Review: The Morning Show Staffel 1 (Apple TV+)

Das Artwork von "The Morning Show" (© Apple TV+)

Das Artwork von „The Morning Show“ (© Apple TV+)

Inhalt: Seit mehr als 15 Jahren helfen Alex Levy (Jennifer Aniston, „Cake“) und Mitch Kessler (Steve Carell, „Irresistible – Unwiderstehlich“) Amerika mit ihrer „Morning Show“ beim Start in den Tag. Dieser Lauf hat ein jähes Ende, als ein Bericht in der New York Times erscheint, der Mitch übergriffiges und sexuell belästigendes Verhalten gegenüber zahlreichen Kolleginnen unterstellt. Showrunner Chip Black (Mark Duplass, „Tully“) hat gar keine andere Möglichkeit, als Mitch zu entlassen. Die entgeisterte Alex und Cory Ellison (Billy Crudup, „After the Wedding“), der mit allen Wassern gewaschene Geschäftsführer des Senders, suchen nach einer Möglichkeit, die Sendung wieder in normale Fahrwasser zu bringen. Genau zu dieser Zeit rutscht die ambitionierte, aber bis dahin unbekannte Regional-Journalistin Bradley Jackson (Reese Witherspoon, „Der große Trip – Wild“) ins Zentrum der „Morning Show“. Trotz all der Selbstzweifel und fehlender Erfahrung stellt Bradley bald die richtige Frage: Wer wusste alles über das Fehlverhalten von Mitch Bescheid und hat diese gefährliche Arbeitsatmosphäre beim Frühstücksfernsehen entstehen lassen?

 

Kritik: Als im Jahr 2017 die #metoo-Bewegung startete, wurden mächtige Männer wie (der inzwischen inhaftierte) Star-Produzent Harvey Weinstein für jahrelanges Fehlverhalten gegenüber Angestellten und Untergebenen zur Verantwortung gezogen. Die 2019 erschienene Serie „The Morning Show“ von Autor Jay Carson und Showrunnerin Kerry Ehrin wagt den Blick auf einen Arbeitsplatz, an dem ein solcher Fall stattgefunden hat und untersucht die Mechanismen, die für die vielfach traumatischen Ereignisse (mit-)verantwortlich waren. Die unverkennbaren Ähnlichkeiten mit den Vorfällen beim amerikanischen Sender Fox News (die in dem sehenswerten „Bombshell – Das Ende des Schweigens“ verfilmt wurden) sind dabei nur am Rand von Bedeutung. Viel mehr funktioniert „The Morning Show“ ziemlich universell.

Die glückliche "TMS"-Familie (© Apple TV+)

Die glückliche „TMS“-Familie (© Apple TV+)

Das ist zu Beginn der Serie nur bedingt abzusehen. So scheint das hochwertig produzierte Geschehen, in dem Figuren in Nahaufnahmen leidenschaftliche (um nicht zu sagen schreiende) Vorträge über Integrität und den Kampf gegen Monstrosität halten, hauptsächlich darauf zugeschnitten, Preise zu gewinnen (bei Filmen würde man wohl Oscar-Bait sagen). Wenn man der Serie Zeit gibt, setzen aber mit der Charakterentwicklung auch dramaturgische Kniffe ein, die deutlich über Schwarz-Weiß-Denken hinausgehen. Als Musterbeispiel wäre hier eine Arbeitsplatz-Romanze zu nennen, in der die Macher einen erfrischend anderen Weg gehen. So wird „The Morning Show“ zu einem stellenweise unerträglich spannenden Drama, dass genug Biss und bittersüße Ironie mitbringt, um das Publikum zu vereinnahmen.

Es wird wohl einige Zuschauer geben, die sich bis zum Finale ein paar mal die Frage stellen, ob sie gerade auf der richtigen Seite stehen. Selbst wenn die Serie gelegentlich einen Hang zur Melodramatik hat und nicht immer den richtigen Ton trifft, ist dieser Beitrag zu einer vieldiskutierten Thematik wirklich gutes Fernsehen. Das liegt natürlich auch an einer erstklassigen Besetzung, die trotz o.g. Klischees eine ganze Reihe an starken Figuren entstehen lässt.

 

Bradley stellt Mitch zur Rede (© Apple TV+)

Bradley stellt Mitch zur Rede (© Apple TV+)

Reese Witherspoon ist als wortgewandte, charmante, etwas zu ungefilterte Bradley, die aus dem Nichts in die Mitte des Skandals rückt, der unumstrittene Kern des Geschehens. Eine gegen den Typ besetzte Jennifer Aniston, die als unterkühlter Showgeschäfts-Routinier vor den Scherben ihrer Existenz steht, und Steve Carell, dessen charismatischer Entertainer Mitch sich für einen furchtbar netten Kerl hält, liefern auf dem Kaliber, was man von ihnen erwarten darf. Der heimliche Star des Geschehens ist aber Billy Crudup, dessen gnadenlos arroganter, bissig ironischer, dabei stets positiver Cory Ellison der Serie Balance und deutlich mehr Unterhaltungswert gibt. Sein Emmy-Gewinn ist komplett nachvollziehbar. Eine ebenso prominente Nebenbesetzung um Mark Duplass, Gugu Mbatha-Raw („Die Erfindung der Wahrheit“), Bel Powley („Wildling“) und Nestor Carbonell („Bates Motel“) hilft „The Morning Show“, selbst in schwächeren Phasen gut zu funktionieren.

Auch wenn die erste Staffel von „The Morning Show“ nicht der ganz große Wurf ist, der es hätte sein können, entwickelt sich nach verhaltenem Start eine eindringliche Drama-Serie, die schon wegen ihrer spektakulären Besetzung absolut sehenswert ist.

4 von 5 Punkten

Die erste Staffel der Serie ist im Programm von Apple TV + zu sehen.


Quelle: Apple Deutschland, YouTube

The Morning Show Staffel 1

Originaltitel:The Morning Show Season 1
Showrunner:Jay Carson, Kerry Ehrin
Schauspieler:Jennifer Aniston, Reese Witherspoon, Billy Crudup
Genre:Serie, Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2019
Verleih:Apple TV+
Länge:10 x 60 Minuten
FSK:ab 12 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Apple TV +

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 04.09.2021
Review: The Morning Show Staffel 1 (Apple TV+)

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