Review: Bombshell – Das Ende des Schweigens (Kino)

Das Hauptplakat von "Bombshell" (© WIld Bunch Germany)

Das Hauptplakat von „Bombshell“ (© WIld Bunch Germany)

Inhalt: In den 1970er-Jahren hatte Roger Ailes (John Lithgow, „Dexter“) den rechtskonservativen Sender Fox News gegründet und ihn zu einem der erfolgreichsten Kanäle der USA gemacht. Im Jahr 2016 ist er immer noch Geschäftsführer und hat sich mit seiner Auswahl attraktiver Moderatorinnen, die in möglichst knappen Kleider durch die Sendung führen, einen einschlägigen Namen erarbeitet. Hinter den Kulissen sieht es aber weit schlimmer aus: Angestellte wie die Star-Moderatorinnen Gretchen Carlson (Nicole Kidman, „Destroyer“) und Megyn Kelly (Charlize Theron, „Tully“) und die ambitionierte Produzentin Kayla Pospisil (Margot Robbie, „Once Upon A Time…in Hollywood“) haben regelmäßig unter groben Belästigungen ihres Chefs zu leiden. Als sich Carlson entscheidet, rechtlich gegen Ailes vorzugehen, entsteht ein tiefer Graben zwischen den Unterstützern des Kanal-Gründers und denjenigen, die genug von seinem Machtmissbrauch haben. Nach und nach riskieren immer mehr Frauen Ruf und Karriere, um für Gerechtigkeit zu sorgen.

Kritik: Die MeToo-Ära hat in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass das Vorgehen gegen sexuellen Missbrauch aus Opfersicht längst kein Tabuthema mehr ist und zahlreiche Personen wie Harvey Weinstein und Kevin Spacey, die ihre Machtposition auf schändliche Art ausgenutzt haben, (mehr oder weniger) zur Rechenschaft gezogen wurden. Eine Vorreiterrolle fiel hier tatsächlich dem berüchtigten US-Sender Fox News zu, bei dem sich weibliche Angestellte trotz großem Risikos gegen die Handlungen von Gründer Roger Ailes und Moderations-Ikone Bill O’Reilly stellten. Charles Randolph (Oscar für „The Big Short“) hat die Geschichte nun in einem Drehbuch adaptiert, das von Jay Roach verfilmt wurde.

Herausgekommen ist ein zeitgemäßer, an einigen Stellen packender Film, der einen genaueren Blick auf einen in Deutschland kaum präsenten Vorfall wirft. Allerdings hätte den Machern hier ein wenig mehr Fokus gut zu Gesicht gestanden. „Bombshell“ verliert sich zu sehr in kleinen Einzelgeschichten, die in dem temporeichen Film manchmal schon ein wenig vom Hauptthema ablenken. Hinzu kommen Dialoge, die zwar immer funktionieren, aber selten so pointiert und scharfzüngig wie z.B. beim erwähnten „The Big Short“ wirken. Dennoch punktet der Film mit genug Einfühlungsvermögen und Glaubwürdigkeit, um seiner schweren Thematik gerecht zu werden.

Megyn Kelly und Roger AIles geraten aneinander (© WIld Bunch Germany)

Megyn Kelly und Roger AIles geraten aneinander (© WIld Bunch Germany)

Schon im Vorfeld war fiel über das spektakuläre Make-Up geschrieben worden. Dank der Masken und Prothesen von Kazu Hiro (Oscar für „Die dunkelste Stunde“) erreichen die Schauspieler (speziell Lithgow und Theron) ein Aussehen, in dem sie fast nicht zu erkennen sind – und was dennoch komplett natürlich wirkt. Auch unter dem Make-Up kann der Film auf herausragende Darsteller vertrauen. Besonders Charlize Theron, die die etwas unnahbare und sehr sachliche Megyn Kelly spielt, beweist wieder einmal, weshalb sie zu den größten Darstellerinnen ihrer Generation gehört. Auch Nicole Kidman,deren Gretchen Carlson den ersten Schritt macht, gegen den omnipräsenten Peiniger vorzugehen, zeigt einen starken Auftritt. Die vielleicht komplexeste Rolle hat Margot Robbie, deren etwas naive, sehr ehrgeizige Kayla Popisil als explizites Fallbeispiel für das Vorgehen von Ailes verwendet wird. Es ist auch ihrer tollen Leistung zu verdanken, dass einige Momente in dem Film wirklich schmerzhaft werden. Charakterdarsteller John Lithgow zeigt den Gründer von Fox News als drolligen Sympathietypen, dessen Monstrosität erst hinter den Kulissen erkennbar wird – ein Part, der unter die Haut geht.

Selbst wenn bei Inszenierung und Drehbuch sicherlich noch ein paar Kleinigkeiten zu finden sind, bei denen es Steigerungspotenzial gegeben hätte, ist „Bombshell – Das Ende des Schweigens“, ein unangenehmer und brandaktueller Film, der nicht nur wegen der Darsteller und dem sensationellen Make-Up im Gedächtnis bleibt.

4 von 5 Punkten


Quelle: Wild Bunch Germany, LeinwandreporterTV, YouTube

Bombshell - Das Ende des Schweigens

Originaltitel:Bombshell
Regie:Jay Roach
Schauspieler:Charlize Theron, Nicole Kidman, Margot Robbie, John Lithgow, Kate McKinnon
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2019
Verleih:Wild Bunch Germany (Heimkino: EuroVideo)
Länge:109 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Kinostart:13.02.2020

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Wild Bunch Germany

Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 21.01.2020
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