Review: Molly’s Game – Alles auf eine Karte (Kino)

Das Hauptplakat von "Molly's Game" (© Square One Entertainment)

Das Hauptplakat von “Molly’s Game” (© Square One Entertainment)

Inhalt: In ihrer Jugend wurde Molly Bloom (Jessica Chastain, „Crimson Peak“) so lange von ihrem ehrgeizigen Vater (Kevin Costner, „Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“) zum exzessiven Ski-Training genötigt, bis sie es beinahe ins Olympia-Team geschafft hat. Im finalen Qualifikationslauf hatte sie dann aber einen bizarren Unfall, der ihre Karriere vorzeitig beendet hat. Auch wenn ihr Vater sie gerne im Jura-Studium sehen würde, entscheidet sich die junge Frau zunächst einmal dafür, eine Auszeit zu nehmen. Eher zufällig landet sie in der Welt des Untergrund-Pokerns. Schon bald wird sie zur Veranstalterin eines sehr exklusiven Turniers, in dem Geschäftsmänner, Schauspieler und Rockstars gegeneinander antreten.

Als sich auch ein paar Mafiosi unter die Spieler mischen, werden die Treffen unter Mollys Schirmherrschaft bald in einem anderen Licht gesehen, was in ihrer Verhaftung durch das FBI gipfelt. Obwohl sie – auch dank der Boulevardblätter – einen eher zweifelhaften Ruf genießt, gelingt es ihr, den renommierten Anwalt Harlie Jaffey (Idris Elba, „Luther“) für ihren Fall zu begeistern. Gemeinsam stellen sich die beiden gegen das organisierte Verbrechen und die verbissene Staatsanwaltschaft.

Kritik: Seit der Jahrtausendwende zählt Aaron Sorkin zu den herausragenden Autoren Hollywoods. Nach seiner jahrelang erfolgreichen und mit Preisen überhäuften Serie „The West Wing“ gelang ihm mit „The Social Network“ der große Wurf, was ihm 2011 unter anderem einen Oscar und einen Golden Globe bescherte. Zuletzt lieferte er mit „Moneyball – Die Kunst zu gewinnen“ und „Steve Jobs“ ähnlich faszinierende Arbeiten, was ihm die Position bescherte, jetzt erstmals ein eigenes Drehbuch verfilmen zu dürfen. Dabei adaptierte er die gleichnamige Autobiographie der echten Molly Bloom, deren unglaubliche Geschichte vor ein paar Jahren große Schlagzeilen machte. Natürlich hat Sorkin die Qualität, ein solches Biopic unkonventionell und lebendig zu erzählen, ohne dabei sensationslüstern zu wirken.

Harlie zweifelt zunächst, ob er Molly helfen soll (© Square One Entertainment)

Harlie zweifelt zunächst, ob er Molly helfen soll (© Square One Entertainment)

Ausgehend von Blooms Verhaftung entwickelt er zwei Story-Stränge, die sich konstant entwickeln und geschickt zusammengeführt werden. Dabei sind große und kleine Figuren gut ausgearbeitet und die Dialoge strotzen vor Biss und dem nötigen Augenzwinkern. Neben dem Skript, das ohne Zweifel zu den besten des Jahres gehört, zeigt sich Sorkin als eher solider Regisseur. So fehlt in ein paar Momenten ein wenig der inszenatorische Zug, was dann doch für ein paar kleinere Längen in den ansonsten starken 140 Minuten sorgt. Die Darsteller haben sichtlich Spaß, mit dem gegebenen Material zu arbeiten. Jessica Chastain liefert die vielleicht beste Leistung ihrer bisherigen Karriere. Mit Ausstrahlung, Integrität und einem durchaus überraschenden komischen Gespür spielt sie einen fantastischen Part, der leider keine Berücksichtigung bei den Oscars gefunden hat.

Molly muss bei der Arbeit so einige anstrengende Zeitgenossen ertragen (© Square One Entertainment)

Molly muss bei der Arbeit so einige anstrengende Zeitgenossen ertragen (© Square One Entertainment)

 

Idris Elba, der trotz großem Talents bislang selten ein gutes Gespür für Filmrollen hatte, darf hier auch einmal seine Klasse zeigen. Als idealistischer Anwalt, der sich immer wieder mit seiner Mandantin heiße Rededuelle liefert, zeigt sich Elba in Topform. Dabei bleibt gerade ein Monolog in der späten Phase des Filmes im Gedächtnis. Auch Kevin Costner darf mal wieder zeigen, dass er noch ein guter Schauspieler ist. Obwohl seine Spielzeit recht begrenzt ist, hinterlässt er einen bleibenden Eindruck.

Michael Cera („Entertainment“) spielt den sonderbaren und teilweise ziemlich fiesen Schauspieler und Poker-Freak Player X. Auch wenn sein echter Namen nie genannt wird, ist davon auszugehen, dass sein Part auf Tobey Maguire basiert. Brian d’Arcy James („Spotlight“) als erfolgloser Dauer-Zocker, Bill Camp („Midnight Special“) als Poker-Fuchs und Chris O’Dowd („Am Sonntag bist du tot“) als Trinker, der gerne sein Geld verspielt, sind nur einige der bekannten Gesichter, die hier am Spieltisch zu finden sind.

Auch wenn hier und da noch ein paar kleine Schwächen zu sehen sind, ist das erste Solo-Projekt von Aaron Sorkin absolut geglückt. Es gelingt, eine wunderbar durchgeknallte, aber merklich in der Realität verankerte Geschichte zu erzählen, die vor allem wegen einem erstklassigen Skript und herausragenden Darstellern mehr als sehenswert ist.

4 von 5 Punkten


Quelle: SquareOne Entertainment, Telepool, Leinwandreporter TV, YouTube

Molly's Game – Alles auf eine Karte

Originaltitel:Molly's Game
Regie:Aaron Sorkin
Darsteller:Jessica Chastain, Idris Elba, Kevin Costner
Genre:Drama, Biographie
Produktionsland/-jahr:USA, 2017
Verleih:SquareOne Entertainment
Länge: 140 MinutenFSK: ab 12 Jahren
Kinostart: 08.03.2018

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von SquareOne Entertainment

[amazon_link asins=’3864702518′ template=’ProductCarousel’ store=’l0f71-21′ marketplace=’DE’ link_id=’b7b3160c-09ce-11e8-bc4f-c1c1fcbaf7c5′]

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 03.03.2018
Review: Molly’s Game – Alles auf eine Karte (Kino)

Leave A Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen