Review: Aufbruch zum Mond (Kino)

Das Hauptplakat von "Aufbruch zum Mond" (© Universal Pictures International Germany)

Das Hauptplakat von “Aufbruch zum Mond” (© Universal Pictures International Germany)

Inhalt: In den frühen 1960er-Jahren ist Neil Armstrong (Ryan Gosling, „The Place Beyond the Pines“) ein angesehener Ingenieur, der Raketen-Jets austestet. Privat müssen er und seine Frau Janet (Claire Foy, „Unsane – Ausgeliefert“) einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen, als ihre gemeinsame Tochter an einem Hirntumor stirbt. Um einen Neuanfang zu begehen, bewirbt sich Armstrong als Pilot und Ingenieur bei der NASA. Tatsächlich bekommt er die Stelle, weswegen die ganze Familie nach Houston zieht. Armstrong wird Teil der kräftezehrenden Astronautenausbildung, für die er an seine Grenzen geht. Immer wieder verlieren Freunde bei missglückten Testflügen ihr Leben, doch Neil denkt nicht daran, aufzugeben. 1969 ist alles bereit für die erste Reise zum Mond. Tatsächlich wird er gemeinsam mit den Kollegen Buzz Aldrin (Corey Stoll, „Ant-Man“) und Mike Collins (Lukas Haas, „Gangster Chronicles“) ausgewählt, um Menschheitsgeschichte zu schreiben.

Kritik: „Das ist ein kleiner Schritt für den Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit.“. Dieser Satz, den Neil Armstrong 1969 beim Betreten des Mondes ausgesprochen hat, ist inzwischen ein Teil des modernen Kulturguts. Um das Leben des Urhebers dieses Satzes zu verfilmen, wurde mit Damien Chazelle ein Verantwortlicher gefunden, der mit seinen Leistungen in „La La Land“ zum jüngsten Regie-Oscar-Preisträger aller Zeiten geworden ist. Die Erwartungen, mehr als ein gewöhnliches Biopic zu entwickeln, erfüllt Chazelle schon in der ersten Szene. Der Zuschauer wird unmittelbar in einen mehr als ruckeligen Testflug von Armstrong geworfen und erlebt fortan eine physische und emotionale Dynamik, der man sich kaum entziehen kann.

„First Man“ (so der sehr viel passendere Originaltitel) wirft einen Blick hinter die von Krisen geplagten Kulissen des Raumfahrtprogramms und der Armstrong-Familie. So wird der Fluchtimpuls, den der emotional erhärtete Armstrong seit dem Tod seiner Tochter verspürt, mehr als nachweisbar. Zwischen familiärem Zusammenhalt, oberflächlichen Flachsereien mit Kumpels und Kollegen und einem mental und körperlich harten Training, an dem der Film sein Publikum wirklich teilhaben lässt, entsteht ein erstaunlich spannendes Endergebnis. Hier zeigt sich wieder einmal, wie wichtig der – immerhin 143 Minuten lange – Weg zu einem bekannten Ziel sein kann. Wie nahtlos es gelingt, die komplex erzählte Geschichte derart gut zu strukturieren, ist bewundernswert.

Auch optisch ist „Aufbruch zum Mond“ ein Werk der Extreme. So wechseln sich in schöner Regelmäßigkeit (und irgendwo auch in Verneigung vor dem erwähnten Armstrong-Zitat) Panorama-Bilder mit sehr nahen Close Up-Aufnahmen und äußerst hektische Sequenzen mit fast schon statischen Einstellungen ab. Kameramann Linus Sandgren dürfte gute Chancen besitzen, seinen zweiten Oscar zu gewinnen.

Janet gibt Neil den dringend benötigten Halt (© Universal Pictures International Germany)

Janet gibt Neil den dringend benötigten Halt (© Universal Pictures International Germany)

Bei der Besetzung der Hauptrolle wusste Chazelle sofort, dass er hier zum zweiten Mal mit Ryan Gosling arbeiten möchte. Tatsächlich gelingt es Gosling, dem wortkargen Armstrong das emotionale und historische Gewicht zu geben, das die Figur benötigt. An seiner Seite vollbringt Claire Foy eine Glanzleistung. Als Janet Armstrong, die die traumatisierte Familie zusammenhalten und den gefährlichen Beruf ihres Mannes ertragen muss, entwickelt sie eine unglaublich vielschichtige Figur, die ihr sicherlich eine lange Preis-Saison bescheren wird. Corey Stoll bekommt als pragmatischer, wenig empathischer Buzz Aldrin erstaunlich wenig Raum im Film. Bei einem derartig ambitionierten Projekt und der jüngeren Erfolgsgeschichte des Regisseurs ist es natürlich nicht verwunderlich, dass der Film bis in die kleinsten Nebenrollen exzellent besetzt ist. So sorgen unter anderem Jason Clarke („Die Macht des Bösen – The Man With The Iron Heart“), Lukas Haas, Kyle Chandler („Manchester by the Sea“), Ciarán Hinds („Bleed For This“), Shea Whigham („Sicario 2“), Christopher Abbott („It Comes at Night“), Pablo Schreiber („Skyscraper“) und Chazelles Ehefrau Olivia Hamilton für beständig hohe darstellerische Qualität.

Selbst die Landung auf dem Mond, die den Beteiligten wohl nicht viel Freude bereiten konnte, zeigt der Film auf eine faszinierend unkonventionelle Weise. Mit seinem erst dritten Langfilm ist Damien Chazelle sein dritter Volltreffer gelungen. „Aufbruch zum Mond“ ist ein großartig bebilderter, gespielter und erzählter Film, der trotz ein paar minimaler Verfehlungen ein begeisterndes Kinoerlebnis bietet.

4,5 von 5 Punkten


Quelle: Universal Pictures, Leinwandreporter TV, YouTube

Aufbruch zum Mond

Originaltitel:First Man
Regie:Damien Chazelle
Darsteller:Ryan Gosling, Claire Foy, Jason Clarke
Genre:Drama, Biographie
Produktionsland/-jahr:USA, 2018
Verleih:Universal Pictures
Länge:143 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Kinostart:08.11.2018

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Universal Pictures

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 04.11.2018
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