Review: Dunkirk (Kino)

Das Plakat von "Dunkirk" (© Warner Bros Pictures)

Das Plakat von “Dunkirk” (© Warner Bros Pictures)

Inhalt: Im Mai 1940 ist der zweite Weltkrieg im vollen Gang. In der französischen Küstenstadt Dünkirchen sind 400.000 britische Soldaten stationiert, die von der übermächtigen deutschen Wehrmacht eingekesselt worden sind. Mit gezielten Bombenattacken und der Zerstörung von Fluchtboden zermürben die Deutschen die Briten. Die jungen Soldaten Tommy (Fionn Whitehead), Alex (Harry Styles) und Gibson (Aneurin Barnard, „Holodomor – Bittere Ernte“) gehören zu den Gefangenen, die so verzweifelt aus Dünkirchen fliehen wollen. Währenddessen versuchen britische Piloten wie Farrier (Tom Hardy, „Taboo“) ihre Leute aus der Luft mit Feuerkraft zu unterstützen. Darüber hinaus probieren auch Zivilisten wie Mr. Dawson (Mark Rylance, „Bridge of Spies – Der Unterhändler“), mit ihren kleinen Boten so viele Soldaten wie möglich aufzunehmen und zurück nach England zu bringen. Für alle Beteiligten beginnt ein gnadenloser Überlebenskampf.

Kritik: Als im Jahr 2000 der damals 30 Jahre alte Christopher Nolan den rückwärts erzählten Psychothriller „Memento“ veröffentlichte, der schnell zum Kritikerliebling avancierte und längst ein Kultfilm ist, legte er damit den Grundstein für eine große Karriere. Seien es Filme wie „Prestige“, „Inception“, seine Neu-Interpretation von „Batman“ oder zuletzt „Interstellar“: Nolan versteht es wie aktuell kaum jemand, große Bilder mit einer anspruchsvollen, aber immer unterhaltsamen Geschichte und einer originellen Struktur zu verbinden. Bei den teils bahnbrechenden Kinoerlebnissen, die Nolan seinen Zuschauern geboten hat, gehört es zu den großen Rätseln Hollywoods, weshalb er bislang in schöner Regelmäßigkeit bei den Oscars übergangen wurde. Einen guter Ansatz, hier etwas zu ändern, bietet es meistens, einen Film über eine wahre Geschichte zu drehen. Dementsprechend dreht sich „Dunkirk“ um die erschütternde Schlacht von Dünkirchen, bei der zwischen dem 26. Mai und 5. Juni 1940 allein über 68.000 Briten ihr Leben verloren haben.

Die jungen Soldaten warten auf Hilfe (© Warner Bros Pictures)

Die jungen Soldaten warten auf Hilfe (© Warner Bros Pictures)

Wer sich aber jetzt fürchtet, zahmes Oscar-Bait-Kino geboten zu bekommen, wird schon in der ersten Szene beruhigt. Ohne Umschweife taucht „Dunkirk“ in die Welt der umstellten Stadt ein und schafft es, den Zuschauer wahrlich mitten in den Wahnsinn des Krieges zu ziehen. Getragen von den teils atemberaubenden 70mm-Aufnahmen von Hoyte Van Hoytema und dem getriebenen Score von Hans Zimmer entwickelt sich ein nervenzehrend unmittelbarer Film. Dankenswerterweise verzichtet Nolan auf jeglichen Pathos und widmet sich dem blanken Überlebenskampf, dem die jungen Soldaten ausgesetzt sind. In den 107 Minuten Spielzeit presst der Film seinen Zuschauer derart in die Sitze, dass das ganze Szenario an die Grenzen des Erträglichen geht.

Obwohl der Film dabei (im Gegensatz zu „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“) relativ blutarm ausgefallen ist, überrascht die 12er-Altersfreigabe dann doch. Natürlich gibt es auch hier wieder zahlreiche wechselnde Zeitebenen zu bewundern. So vergeht die Zeit an Land, auf dem Wasser und in der Luft unterschiedlich schnell. Das ändert aber rein gar nichts daran, dass der Film durchgängig sehr homogen wirkt.

Farrier unterstützt seine Leute aus der Luft (© Warner Bros Pictures)

Farrier unterstützt seine Leute aus der Luft (© Warner Bros Pictures)

In dem intensiven Kriegschaos bleibt natürlich nicht sonderlich viel Raum, damit die Darsteller wirklich glänzen können. Im Zentrum steht mit Fionn Whitehead ein waschechter Debütant. Als Soldat Tommy, der verzweifelt aus Dünkirchen fliehen möchte, durchlebt der Zuschauer mit ihm eine unfassbare Odyssee. An seiner Seite agieren Aneurin Barnard und Harry Styles. Gerade auf den Auftritt von „One Direction“-Sänger Styles wurde mit Spannung gewartet. Wie seine Kollegen nutzt er die gebotenen Möglichkeiten, um auch darstellerisch das Filmerlebnis noch intensiver zu gestalten. Mit Tom Hardy, Cillian Murphy („Free Fire“), Mark Rylance, James D’Arcy („The Philosophers“) und Kenneth Branagh („Cinderella“) sind noch einige wirklich prominente, die komplett überzeugende Leistungen abliefern, aber nicht im Zentrum des Geschehens stehen.

Mit „Dunkirk“ hat Christopher Nolan einen Film gedreht, der auch für die hohen Ansprüche, die mittlerweile an ihn gestellt werden, absolut herausragend ist. Optisch und musikalisch ist der Film spektakulär, er betreibt nie Romantisierung der Situation oder verklärte Heldenverehrung , er ist derart spannend, dass es kaum zu ertragen ist und bemächtigt sich dabei einer originellen, komplexen Erzählstruktur, die hier scheinbar spielend von der Hand geht. Auf diese Art entwickelt sich ein brillanter Kriegsfilm, der nicht unmittelbarer sein könnte und Nolan spätestens jetzt das Prädikat „Meister-Regisseur“ verleiht.

5 von 5 Punkten


Quelle: Warner Bros Pictures, Leinwandreporter TV, YouTube

Dunkirk

Originaltitel:Dunkirk
Regie:Christopher Nolan
Darsteller:Fionn Whitehead, Tom Glynn-Carney, Jack Lowden, Harry Styles, Tom Hardy, Mark Rylance, Kenneth Branagh
Genre:Kriegsfilm
Produktionsland/-jahr:USA, Frankreich, Großbritannien, Niederlande/ 2017
Verleih:Warner Bros Pictures
Länge: 107 MinutenFSK: ab 12 Jahren
Kinostart: 27.07.2017
Homepage: Dunkirk

Mehr Informationen gibt es auf der Seite von Warner Bros

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 24.07.2017
Review: Dunkirk (Kino)

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