Review: Kevin Can F Himself Staffel 1 (Prime Video)

Das Artwork zu "Kevin can f himself" Staffel 1 (© Amazon/AMC)

Das Artwork zu “Kevin can f himself” Staffel 1 (© Amazon/AMC)

Inhalt: Allison (Annie Murphy, „Schitt’s Creek“) lebt seit zehn Jahren mit ihrem Ehemann Kevin (Eric Petersen) in einem heruntergekommenen Haus in einer sozialschwachen Gegend von Worcester. Sie ist immer klaglos dabei, wenn die Nachbarn Neill (Alex Bonifer) und Patty (Mary Hollis Inboden) sowie Schwiegervater Peter (Brian Howe, „Annabelle 2“) im Wohnzimmer sitzen und sie Snacks reichen soll oder einfach nur als Pointe für einen blöden Joke herhalten muss. Doch insgeheim träumt sie von mehr, als nur die treue Ehefrau zu spielen. In der vergangenen Dekade hat sie jeden möglichen Cent gespart und möchte das Geld nun als Anzahlung für ein schickes Haus in einer besseren Gegend verwenden. Dieser Traum löst sich in Luft auf, als sie erfährt, dass Kevin jeden ersparten Cent längst verprasst hat. Als dann auch noch ihr – inzwischen längst selbst verheirateter – Ex-Freund Sam (Raymond Lee) wieder in die Stadt kommt und ihr einen Ausblick in ein besseres Dasein ermöglicht, trifft Allison einen radikalen Plan: Kevin muss sterben!

 

Kritik: Jeder kennt die Sitcoms der 80er- und 90er-Jahre, in denen eine deutlich attraktivere Ehefrau die (als nervtötend abgekanzelte) Mutter des Kind gebliebenen Ehemannes spielen und all die Albernheiten von ihm und seinen Kumpels ertragen muss. Doch wie würde es dieser Frau gehen, wenn sich all die Verhaltensmuster aus einer Kult-Serie wie „King of Queens“ in einen Alltag mit echten Auswirkungen übertragen würden? Die nicht ganz zufällig „Kevin Can F Himself“ benannte, stellenweise äußerst düstere Comedy-Serie von Valerie Armstrong geht dieser äußerst spannenden Prämisse nach. Optisch wird hier klare Kante gezeigt: Während es im Wohnzimmer und rund um den „Titelhelden“ bunte, gut ausgeleuchtete Sets und Studio-Gelächter gibt, ist Allisons eigentlicher Alltag dunkel und trist.

Allison ist in ihrer (Sitcom-)Ehe gefangen (© 2020 AMC Film Holdings LLC. All Rights Reserved.)

Allison ist in ihrer (Sitcom-)Ehe gefangen (© 2020 AMC Film Holdings LLC. All Rights Reserved.)

Die Sitcom-Momente mit kindischem Humor und Altherrenwitzen (die böse, böse Ehefrau…), denen wirklich witzige und schlagfertige Kommentare Allisons gegenüber stehen, sind im Kontext sehr unterhaltsam. Auch Genre-Klischees wie die ständig wechselnden Lebenspläne Kevins und eine unvermeidliche (in diesem Fall entlarvend komische) Episode, in der das ach so liebenswerte Kind im Mann an zwei Orten gleichzeitig sein will, sind ein verlässlicher Bestandteil von „Kevin Can F Himself“. Es wird wohl niemanden geben, der Verzweiflung und nervliche Anspannung Allisons nicht nachvollziehen kann. Ihre bittere Odyssee auf der Suche nach einer brachialen Lösung bietet ein originelles Gegengewicht zu den Spinnereien ihres Sitcom-Ehemanns. Da ihre Rache-Geschichte ähnlich sprunghaft wie Kevins verschiedene Plots ist, wird die Serie stellenweise dann doch etwas chaotisch.

Neben der reinen Kraft der Prämisse, die im Verlauf der ersten Staffel nicht abflaut, ist Annie Murphy das eindeutige Zugpferd des Geschehens. Zwischen Witz, Charme und Dramatik entwickelt die Emmy-Preisträgerin eine stets nahbare Figur, der man komplett auf ihrem Weg folgt (und sich selbst ein bisschen schuldbewusst fragt: Habe ich wirklich all die Jahre an der Seite von solchen A****loch-Ehemännern gelacht?). Den größten Gehalt hat sicherlich ihre Beziehung mit Nachbarin Patty (Mary Hollis Inboden), die sich im Verlauf der Staffel in interessante Richtungen bewegt. Eric Petersen und seine Sidekicks Alex Bonifer sowie Brian Howe lassen ihre unterhaltsamen, auf eigene Art hassenswerten Comedy-Deppen von der Leine. „Gotham“-Pinguin Robin Lord Taylor ist in einer wiederkehrenden Rolle für dieher düsteren Momente zuständig.

„Kevin can f himself“ ist sicherlich einer der ungewöhnlichsten Serien-Neustarts des Jahres. Selbst wenn die Geschichte noch ein wenig Fokus und mehr Pointen vertragen könnte – die man dann hoffentlich in der bestätigten Fortsetzung serviert bekommt – drehen Showrunnerin Valerie Armstrong und die fantastische Hauptdarstellerin Annie Murphy ein ganzes Subgenre auf links, was locker für acht interessante, kurzweilige und sehenswerte Episoden dieses Comedy-Thriller-Drama-Mixes ausreicht.

4 von 5 Punkten

Die erste Staffel der Serie ist ab dem 27.08.2021 im Programm von Amazon Prime Video zu sehen.


Quelle: Amazon Prime, YouTube

Kevin Can F Himself Staffel 1

Originaltitel:Kevin Can F Himself Season 1
Showrunner:Valerie Armstrong
Schauspieler:Annie Murphy, Eric Petersen, Brian Howe
Genre:Serie, Comedy, Thriller, Satire
Produktionsland/-jahr:USA, 2021
Verleih:Amazon Prime Video
Länge:8 x 45 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Amazon Prime

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 02.09.2021
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