Review: Schneemann (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "Schneemann" (© Universal Pictures Germany)

Das Blu-ray-Cover von „Schneemann“ (© Universal Pictures Germany)

Inhalt: Aufgrund seiner Neigung zum Alkohol wurde der sehr begabte Polizist Harry Hole (Michael Fassbender, „Das Gesetz der Familie“) von seiner Frau (Charlotte Gainsbourgh, „Nymphomaniac“) verlassen und tritt auch beruflich auf der Stelle. Ihm wird – sehr zu seinem Missfallen – die neue Kollegin Katrine Bratt (Rebecca Ferguson, „Mission: Impossible – Rogue Nation“) als Partnerin zugeteilt. Kurz nachdem Harry eine äußerst kryptische Nachricht per Post bekommt, wird eine junge Mutter (Genevieve O’Reilly, „Rogue One – A Star Wars Story“) beim ersten Schneefall aus ihrem Haus entführt. Die einzige Spur ist ein merkwürdiger Schneemann, den der Täter als Signatur im Garten des Opfers hinterlassen hat. Als kurz darauf eine weitere Frau verschwindet und eine erste Leiche auftaucht, wird klar, dass sie es mit einem Serientäter zu tun haben.

Bei seinen Recherchen entdeckt Harry ein paar alte Fälle seines Kollegen Gert Rafto (Val Kilmer, „Palo Alto“), der in Bergen vor vielen Jahren ebenfalls das Verschwinden von einigen Frauen untersucht hatte. Obwohl sich bald erste Verdächtige wie der Industrielle Stop (J.K. Simmons, „Whiplash“) und der Schönheits-Chirug Vetlesen (David Dencik, „Top of the Lake – China Girl“) auftun, ist eine Lösung des Falls nicht in Sicht. Gelingt es, den perfiden Mörder zu stoppen, bevor noch mehr Familien für immer zerstört werden?

 

Kritik: In Norwegen sind die „Harry Hole“-Krimis von Autor Jo Nesbø seit den späten 1990er-Jahren sehr erfolgreich. Deswegen wurde mit Spannung eine große Hollywood-Adaption des Stoffes erwartet. Obwohl die Entscheidung, den siebten Roman zur Einführung des Charakters zu verwenden, etwas merkwürdig daher kommt, ließen die beteiligten Namen einen Nordic Noir-Thriller auf Top-Niveau erwarten. Der schwedische Regisseur Tomas Alfedson, der mit der exzellenten Literatur-Verfilmung „Dame, König, As, Spion“ den Sprung nach Hollywood geschafft hat, durfte mit einem Team an der Umsetzung arbeiten, bei denen der Executive Producer Martin Scorsese, Kameramann Dion Beebe (Oscar für „Die Geisha“) und Cutterin Thelma Schoonmaker (Oscars für „Wie ein wilder Stier“, „Aviator“ und „Departed“) nur die bekanntesten Namen hinter der Kamera waren.

Harry und Katrine besuchen einen Tatort (© Universal Pictures Germany)

Harry und Katrine besuchen einen Tatort (© Universal Pictures Germany)

Es wurde schnell klar, dass die Produktion unter keinem guten Stern stand. So wurden massive Veränderungen durch Nachdrehs und einen veränderten Schnitt notwendig, was unter enormem Zeitdruck vorgenommen wurde. Leider fehlte die Zeit, dringend benötigtes Material nachzudrehen, weswegen die Macher um die fehlenden Sequenzen herumarbeiten mussten. Das sorgt nicht nur dafür, dass große Teile des (unten angehängten) Trailers gar nicht mehr im finalen Film vorhanden sind. Leider ist das entstandene Produkt äußerst konfus, sprunghaft und gibt dem Zuschauer gar nicht die Möglichkeit, einen Teil der Handlungspunkte zu verstehen. Es schien dringend notwendig gewesen zu sein, möglichst viele Storylines aus dem Buch zu erwähnen. Diese sind aber derart zusammenhanglos aneinander gehängt, dass das Endergebnis nur noch bedingt als wirklicher Film gesehen werden kann.

Die benötigte Spannung und Atmosphäre, die das Material hergegeben hätte, kann so natürlich gar nicht entstehen. Szenen mit dem titelgebenden Schneemann wirken so eher amüsant, statt verstörend zu sein. Dazu tragen auch unnötige Inszenierungs-Entscheidungen bei, die logisch gar keinen Sinn machen. So entwickelt der Killer Tableaus, die er wohl nur dem Publikum zeigen möchte – da keine Person, die in der „Schneemann“-Welt lebt, diese jemals zu Gesicht bekommen wird. Die Probleme des Filmes machen aber auch vor der erstklassigen Besetzung nicht halt. Ein gut aufgelegter Michael Fassbender gehört sicherlich zum besten Personal, das Hollywood aktuell zu bieten hat. Den kraftvollen, charismatischen Fassbender als heruntergekommenen Alkoholiker zu besetzen, geht aber zu keiner Zeit auf und kann als klassische Fehlbesetzung beschrieben werden.

Was verbirgt Industrie-Magnat Stop? (© Universal Pictures Germany)

Was verbirgt Industrie-Magnat Stop? (© Universal Pictures Germany)

Auch Rebecca Ferguson hat sich zuletzt schon häufiger als Qualitätsschauspielerin bewiesen. Da ihre Figur in der Endfassung des Filmes komplett unverständlich aufgebaut ist, dürfte der Part keinen großen Platz auf ihrem Resümee einnehmen. Oscar-Preisträger J.K. Simmons darf als unfreiwillig sonderbarer, offensichtlich perverser Industrieller einen bizarren Part spielen. Val Kilmer, der wegen einer (sichtbaren) Krankheit nicht mit seiner eigenen Stimme zu hören ist, passt zumindest optisch in den Film. Chloë Sevigny („Hit & Miss“) darf in ihrer kurzen Rolle ein ziemlich lächerliches Klischee erfüllen. Charlotte Gainsbourgh, Jonas Karlsson, Toby Jones (Atomic Blonde“), Adrian Dunbar („Line of Duty“), David Dencik und James D’Arcy („Dunkirk“) sind nur ein paar der weiteren Beteiligten, die diesen Film auch nicht mehr vor dem Untergang bewahren können.

Wer „Schneemann“ positiv sehen möchte: Langeweile kommt hier nicht auf. Der spektakulär alberne und chaotische Film ist zwar als Thriller komplett untauglich. Mit hohem Tempo, einer Masse an unfreiwilligem Humor und dem Wissen, wie viele hochbegabte Menschen hier einen derart konsequent missglückten Film gedreht haben, könnte dieses Werk beim gemütlichen Heimkino-Abend unter Freunden eine durchaus spaßige Wahl sein.

Harry versucht, ein gutes Verhältnis zu seiner Ex aufzubauen (© Universal Pictures Germany)

Harry versucht, ein gutes Verhältnis zu seiner Ex aufzubauen (© Universal Pictures Germany)

Der Film ist ab dem 16.02.2018 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

1,5 von 5 Punkten

 

Bild: Der Film kommt in einem kühlen, manchmal etwas dreckigen Look, der dafür sorgt, dass Schärfe und Detaildarstellung (abgesehen von Close Ups) nicht immer ganz ideal sind. In vereinzelten Momenten zeigt der Film, dass auch hervorstechende, kräftige Farben in der ansonsten etwas tristen Welt zu finden sind. Die Einstellung von Kontrasten und Schwarzwert lässt keinen großen Grund zur Kritik zu. Passend zur Atmosphäre ist meistens ein leichtes Rauschen erkennbar gewesen. Erwähnenswerte, wirklich störende Bildprobleme gibt es aber nicht.

4 von 5 Punkten

Ton: Akustisch liefert Universal hier feine Kost. Die deutsche Tonspur ist in einer DTS-HD HR 7.1, die englische in einer DTS-HD MA 7.1-Fassung auf der Blu-ray zu finden. Obwohl der Film natürlich kein klassisches Effekt-Feuerwerk ist, sind beide Spuren auf Top-Level. Im Zentrum stehen ganz klar die Dialoge, die jederzeit gut priorisiert worden sind. Bei Massenszenen wie den Gala-Dinners gibt es eine präzise, räumliche Vertonung der Atmosphäre. Auch bei Geräuschen wie bei knackendem Eis, fallenden Schüssen, oder auch dem peitschenden Wind gibt es eine punktgenaue Vertonung. Der Score wird ebenfalls schön auf die Boxen verteilt. So wird die Tonabmischung zum deutlich besten Element des Filmes.

4,5 von 5 Punkten

Extras: Fünf kleine Featurettes (insgesamt 25 Minuten) und ein paar Trailer ergänzen die Blu-ray.

2 von 5 Punkten

Gesamt: 2,5 von 5 Punkten


Quelle: Universal Pictures, Leinwandreporter TV, YouTube

Schneemann

Originaltitel:The Snowman
Regie:Tomas Alfredson
Darsteller:Michael Fassbender, Rebecca Ferguson, Charlotte Gainsbourg
Genre:Krimi, Thriller
Produktionsland/-jahr:USA, 2017
Verleih:Universal Pictures
Länge:119 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Universal Pictures Germany

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 16.02.2018
Review: Schneemann (Blu-ray)

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