Review: Altered Carbon – Das Unsterblichkeitsprogramm (Netflix)

Das Hauptplakat von "Altered Carbon" (© Netflix)

Das Hauptplakat von “Altered Carbon” (© Netflix)

Inhalt: Vor 250 Jahren gehörte Takeshi Kovacs zu einer Gruppe von hoch ausgebildeten Widerstandskämpfern. Nachdem er im Kampf getötet wurde, war es lange Zeit still um ihn. Inzwischen können aber Verstorbene in neuen Körpern weiterleben. So erwacht Kovacs (jetzt: Joel Kinnaman) in einem Labor. Kurz darauf erfährt er, dass der ebenso reiche wie gnadenlose Laurens Bancroft (James Purefoy, „Momentum“) ihn ins Leben zurückgeholt hat, um in einem Verbrechen zu ermitteln: dem Mordfall Laurens Bancroft. An der Seite der meist übellaunigen, temperamentvollen Polizistin Kristin Ortega (Martha Higareda) taucht er in die Unterwelt einer Zukunft ein, in der er sich erst einmal zurechtfinden muss. Zwischen Sex und ausufernder Gewalt stößt er auf eine Verschwörung, die sogar Spuren in die Zeit zurück wirft, in der er noch seine eigene Haut tragen durfte.

 

Kritik: Zwischen 2002 und 2005 veröffentlichte der britische Science Fiction-/Fantasy-Autor Richard K. Morgan seine drei Romane, die sich komplett um den Widerstandskämpfer und Ermittler Takeshi Kovacs drehen. „Altered Carbon“ – beziehungsweise in der deutschen Fassung „Das Unsterblichkeitsprogramm“ bildete den Auftakt in die Reihe und avancierte schnell zum preisgekrönten Überraschungs-Bestseller. Da ist es beinahe verwunderlich, dass es 16 Jahre dauerte, bis der SciFi-Noir-Thriller adaptiert wurde. Nun hat Laeta Kalogridis, die bereits für das Drehbuch beim Scorsese-Hit „Shutter Island“ verantwortlich war, den ersten Kovacs-Roman in eine zehnteilige Serie verwandelt.

 

Takeshi und Kristin werden zum Team wider Willen (© Netflix)

Takeshi und Kristin werden zum Team wider Willen (© Netflix)

Vor allem optisch ist das Endergebnis absolut sehenswert. Natürlich erinnert die meist dunkle, von Neonfarben durchflutete Welt deutlich an „Blade Runner“. Da das an sich schon keine schlechte Qualität ist und die Atmosphäre in dem gewalttätigen, gnadenlosen und ziemlich hektischen Universum wunderbar untermalt wird, ist hier stilistisch nahezu alles richtig. Es dürfte wenige erstaunen, dass die Serie sich nicht unbedingt an ein zart besaitetes Publikum richtet. Immer wieder wird das Szenario in (bewusst leicht überzeichnete) Blutfontänen getränkt und auch mental verlangt „Altered Carbon“ in ein paar verstörenden Momenten einiges von seinen Zuschauern ab. Dazu zeigt sich die Serie konstant ziemlich freizügig, was gut in den Grundton des Geschehens passt.

Es ist nicht verwunderlich, dass ein derart großes und ambitioniertes Projekt auf eine prominente und größtenteils auch überzeugende Besetzung verlassen kann. Auch wenn seine Filmkarriere noch ein wenig ausbaufähig erscheint, hat sich Joel Kinnaman seit „The Killing“ zu einer absolut festen TV-Größe entwickelt. Als erstaunlich muskulöser Takeshi Kovacs, der unter seiner harten, missmutigen Schale einen loyalen, weichen Kern trägt, ist Kinnaman auch darstellerisch das unangefochtene Zentrum der Serie. Die hauptsächlich in Mexiko bekannte Martha Higareda spielt als Detective Kristin Ortega eine Rolle, für die vor zehn Jahren wohl nur eine Michelle Rodriguez in Frage gekommen wäre. Nachdem ihr ständig nörgelnder Part lange Zeit eher die Nerven der Zuschauer strapaziert, steigert sie sich in der späteren Phase und verleiht ihrer Figur Coolness und Sexappeal.

Was erwartet Bancroft wirklich von Takeshi? (© Netflix)

Was erwartet Bancroft wirklich von Takeshi? (© Netflix)

James Purefoy kann als aalglatter und mysteriöser Super-Reicher, der Kovacs seinen eigenartigen Auftrag erteilt, eine Paraderolle spielen. Kinnamans langjährige „The Killing“-Kollegin Kristin Lehman gliedert sich als Bancrofts Ehefrau und Vorzeige-Femme Fatale gut in die Handlung ein. Ato Essandoh („Garden State“) und Chris Conner („Mädelsabend – Nüchtern zu schüchtern!“) geben die unterhaltsamen Sidekicks des Protagonisten, die aber auch gute eigene Momente spendiert bekommen. Dichen Lachman („The Last Ship“) als Schwester von Kovacs und TV-Veteran Matt Frewer („50/50 – Freunde fürs (Über)Leben“) als exzentrischer Chef einer Kampfarena sind weitere auffällige Darsteller, die in dem großen Cast zu finden sind.

Bei all den Bestandteilen, die in der Serie wirklich gut gemacht werden, gibt es aber ein großes Problem: Das Geschehen wird derart komplex aufgebaut, dass die Handlung oft unübersichtlich, chaotisch und überfrachtet wirkt. Es gibt schlicht zu viele Charaktere, die eine eigene Agenda haben und auf verschiedenen Zeitebenen agieren. So dürfte es häufiger vorkommen, dass Zuschauer den Faden verlieren und Schwierigkeiten bekommen, sich wieder im Geschehen zurecht zu finden. Immer neue technische Spielereien, das entsprechende Vokabular und die dazu gehörende Logik machen es ebenfalls nicht einfacher, die oft temporeiche Handlung wirklich zu verfolgen.

In jedem Fall wäre es hier eine gute Idee gewesen, dem Gesamtkonstrukt einen klareren Fokus zu geben. So bleibt „Altered Carbon – Das Unsterblichkeitsprogramm“ ein stylischer und atmosphärischer Science Fiction-Thriller mit guten Darstellern und cleveren Einfällen, macht es seinem Publikum aber unnötig schwer, der etwas zerfaserten Handlung zu folgen. Wenn die Macher aus den falschen Entscheidungen dieses ersten Jahres lernen, hat die Takeshi Kovacs-Serie in jedem Fall das Potenzial, ein großer Wurf in der Genre-Unterhaltung zu werden.

Die erste Staffel der Serie ist ab dem 02.02.2018 im Programm von Netflix zu sehen.

3,5 von 5 Punkten


Quelle: Netflix, YouTube

Altered Carbon: Das Unsterblichkeitsprogramm

Originaltitel:Altered Carbon
Showrunner:Laeta Kalogridis
Darsteller:Joel Kinnaman, James Purefoy, Kristin Lehman, Martha Higareda, Antonio Marziale, Chris Conner
Genre:Serie, Science Fiction, Thriller
Produktionsland/-jahr:USA, 2017
Verleih:Netflix
Länge:10 x 55 Minuten
FSK:ab 16 Jahren

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Netflix

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 02.02.2018
Review: Altered Carbon – Das Unsterblichkeitsprogramm

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