Review: Whiplash (Kino)

Das Kinoplakat von "Whiplash" (Quelle: Sony Pictures)

Das Kinoplakat von “Whiplash” (Quelle: Sony Pictures)

Inhalt: Seit seiner Kindheit fühlt sich Andrew (Miles Teller, „Die Bestimmung – Divergent“) hinter seinem Schlagzeug zu Hause. Inzwischen hat er es schon an die populärste Musik-Schule des Landes geschafft. Er kann sein Glück kaum fassen, als er von dem berühmt-berüchtigten Lehrer Terrence Fletcher (J.K. Simmons, „Der Dieb der Worte“) für dessen Jazz-Ensemble als Drummer ausgewählt wird. Doch schon bald muss Andrew einsehen, dass er sein Leben allem anderen unterordnen muss. Der rabiate Fletcher demütigt ihn und seine Kollegen immer wieder vor versammelter Mannschaft, schreit, beleidigt und schlägt auch schon einmal zu, wenn er dadurch seine Schüler zu neuen Höchstleistungen treiben kann. Da Andrew den Traum hat, der beste Drummer der Welt zu werden, lässt er sich auf die psychisch und physisch mehr als anspruchsvolle Ausbildung ein. Wie viel kann der junge Mann ertragen, um seinen Traum zu verwirklichen?

Regie/Drehbuch: Der junge Filmemacher Damien Chazelle (Jahrgang 1985) hatte 2013 einen Kurzfilm „Whiplash“ (u.a. auch mit J.K. Simmons) gedreht, der so nachhaltig beeindruckte, dass der Autorenfilmer die Mittel für die Langfassung seines Projektes stemmen konnte. Wer sich jetzt erst einmal darüber wundert, was an einem Jazz-Musiker mit einem anstrengenden Lehrer so sehenswert sein soll, ist damit zwar nicht alleine, liegt aber deutlich falsch. Chazelle inszeniert eine intensive, originelle, hoch spannende und teils verstörende Geschichte, die den Zuschauer von der ersten Minute in den Bann zieht und bis zum grandiosen Finale nicht mehr loslässt. Dabei macht er zum Glück gar nicht erst den Fehler, die Frage, wie weit man für das Erreichen seiner Ziele gehen darf, beantworten zu wollen, oder eine klare Seite im Duell der beiden Hauptfiguren einzunehmen. Auch bekommt der Film die nötige Authentizität, die aus „Whiplash“ den verdienten 2014er Sundance-Gewinner gemacht hat.

Andrew will nichts mehr als ein Weltklasse-Drummer zu werden (Quelle: Sony Pictures)

Andrew will nichts mehr als ein Weltklasse-Drummer zu werden (Quelle: Sony Pictures)

Look: Viele düstere Räume, Close-Ups von Gesichtern und arbeitenden Händen, nur selten Bilder mit Tageslicht: Optisch gibt einem „Whiplash“ das einengende Gefühl, das diese Story noch einmal wirklich untermalt. Die hervorragende Kameraarbeit von Sharone Meir („Last House on the Left“) reiht sich nahtlos in viele individuelle Spitzenleistungen ein.

Teller und Simmons liefern sich ein brillantes Psychoduell

Schauspieler: Die beiden Hauptdarsteller des Filmes gehören zwar (noch) nicht in die erste Reihe Hollywoods, liefern aber mehr als exzellente Performances. Miles Teller hat sich schon mit „The Spectacular Now“ etwas in den Fokus gespielt, liefert aber hier die beste Leistung seiner bisherigen Karriere. Er ist tatsächlich Drummer und hat einen guten Teil seiner anspruchsvollen Stücke selbst eingespielt. Daneben kreiert er einen unsympathisch-verbissenen, aber menschlich glaubwürdigen Charakter, dem man als Zuschauer trotz Andrews wenig liebenswürdiger Art gerne zusieht. Er harmoniert perfekt mit J.K. Simmons, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Oscar für seinen Auftritt als cholerischer Musiklehrer gewinnen wird. Seine aggressiv-wortgewandte Rolle erinnert an den legendären Sgt. Hartmann (R. Lee Ermey) aus „Full Metal Jacket“. Dabei schafft es Simmons, angsteinflößend und amüsant zugleich zu sein, ohne seine Figur dabei auch nur ansatzweise zu einer Parodie verkommen zu lassen.

Spannung/Unterhaltungswert: Es sei noch einmal zu erwähnen, dass dieser Film über einen jungen Jazzmusiker zu den interessantesten und spannendsten Werken der letzten Zeit zählt. Wie es Chazelle schafft, mit geschliffenen Dialogen, guten Bildern und klasse Schauspielern so fesselnde Unterhaltung zu schaffen, ist beeindruckend.

Fletcher greift gern zu einem etwas raueren Umgangston mit seinen Schülern (Quelle: Sony Pictures)

Fletcher greift gern zu einem etwas raueren Umgangston mit seinen Schülern (Quelle: Sony Pictures)

Drama: Ein junger Mann, der es um jeden Preis nach oben schaffen will und ein älterer Mann, der um jeden Preis ein großes Talent fördern will, könnten ein gutes Team sind. Da weder Andrew, noch Fletcher eine moralische Grenze ziehen wollen, entsteht diese Geschichte aus Misshandlung, bleibenden Schäden und absoluter Selbstaufgabe, die den Zuschauer emotional fordert.

Humor: Terrence Fletcher hat (wenn er nicht gerade Stühle schmeißt) einen zynisch-derben Witz, mit dem er sein Opfer demütigt, die Zuschauer aber definitiv zum Lachen bringt. Diese Sprüche landen in einer Regelmäßigkeit, dass „Whiplash“ bei aller Ernsthaftigkeit auch als Komödie funktioniert.

Liebe/Romantik: Andrew lernt die hübsche Nicole (Melissa Benoist, „Glee“) kennen und schätzen, die aber schnell hinter seinen Übungsstunden anstehen muss.

Fazit: Es gibt selten Filme, an die man mit geringer Erwartung herangeht und die einen trotzdem komplett aus den Socken hauen: „Whiplash“ gehört mit absoluter Sicherheit in diese Kategorie. Damien Chazelle schafft es, in einer Musikschule die nahezu optimale Mischung aus Psychothriller, Drama und Komödie zu finden. Bestimmt wird der ein oder andere Zuschauer nach diesem Independent-Meisterwerks Jazz mit anderen Ohren hören.

5 von 5 Punkten


Quelle: Sony Pictures, Leinwandreporter TV, YouTube

Whiplash

Originaltitel:Whiplash
Regie:Damien Chazelle
Darsteller:Miles Teller, J.K. Simmons, Melissa Benoist
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:USA, 2014
Kinostart:19.02.2015
Verleih:Sony Pictures
Länge:106 Minuten
FSK:ab 12 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 19.02.2015
Review: Whiplash (Kino)

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