Review: John Hughes 5-Movie Collection (Blu-ray)

Pretty in Pink

Das Blu-ray-Cover der "John Hughes - 5-Movie-Collection" (© Paramount Pictures)

Das Blu-ray-Cover der “John Hughes – 5-Movie-Collection” (© Paramount Pictures)

Inhalt: Wenn sich Andie (Molly Ringwald, „Jem and the Holograms“) nicht um ihren liebenswerten, aber nutzlosen Vater (Harry Dean Stanton, „The Straight Story – Eine wahre Geschichte“) kümmert oder ihren Außenseiterstatus an der High School pflegt, hängt sie im Plattenladen von Iona (Annie Potts, „Ghostbusters“) ab oder zieht mit ihrem besten Freund Duckie (Jon Cryer, „Two And A Half Men“) – der selbst hoffnungslos in sie verliebt ist – um die Häuser. Dann kommt eines Tages der gut aussehende und aus reichem Elternhaus stammende Blane (Andrew McCarthy) an ihre Schule. Andie kann ihr Glück kaum fassen, als er tatsächlich Interesse an ihr zeigt. Das zieht aber natürlich auch ihre Freundschaft zu Duckie in arge Mitleidenschaft. Darüber hinaus hat Blane Clique um den arroganten Steff (James Spader, „The Homesman“) so gar kein Interesse, die alternativ gepolte Andie zu akzeptieren. Kurz vor dem Abschlussball entbrennt ein riesiger Streit zwischen dem jungen Liebespaar.

Kritik: Es gab eine Zeit in den 80ern, da galten Molly Ringwald und Andrew McCarthy als das große Leinwand-Traumpaar. Die Schuld dafür ist sicherlich bei dem von John Hughes geschriebenen und von seinem Weggefährten Howard Deutch inszenierten „Pretty in Pink“ zu suchen, der 1986 das Licht der Welt erblickte. Auch 35 Jahre später ist der Film noch eine gut funktionierende – inzwischen x-fach kopierte und auch parodierte – Teenie-Romanze, die mit sympathischen Charakteren und guten Erzählfluss schlicht zeitlos wirkt. Dennoch zeigt sich auch hier, dass Kultfilm und Klassiker nicht die gleiche Sache sind. In seinem Kern ist „Pretty in Pink“ eine sicherlich charmant erzählte, aber zutiefst unspektakuläre „Aschenputtel“-Variation, die mit ihren archetypischen Figuren gerade gelungen genug sind, um gerne 97 Minuten mit ihnen verbringen zu wollen.

Duckie würde gerne Andies Herz erobern (© Paramount Pictures)

Duckie würde gerne Andies Herz erobern (© Paramount Pictures)

Eigentlich gibt es genau zwei große Trumpfkarten: Da wäre natürlich der tolle 80er-Soundtrack zu nennen, bei dem sich ein Hit an den nächsten reiht. Hinzu kommt ein bunter Cast, bei dem Ringwald und McCarthy u.a. von Jon Cryer, Annie Potts, Harry Dean Stanton, James Spader und Gina Gershon („Bound – Gefesselt“) ergänzt werden. Am Ende ist „Pretty in Pink“ eine sauber erzählte Liebesgeschichte, die als gelungenes, leicht nostalgisches Feelgood-Kino punktet, aber zu brav und vorhersehbar bleibt, um in höhere Sphären vorzustoßen.

3,5 von 5 Punkten

 

Ferris macht blau

Inhalt: Das Leben ist zu kurz, um es immer in miefigen Klassenräumen zu verbringen! Diese weise Entscheidung trifft High-School-Schüler Ferris Bueller (Matthew Broderick, „Biloxi Blues“), als er sich mit einer schauspielerischen Glanzleistung vor den Eltern krank stellt. Kurzerhand werden der beste Kumpel Cameron (Alan Ruck, „Freaky“) und Freundin Sloane (Mia Sara) involviert, der Ferrari von Camerons Vater gekapert und auf geht die Tour in die Innenstadt von Chicago. Währenddessen setzt der misstrauische Schuldirektor Ed Rooney (Jeffrey Jones, „Deadwood“) alles daran, Ferris als Schwänzer zu überführen.

Diese drei Freunde haben so gar keinen Bock auf Schule (© Paramount Pictures)

Diese drei Freunde haben so gar keinen Bock auf Schule (© Paramount Pictures)

Kritik: Es gibt wohl wenige Jugendfilme der 1980er, die heute noch so einen Klang haben wie „Ferris macht blau“. In kürzester Zeit hatte es die von John Hughes geschriebene und inszenierte Komödie zu Kultstatus gebracht. 35 Jahre später ist der Film immer noch netter Feelgood-Klamauk, der mit ein paar ernsteren Themen (Vergänglichkeit der Jugend, Kluft zwischen Jung und Alt) sowie großartigen Szenen (Cameo von Charlie Sheen) punktet. Insgesamt ist das Gezeigte aber derart harmlos und seicht, dass man sich schon ein wenig wundert, weshalb im Zusammenhang mit dem Gezeigten derart viele Superlativen zum Einsatz kommen.

Es ist sicherlich dem Charme von Matthew Broderick zu verdanken, dass Ferris als Hauptfigur funktioniert und nicht als reiner Egomane mit übertriebenem Sendungsbewusstsein in die Annalen eingeht. Der vielleicht beste Charakter des Films ist sicherlich der schluffig-nervöse, dabei aber hochsympathische Cameron, der von Alan Ruck verkörpert wird. Mia Sara bleibt als recht eindimensional angelegte Freundin nur der Status des hübschen Anhängsels. Jennifer Grey hat als fiese Schwester merklich Vergnügen, über den Filmbruder herzuziehen. Jeffrey Jones rundet in der Rolle des (comichaft) vom Pech verfolgten Schuldirektors, der den Klassenclown überführen will, die Hauptbesetzung sehr unterhaltsam ab. Insgesamt ist „Ferris macht blau“ immer noch nette Unterhaltung, die aber mehr Produkt ihrer Zeit als zeitloser Klassiker ist.

3,5 von 5 Punkten

 

Ist sie nicht wunderbar?

Amanda wird von ihrem Ex bedrängt (© Paramount Pictures)

Amanda wird von ihrem Ex bedrängt (© Paramount Pictures)

Inhalt: Der talentierte Künstler Keith Nelson (Eric Stoltz, „Pulp Fiction“) stammt aus ganz einfachen Verhältnissen. Sein Vater (John Ashton, „Beverly Hills Cop“) setzt alles daran, den Jungen zu einem Studium an der Wirtschaftsschule zu drängen. Einzig die burschikose, beste Freundin Watts (Mary Stuart Masterson, „Skin“) steht immer an der Seite von Keith. Auf einmal öffnet sich für den schüchternen Teenager eine unerwartete Tür: Sein Schwarm Amanda (Lea Thompson, „Thin Ice“) hat sich gerade von ihrem beliebten, aber ziemlich fiesen Freund Hardy Jenns (Craig Sheffer, „BAD ASS“) getrennt. Tatsächlich sagt die Schulschönheit bei der Frage nach einem Date mit Keith zu! Doch nicht nur die zu bemühten Vorbereitungen machen Schwierigkeiten. Hardy findet es gar nicht cool, dass jemand „sein“ Mädchen angräbt und will Rache. Dazu fällt Watts auf, dass ihre Gefühle für den besten Kumpel doch mehr als freundschaftlich sind. Die lang erträumte Verabredung steht unter keinem guten Stern.

Kritik: Ein Jahr zuvor hatten John Hughes und Howard Deutch mit „Pretty in Pink“ einen gigantischen Erfolg gefeiert. Diese Formel kramte das Duo 1987 aus der Schublade, drehte die Geschlechterrollen um (zurückhaltende, künstlerisch begabte Hauptfigur aus armem Haus jetzt männlich, beliebter Schulschwarm und nerdiger Weggefährte mit heimlichen Gefühlen für Protagonist jetzt weiblich) und fertig war „Ist sie nicht wundervoll?“. Die Umsetzung ist natürlich kompetent und die Figuren sind gut genug geschrieben und gespielt, um für einen durchaus gefälligen Film zu sorgen. Dennoch bleibt das Geschehen zu schematisch, um hier wirklich für packendes, großes Gefühlskino zu sorgen. Eric Stoltz, Mary Stuart Masterson und Lea Thompson verkörpern ordentliche Hauptfiguren, denen man gerne durch das recht vorhersehbare Geschehen folgt.

Die großen Funken flogen eher hinter der Kamera, wo sich Howard Deutch und Lea Thompson verliebten, was zu einer bis heute andauernden Beziehung führte. Ansonsten bleibt „Ist sie nicht wundervoll?“ absolut brauchbares Herzschmerz-Kino, dem aber die Alleinstellungsmerkmale und wirkliche Einfälle abgehen.

3 von 5 Punkten

 

Ein Ticket für Zwei

Neal und Dale wollen einfach nur nach Hause (© Paramount Pictures)

Neal und Dale wollen einfach nur nach Hause (© Paramount Pictures)

Inhalt: Geschäftsmann Neal Page (Steve Martin) hat der Familie versprochen, pünktlich zu Thanksgiving von Chicago nach New York zu kommen. Schon auf dem Weg zum Flughafen gibt es das erste Chaos, weshalb er statt in der ersten Klasse zwischen den Normalsterblichen reisen muss. So lernt er den redseligen Vertreter Dale Griffith (John Candy) kennen, der ihm schnell den letzten Nerv raubt. Ein Schneesturm sorgt dafür, dass der Flug in Wichita notlanden muss. Eher widerwillig lässt sich Neal auf eine Zweckgemeinschaft mit Dale ein. Nach einer Horrornacht im Hotel, während der die beiden auch noch ausgeraubt werden, startet eine Heimreise, in der sie die gefährlichen Tücken aller vorstellbaren Verkehrsmittel kennenlernen müssen. Reicht die Zeit, um zum Feiertagsessen bei der Familie zu sein?

Kritik: John Hughes war und ist hauptsächlich für seine Jugend-Komödien und -Romanzen bekannt. Einer seiner bekanntesten Filme lässt aber weit und breit keine Teenager erkennen. „Ein Ticket für Zwei“ aus dem Jahr 1987, in dem ein ungleiches Duo für den Feiertag mit der Familie zusammenwachsen muss, ist längst ein Kultfilm zu den verschiedensten Festtagen geworden. Die beiden irgendwie liebenswerten Deppen, die mit spektakulärer Konsequenz die Untiefen von Murphys Gesetz ausloten, sorgen für teils urkomische Unterhaltung. Sicherlich ist der Film irgendwo naiv und brav – das ist aber gerade zu besinnlicheren Zeiten keine schlechte Idee.

Hinzu kommt, dass der Film keine Sekunde boshaft oder gehässig wirkt und immer Verständnis und Respekt für seine schrulligen Figuren hat. Steve Martin und der viel zu jung verstorbene John Candy bilden ein immer gut harmonierendes „Odd Couple“-Protagonisten-Duo. Sicherlich muss man bei dem 34 Jahre alten und bewusst leichtgewichtigen Film irgendwo Abstriche machen. Dann ist „Ein Ticket für Zwei“ mit Sicherheit eine der Komödien, die immer noch berechtigt einen oberen Platz im Lebenslauf von Hughes einnehmen.

4 von 5 Punkten

 

She’s Having a Baby

Inhalt: Jake (Kevin Bacon, „Boston“) und Kristy Biggs (Elizabeth McGovern, „The Commuter“) sind frisch verheiratet und planen ihre Zukunft. Die nicht von Erfolg gekrönten Ambitionen von Jake, als Autor zu arbeiten, müssen für einen gut bezahlten Job zur Finanzierung des Vorstadthauses weichen. Und jetzt beginnen auch noch die Gespräche, zum wirklichen Glück ein Baby zu zeugen. Da sieht der Blick auf das verantwortungsfreie Leben von Jake bestem Kumpel, dem Vorzeigelebemann Davis (Alec Baldwin, „Mission: Impossible – Fallout“), auf einmal sehr attraktiv aus. Nur langsam setzt die Entwicklung zum Leben als Familienmensch ein.

Das Eheleben ist noch etwas gewöhnungsbedürftig (© Paramount Pictures)

Das Eheleben ist noch etwas gewöhnungsbedürftig (© Paramount Pictures)

Kritik: 1988 war das Highschool-Leben im Hughes-Universum vorbei. Es wurde Zeit für die Familienplanung. Das Endergebnis von „She’s Having a Baby“ ist ziemlich merkwürdig. Phasenweise ist der Film absolut erstklassig. Die empathisch erzählte Geschichte eines jungen Mannes, der an seiner Qualifikation für Ehe und Vaterschaft zweifelt, ist – untermalt von Tagträumen – stellenweise wirklich schönes, tragikomisches Kino. John Hughes schien aber jede Idee, die ihm durch den Kopf ging, in dem Film unterbringen zu wollen. Das stiftet Chaos und lässt das Werk im Ganzen dann schon ein wenig überladen wirken.

Der Fokus liegt dabei ganz klar auf dem gewohnt guten Kevin Bacon, der durch ein Sammelsurium von realen und surrealen Szenen führt. An seiner Seite liefert Elizabeth McGovern einen sehr sympathischen Part, der durchaus mehr Fokus verdient gehabt hätte. Eine bunte Nebenbesetzung um Alec Baldwin, Holland Taylor und Dennis Dugan arbeitet den beiden verlässlich zu. So ist „She’s Having a Baby“ einer dieser Filme, in denen sehr viel Qualität steckt, die aber nicht zu einem wirklich zufriedenstellenden Gesamtergebnis zusammenwächst.

3 von 5 Punkten

Die Box ist seit dem 14.10.2021 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

 

Bild: Allen Filmen sieht man das Alter deutlich an. Dennoch sind bei den meisten Beiträgen ordentliche Transfers gelungen. Gerade „Ferris macht blau“ und „Pretty in Pink“ sind ziemlich scharf, farblich kräftig und angemessen sauber. „Ein Ticket für Zwei“ und „Ist sie nicht wunderbar?“ liefern in allen Bereichen solide Ergebnisse, ohne irgendwo dabei herauszuragen. Wirkliche Abstriche muss man bei „She’s Having a Baby“ machen. Die Farben wirken etwas matschig, die Kontrastierung ist nicht optimal und auch ansonsten ist das Bild nicht gerade knackig scharf und detailreich.

3,5 von 5 Punkten

Ton: „Ein Ticket für Zwei“ hat eine deutsche DTS-HD MA 2.0-Abmischung. Die anderen Synchronisationen liegen in Dolby Digital 2.0 vor. Alle deutschen Versionen liefern auf erwartbar ansprechendem und sauberen Level. Die Spuren sind gut ausbalanciert, die Dialoge sind immer verständlich. Natürlich darf hier nicht zu viel erwartet werden. „Ein Ticket für Zwei“ hinterlässt hier tatsächlich den besten Eindruck. Kenner der englischen Sprache werden deutlich besser bedient. „Pretty in Pink“ und „Ferris macht blau“ sind im englischen Original mit einer DTS-HD MA 5.1-Vertonung vertreten. Die restlichen Filme liegen auf Englisch in Dolby True HD 5.1 vor. Bei allen HD-Vertonungen wurde merklich wert auf eine klare und durchaus kräftige Mischung gelegt. Bis auf Kleinigkeiten bieten die Filme hier überraschend vielseitige, wenn auch nur selten räumliche Vertonungen. Vor allem „Pretty in Pink“ verdient sich hier ein Sonderlob.

4 von 5 Punkten

Extras: Ein alter Beitrag „Kevin Bacon interviewt John Hughes“ (24 Minuten) und der Original-Kinotrailer sind bei „She’s Having a Baby“ zu finden. „Pretty in Pink“ ist mit den Featurettes „Filmmaker Focus: Pretty in Pink“ (8 Minuten) und „The Lost Dance: Das ursprüngliche Ende“ (12 Minuten) sowie dem Original-Kinotrailer vertreten. Auf der Blu-ray zu „Ist sie nicht wunderbar?“ sind noch die Featurettes „Zurück zu Wunderbar: Ein Gespräch mit Regisseur Howard Deutch“ (7 Minuten), „Die Entstehung von Ist sie nicht wunderbar“ (8 Minuten), „Mehr über die Besetzung von Ist sie nicht wunderbar“ (13 Minuten) und „John Hughes Zeitkapsel“ (11 Minuten) als Bonusmaterial vorhanden. Bei allen Extras liegen deutsche Untertitel (optional) bei.

3 von 5 Punkten

Gesamt: 3,5 von 5 Punkten


Quelle: AntiLars, YouTube

Pretty in Pink, Ferris macht blau, Ist sie nicht wunderbar, Ein Ticket für Zwei, She's having a Baby

Originaltitel:Pretty in Pink, Ferris Bueller’s Day Off, Some kind of wonderful, Planes, Trains and Automobiles, She's having a Baby
Regie:John Hughes, Howard Deutch (Pretty in Pink + Ist sie nicht wunderbar?)
Darsteller:Matthew Broderick, Molly Ringwald, Kevin Bacon, Steve Martin, Lea Thompson
Genre:Komödie, Liebesfilm
Produktionsland/-jahr:USA, 1986-1988
Verleih:Paramount Pictures
Länge:97 Minuten (Pretty in Pink)
103 Minuten (Ferris macht blau)
95 Minuten (Ist sie nicht wunderbar?)
92 Minuten (Ein Ticket für Zwei)
106 Minuten (She's having a Baby)
FSK:ab 12 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Paramount Pictures

Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 07.11.2021
Review: John Hughes 5-Movie Collection (Blu-ray)

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