Review: Ozark – Season 1

Das Plakat zur ersten Staffel von "Ozark" (© Netflix)

Das Plakat zur ersten Staffel von „Ozark“ (© Netflix)

Inhalt: Eigentlich wirkt die Familie Byrde aus Chicago wie das Musterbeispiel für den amerikanischen Mittelstand. Während Vater Marty (Jason Bateman, „Dirty Office Party“) als angesehener Finanzberater arbeitet, kümmert sich Mutter Wendy (Laura Linney, „The Dinner“) hingebungsvoll um die Erziehung ihrer Teenager-Kinder Charlotte (Sofia Hublitz) und Jonah (Skylar Gaertner). Doch ganz beiläufig führt Marty ein sehr gefährliches Neben-Geschäft: Er wäscht das Geld von Del (Esai Morales, „Jarhead 2 – Zurück in die Hölle“), einem brutalen Vertreter der mexikanischen Drogenmafia. Der Alltag läuft gut, bis Martys Geschäftspartner Bruce (Josh Randall) eine größere Summe veruntreut. Mit Nachdruck stellt Del klar, dass er ein solches Verhalten nicht akzeptiert. Er gibt Marty eine letzte Chance. Dieser soll in den Ozarks in Missouri neue Möglichkeiten finden, große Summen Drogengeld zu waschen. Der Neustart gestaltet sich als schwierig, was auch damit zu tun hat, dass eine Gauner-Familie um die clevere Ruth (Julia Garner, „We Are What We Are“) sowie der knallharte Farmer Snell (Peter Mullan, „Stonemouth – Stadt ohne Gewissen“) – seinerseits ein Drogenhändler im großen Stil – ein Auge auf die Neuankömmlinge geworfen haben. Hinzu kommt, dass der kompromisslose FBI-Agent Petty (Jason Butler Harner, „Non-Stop“) die Byrdes auf seinem Zettel hat. Während die Gefahr von allen Seiten lauert, probieren Marty und Wendy, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Kritik: Der Wolf im Schafspelz des amerikanischen Mittelstandes ist seit langem eine reizvolle Thematik in der Film und Serienwelt. So verfolgten zwischen 2008 und 2013 Millionen Fans auf der ganzen Welt, wie in „Breaking Bad“ aus dem Chemielehrer Walther White der Drogenbaron Heisenberg wurde. In ähnlichen Gefilden bewegt sich die neue Netflix-Produktion „Ozark“, die aus der Feder von Mark Williams und Bill Dubuque stammt, die zuletzt gemeinsam an dem eigenwilligen Action-Thriller „The Accountant“ gearbeitet hatten. Die Serie braucht nicht lange, um Tempo aufzunehmen. Es gelingt schnell, die Hauptfiguren zu etablieren, die dann in ein extrem blutiges und aufrichtig beklemmendes Szenario geraten. So ist die Vorlage für eine Geschichte geleistet, die von kontinuierlicher Spannung und einer Fülle von starken Charakteren lebt. Während einige Produktionen daran scheitern, zu viele verschiedene Ebenen zusammenzufügen, punkten die Macher hier mit einer eindrucksvollen erzählerischen Dichte, die gerade im Setting der Ozarks voll aufgeht.

Marty und Wendy benötigen einen gewaltigen Neustart (© Netflix)

Marty und Wendy benötigen einen gewaltigen Neustart (© Netflix)

Ob es jetzt harte Gangster, wortgewandte Überlebenskünstler wie Marty Byrde, simpler White Trash, überehrgeizige Ermittler, Teenager, die mit dem Verlust ihres Alltags kämpfen, oder nur die netten Nachbarn sind: Hier ist jede Figur so gut ausgearbeitet, dass sich die oft radikalen Ereignisse echt anfühlen. Ein kleiner Wermutstropfen ist die achte Episode, in der auf die Vorgeschichte der Familie Byrde geschaut wird. Natürlich gibt diese Folge den Charakteren noch ein bisschen mehr Tiefe. Dafür reißt sie den Zuschauer aber deutlich stärker aus der eigentlichen Geschichte, als es Not getan hätte. Vollkommen makellos ist hingegen die Besetzung. Jason Bateman ist nicht zuletzt durch seine langjährigen Beteiligungen an Serien wie „The Hogan Clan“ und „Arrested Development“ hauptsächlich im komödiantischen Bereich beheimatet. Auftritte in Thrillern wie dem (ziemlich unterschätzten) „The Gift“ sind bei ihm eher selten. Jetzt scheint er in Marty Byrde die Rolle seines Lebens gefunden zu haben. Clever, trickreich und ein wenig zynisch auf der einen, ein liebender Familienvater auf der anderen Seite ist Bateman das klare Herzstück der Serie.

Marty bekommt es mit Ruth und ihrem Clan zu tun (© Netflix)

Marty bekommt es mit Ruth und ihrem Clan zu tun (© Netflix)

Auch die Paarung mit Laura Linney funktioniert wunderbar. Die beiden präsentieren sich als pragmatische Zweckgemeinschaft, deren Ehe zwar schon bessere Zeiten erlebt hat, die aber aus Gründen der Verantwortung und auch der aufrichtigen Zuneigung einander aus dieser gefährlichen Lage helfen wollen. Die meisten dürften mittlerweile wissen, dass Linney mit dem richtigen Material eine großartige Schauspielerin ist. Hier zeigt sie sich konstant in Bestform. Die Jungstars Sofia Hublitz und Skylar Gaertner deuten als Nachwuchs der Familie Byrde, die beide auf ihre eigene Art mit der schwierigen Situation umgehen, ein durchaus beachtliches schauspielerisches Potenzial an. Ein heimlicher Star der Serie ist die junge Julia Garner, die hier die einheimische Tochter eines inhaftierten Kriminellen spielt, der sie zu seiner Nachfolgerin auserkoren hat. Kühl, ernsthaft und mit einer harten Schale, die aber immer mal wieder Risse bekommt, spielt Garner einen extrem spannenden Charakter, von dem die Zuschauer in den nächsten Jahren hoffentlich noch mehr sehen werden. Jason Butler Harner zeigt als etwas zu bissiger FBI-Agent einen ziemlich bedrohlichen, dabei aber immer menschlichen Part. Der regelmäßig so starke schottische Charakterdarsteller Peter Mullan überrascht hier mit einem erstaunlich authentischen Südstaaten-Akzent. Darüber hinaus liefert er die finstere, aber intelligente Darbietung, die man von ihm als Drogenboss erwarten würde.

Es ist weiterhin so, dass Netflix eine erstaunlich hohe Trefferquote bei den selbstproduzierten Serien hat. Doch selbst bei dieser starken Konkurrenz sticht „Ozark“ heraus. Die Serie als „neues Breaking Bad“ zu bezeichnen, mag passen, um das Zielpublikum etwas einzuengen, wird der Qualität aber nur bedingt gerecht. Hier ist es bei weitem nicht so, dass ein funktionierendes Konzept nur etwas alterniert wurde. Williams und Dubuque entwickeln eine ganz eigene Welt, die auch von der erstklassigen Besetzung zum Leben erweckt wird und durchgängig beste Thriller-Unterhaltung bietet.

Die erste Staffel der Serie ist ab dem 21.07.2017 im Programm von Netflix zu sehen.

4,5 von 5 Punkten


Quelle: Netflix, YouTube

Ozark - Staffel 1

Originaltitel:Ozark - Season 1
Showrunner:Bill Dubuque, Mark Williams
Darsteller:Jason Bateman, Laura Linney, Jason Butler Harner, Julia Garner
Genre:Thriller-Serie
Produktionsland/-jahr:USA, 2017
Verleih:Netflix
Länge:10 x 58 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 09.07.2017
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