Review: Holodomor – Bittere Ernte (Blu-ray)

Das Blu-ray-Cover von "Holodomor - Bittere Ernte" (© Pandastorm Pictures)

Das Blu-ray-Cover von „Holodomor – Bittere Ernte“ (© Pandastorm Pictures)

Inhalt: Im Jahr 1932 regiert Josef Stalin (Gary Oliver) die Sowjetunion mit harter Hand. Um die Staatsmacht zu stärken, soll die wohlhabende Ukraine Besitztümer abgeben. Die heimischen Bauern sind natürlich alles andere als begeistert von der geplanten Kollektivierung ihres Eigentums, weswegen sie sich gegen die anrückende Armee zur Wehr setzen. Immer gnadenloser werden sie daraufhin dazu gezwungen, große Teile ihrer Ernte als Steuern abzuführen, was in einer gewaltigen Hungersnot gipfelt. Zu dieser Zeit träumt der junge Yuri (Max Irons, „The Riot Club“) – Sohn des Bauern Yaroslav (Barry Pepper, „Monster Trucks“) und Enkel des legendären Kriegshelden Ivan (Terrence Stamp, „Die Insel der besonderen Kinder“) – ein Kunststudium in Kiew zu beginnen. Obwohl er seine große Liebe Natalka (Samantha Barks) in der Heimat zurücklassen muss, wagt er den Sprung in die Großstadt. Dort trifft er seinen besten Freund Mykola (Aneurin Barnard, „Krieg & Frieden“) wieder, der einen Aufstand anzetteln möchte. Obwohl sich Pazifist Yuri aus den brutalen Kämpfen heraushalten will, sorgt die Gewalt rund um ihn dafür, dass sich seine Wut immer mehr aufstaut. Nachdem er einige massive Verluste erlitten hat, geht auch er in den Untergrund, um gegen die Unterdrücker zu kämpfen.

Kritik: Es gilt als einer der gnadenlosesten Fällen von Staatsterror. Während des Holodomor (zu deutsch „Tod durch Hunger“) in den Jahren 1932 und 1933 kamen mindestens 7 Millionen Ukrainer ums Leben. Mittlerweile haben zahlreiche Länder diese Gräueltaten als Völkermord anerkannt. Der hauptsächlich für amerikanische Fernsehproduktionen bekannte Augsburger Filmemacher George Mandeluk hat sich dieser komplexen Thematik angenommen und sowohl Drehbuch, als auch die Regie übernommen. Zu Beginn lässt der Film Schlimmes befürchten: Eine seichte Romanze in Bonbon-farbenen Tönen verspricht nicht unbedingt die Wucht zu liefern, die diese Thematik eigentlich bereithält. Gerade ein paar Zwischenschnitte erinnern an die politisch ambitionierten Ansätze eines Uwe Boll, der dafür teils (zu) harsche Kritik geerntet hat. Es dauert aber nicht lang, bis der Umschwung zum finsteren Teil der Geschichte erfolgt. Hier wird der Film bald deutlich intensiver, schafft es aber nicht, wirklich tiefgründig zu werden.

Yuri soll all seinen Besitz abtreten (© Pandastorm Pictures)

Yuri soll all seinen Besitz abtreten (© Pandastorm Pictures)

In einzelnen Sequenzen gelingt es dem Werk, sein hohes Potenzial abzurufen. Nach den durchaus packenden Kampfsequenzen, steht sich der Film mit einigen Klischees und einer Fortführung der etwas uninspirierten Romanze immer wieder selbst im Wegg. Allgemein bleibt „Holodomor“ gefühlt ein TV-Film. Das bezieht sich auch auf die grundsoliden Schauspieler. Max Irons ist als Sohn von Charaktermime Jeremy Irons schon rein familiär vorbelastet. Er ist in der Rolle des sympathischen Künstlers, der über sich hinauswachsen muss, absolut zufriedenstellend, lässt aber die Besonderheiten vermissen, um wirklich nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben. Ähnliches gilt für die eigentlich als Musical-Darstellerin bekannte Samantha Barks, deren Natalka in ihrem Heimatdorf an die psychische und physische Grenze gehen muss. Obwohl sie nicht viel falsch macht, fehlen auch ihr die Ecken und Kanten. Mit Terrence Stamp und Tamer Hassan sind zwei weitere bekannte Namen in wichtigen Rollen zu sehen. Da beide Rollen eher flach und stereotyp bleiben, ist auch hier nichts sonderlich erinnerungswürdiges zu sehen. Barry Pepper und Richard Brake beschränken sich mehr oder weniger auf Gastrollen.

Es ist absolut löblich, eine derart komplexe, erschreckende und tatsächlich nur wenig beachtete Epoche filmisch aufzuarbeiten. Leider fehlt bei all den Ambitionen der letzte Funke, um emotional und inhaltlich in die Richtung von thematisch durchaus vergleichbaren Werken wie „Der Pianist“ zu gehen. So geht „Holodomor – Bittere Ernte“ in jedem Fall in die richtige Richtung, bleibt aber zu oberflächlich, um nachhaltig zu beeindrucken.

Wer nicht spurt, verliert sein Leben (© Pandastorm Pictures)

Wer nicht spurt, verliert sein Leben (© Pandastorm Pictures)

Der Film ist ab dem 31.03.2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

3 von 5 Punkten

 

Bild: Nachdem es zu Beginn noch hauptsächlich warme und knallige Farben in der wohlgenährten Ukraine zu sehen gibt, schlägt der Film mit der Attacke der sowjetischen Obrigkeit auch visuell einen anderen Ton an und taucht das Geschehen in kühle und triste Farben. Schärfe und Detaildarstellung sind konstant gut, ohne wirkliche Topwerte zu erreichen. Kontraste und Schwarzwert lassen nur selten Raum für Kritik. Allgemein ist das Bild ziemlich ruhig und sauber. Nur selten ist ein leichtes Rauschen zu erkennen gewesen.

4 von 5 Punkten

Ton: Die deutsche und die englische DTS-HD MA 5.1-Tonspur fokussieren sich natürlich hauptsächlich auf die Dialogwiedergabe, die komplett anstandslos erfolgt. Gerade in den Schlachtsequenzen gibt es dann aber tatsächlich einen erstaunlich vielseitigen, räumlichen Klangteppich. Ansonsten beziehen auch noch der Score und einige Hintergrundgeräusche die äußeren Boxen gut mit ein.

4 von 5 Punkten

Extras: Bis auf ein paar Trailer fehlt das Bonusmaterial.

1 von 5 Punkten

Gesamt: 3 von 5 Punkten


Quelle: Pandastorm Pictures, YouTube

Holodomor - Bittere Ernte

Originaltitel:Bitter Harvest
Regie:George Mendeluk
Darsteller:Max Irons, Samantha Barks, Barry Pepper, Terrence Stamp
Genre:Drama, Kriegsfilm
Produktionsland/-jahr:Kanada, 2016
Verleih:Pandastorm Pictures
Länge:104 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 03.04.2017
Review: Holodomor – Bittere Ernte (Blu-ray)

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