieses handwerklich unglaublich gut gemachten Horrorfilmes in den Kategorien Tonschnitt und Kamera durchaus angebracht wäre. Mit „Conjuring – Die Heimsuchung“ hat sich Warner Bros. selbst ein Genre-Meisterwerk beschert, welches bei einem 13 Millionen Budget und 42 Millionen Einnahmen am US-Startwochenende auch finanziell äußerst lohnend werden dürfte. Warner Bros. war sich dieses Werkes so sicher, dass schon vor der Veröffentlichung eine Fortsetzung angekündigt worden ist. Im Angesicht dieses grandiosen Gruselfeuerwerks, das an Intensität kaum zu überbieten ist, darf man zu dieser Entscheidung nur gratulieren.

4,5 von 5 Punkten


Quelle: Warner Bros, YouTube

Conjuring - Die Heimsuchung

Originaltitel:The Conjuring
Regie:James Wan
Darsteller:Vera Farmiga, Patrick Wilson, Lili Taylor
Genre:Horror
Produktionsland/-jahr:USA, 2013
Verleih:Warner Bros.
Länge:112 Minuten
FSK:ab 16 Jahren
Kinostart:01.08.2013
Homepage:Der Internetauftritt-Auftritt von "Conjuring"

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 28.07.2013
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