Review: Entertainment (Kino)

Das Kino-Plakat von "Entertainment" (© Bildstörung)

Das Kino-Plakat von „Entertainment“ (© Bildstörung)

Inhalt: Wie dieser Komiker (Gregg Turkington, „Ant-Man“) einmal erfolgreich sein konnte, weiß er selber nicht mehr so wirklich. Jetzt zieht er zusammen mit dem jungen Clown Eddie (Tye Sheridan, „Dark Places – Gefährliche Erinnerung“) durch die Gegend und nimmt miese Gigs in heruntergekommenen Kneipen, auf Jahrmärkten oder sogar im Gefängnis an. Das Publikum lacht nicht mehr über seine Witze und wer es wagt, den Komiker zu kritisieren, wird von ihm mit einer Schimpfkanonade bombardiert. Auf seinen Touren durch die Wüste versucht der Mann verzweifelt, wieder Kontakt zu seiner entfremdeten Tochter aufzubauen. Obwohl ihm auf dem Weg nette Gestalten wie sein wohlhabender Cousin John (John C. Reilly, „Life After Beth“) oder der schräge Tommy (Michael Cera, „Youth in Revolt“) begegnen, wird sein Frust immer größer. Er kommt dem kompletten Zusammenbruch immer näher.

Kritik: Seit seinem Debüt im Jahr 2010 mit „The Builder“ ist Autor und Regisseur Rick Alverson ein Mann für die besonderen Stoffe und ein gern gesehener Gast auf renommierten Festivals wie Sundance oder dem SXSW. Auch sein vierter Film reiht sich da nahtlos ein. Was hier wohl die geringste Rolle spielt, ist das titelgebende Entertainment. In diesem satirischen Drama rund um die Abgründe des Show-Geschäfts hat sich Alverson einen alles andere als zugänglichen Protagonisten gewählt. Der namenlose Comedian wirkt schon nach erster Ansicht wie ein Trauerkloß. Wenn er dann den Mund aufmacht, wird die Situation noch schlimmer. Seine Witze sind beleidigend, seine Manierismen nervtötend und der Umgang mit anderen Menschen schlicht und ergreifend eine Katastrophe. Mit diesem unangenehmen Zeitgenossen geht der Zuschauer auf einen Trip, der so wenig Freude bereitet, dass es fast schon wieder fasziniert. Die Welt von „Entertainment“ kann man sich in etwa folgendermaßen vorstellen: Gebe die Zutaten von einem David Lynch- und einem Helge Schneider-Film in eine Flasche und mixe alles wild durcheinander. Das hört sich ebenso merkwürdig an, wie das Endprodukt tatsächlich ist.

Eine wahre Frohnatur (© Bildstörung)

Eine wahre Frohnatur (© Bildstörung)

Dabei bleiben die streckenweise bezaubernd schönen, streckenweise verstörenden Bilder besonders im Gedächtnis, die der wortkargen, ziemlich deprimierenden Geschichte einen surrealen Touch verleihen. Auch wenn es spürbar ist, wie aufrichtig die Macher mit ihrem sonderbaren Protagonisten umgehen, ist es nicht immer einfach, dem Film zu folgen. Während es der oben genannte Lynch zumeist schafft, während des ganzen Geschehens eine Art skurriler Magie aufrecht zu erhalten, hinterlässt Alverson häufig die Frage, aus welchem Grund er manche Szenen in diesem Film hat. Er spielt gern mit Metaphorik, die bewusst über das Ziel hinaus schießt. Es ist vor allem der repetitive Charakter einiger Sequenzen, der diesem ultra-eigenwilligen Gebildedann doch merklich schadet. Darstellerisch wird dieser Film von Co-Autor Gregg Turkington getragen, der einen der schrägsten Charaktere des Kino-Jahres spielt. Zwischen persönlicher Abneigung und Mitleid verfolgt der Zuschauer seine Wanderung durch die untersten Schubladen des Showbusiness. An seiner Seite gibt Senkrechtstarter Tye Sheridan den ungleich begabteren und positiveren Eddie, der aus jedem Element der – nicht wirklich hoffnungserweckenden – Auftritte etwas Positives zieht. Bekannte Gesichter wie John C. Reilly, Dean Stockwell, der erneut herrlich sonderbare Michael Cera und Amy Seimetz („The Killing“) konnten es sich nicht nehmen lassen, für mehr oder weniger große Gastrollen auf dem tragischen Weg des gescheiterten Komikers aufzutauchen.

Rick Alverson bleibt ein Mann für ein etwas anderes Kinoerlebnis. Es ist zumeist klar, worauf er mit dieser bizarren Branchenkritik hinaus will. Teilweise wird seine Herangehensweise aber zu verklausuliert und unzugänglich, um noch zu funktionieren. Dennoch ist dieser 98 Minuten lange miese Scherz so originell und dabei so schön fotografiert, dass „Entertainment“ auf die eine oder andere Weise wohl jedem Zuschauer in Erinnerung bleibt.

3 von 5 Punkten


Quelle: Bildstörung TV, YouTube

Entertainment

Originaltitel:Entertainment
Regie:Rick Alverson
Darsteller: Gregg Turkington, John C. Reilly, Tye Sheridan
Genre:Drama, Satire
Produktionsland/-jahr:USA, 2015
Verleih:Bildstörung
Länge: 103 MinutenFSK: ab 16 Jahren
Kinostart: 15.09.2016
Homepage:Entertainment

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 15.09.2016
Review: Entertainment (Kino)

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