Review: The Danish Girl (Kino)

Das Kino-Plakat von "The Danish Girl" (© Universal Pictures)

Das Kino-Plakat von “The Danish Girl” (© Universal Pictures)

Inhalt: Im Kopenhagen der 20er-Jahre sind Einar (Eddie Redmayne, „My Week with Marilyn“) und Gerda Wegener (Alicia Vikander, „Son Of A Gun“) ein angesehenes Künstlerpärchen. Die beiden Maler verbringen ihre Zeit mit der Oberklasse der Stadt und müssen sich um wenig sorgen, bis eine eigentlich harmlose Aktion alles verändert. Als Gerdas Model, die Ballerina Ulla (Amber Heard, „Machete Kills“) absagen muss, bittet sie Einar, in die Frauenkleidung zu schlüpfen. Er macht seine Sache so gut, dass er von ihr den Spitznamen Lili bekommt. Kurze Zeit später überzeugt sie ihn, als „Lili“ auf einen Ball zu gehen. Dort merkt er, wie gut ihm das Leben als Frau tut. Immer häufiger schlüpft er in die Rolle, die für ihn immer mehr zu seiner eigentlichen Identität wird. Für Gerda wird es immer schwerer, die Ehe aufrecht zu erhalten. Als sie den deutschen Professor Warnekros (Sebastian Koch, „Bridge of Spies – Der Unterhändler“) kennen lernen, berichtet er von der Möglichkeit, aus Einar eine Frau zu machen. Gemeinsam müssen die Wegeners eine endgültige Entscheidung für die Zukunft treffen.

Kritik: Der britische Filmemacher Tom Hooper hatte in seiner Karriere zahlreiche TV-Produktionen, Serien und sympathische kleine Filme gedreht, als er 2010 „The King’s Speech – Die Rede des Königs“ veröffentlichte. Zwölf Oscar-Nominierungen und vier Auszeichnungen in Hauptkategorien (u.a. für die Regie Hoopers) später war der Regisseur eine feste Größe im Business. Nachdem er zwischendurch auch mit dem Musical „Les Misérables“ äußerst erfolgreich war, wendet er sich wieder einer wahren Geschichte zu. Lili Elbe war die vielleicht erste Transsexuelle, die der Öffentlichkeit bekannt wurde und gilt bis heute als Idol und Visionärin. In seinen Grundbestandteilen hat der Film einiges, was mit „The King’s Speech“ vergleichbar ist: Eine Hauptfigur, die durch eine gesellschaftlich nicht akzeptierte „Schwäche“ das Leben nicht so genießen kann, wie es sein soll, sich aber mit aufopferungsvoller Hingabe und der Unterstützung einer starken Frau gegen die Widerstände durchsetzt. Natürlich ist „The Danish Girl“ rein inhaltlich noch spektakulärer und bietet mehr Zündstoff, weswegen Hoopers neues Werk mit Spannung erwartet wurde.

Gerda lässt Einar für sie modeln (© Universal Pictures)

Gerda lässt Einar für sie modeln (© Universal Pictures)

Auch in diesem Maßstab wird der Film eigentlich allen Erwartungen gerecht. Mit großartiger Ausstattung, der wunderbaren Musik von Alexandre Desplat (Oscar für „Grand Budapest Hotel“) und der herrlichen Kamera-Arbeit von Hoopers Stamm-Kameramann Danny Cohen ist „The Danish Girl“ ein audiovisueller Genuss. Mit seinem getragenen, präzisen Storytelling entführt der Regisseur das Publikum in eine kleine Welt, die sich wohl so (aus eigener Erfahrung) kaum einer vorstellen kann. Da benötigt es schon zwei außergewöhnliche Schauspieler, dem Publikum diese bedingungslose Liebe zueinander näher zu bringen. Eddie Redmayne hat erst in diesem Jahr für seine faszinierende Darstellung des Stephen Hawking in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ den Oscar gewonnen. Nur deswegen dürfte er dieses Jahr nicht zu den Favoriten auf den Sieg zählen. Ansonsten ist seine hochemotionale Darstellung von Einar/Lili zerbrechlich, mutig und fesselnd. Wie in seiner Oscar-Rolle hat er wieder eine Frau an seiner Seite, die auf ihre Art noch mehr begeistert.

Lili wird immer mehr zu wahren Identität  von Einar (© Universal Pictures)

Lili wird immer mehr zu wahren Identität von Einar (© Universal Pictures)

Allgemein dürfte Alicia Vikander eine der großen Entdeckungen dieses Kinojahres sein. So gefiel sie nicht nur im unterhaltsamen „Codename U.N.C.L.E.“. Vor allem in dem kleinen Science Fiction-Drama „Ex_Machina“ konnte sie als künstliche Intelligenz andeuten, was für eine großartige Schauspielerin sie ist. Diese Leistung steigert sie hier noch einmal und liefert eine der besten Darstellungen des gesamten Jahres. Ihre Gerda ist intelligent, frech, clever, talentiert, stark und schafft es, unter Aufgabe der eigenen Sehnsüchte ihrem Ehemann auf diesem schweren Weg beizustehen. Mit wie viel Hingabe die schöne Schwedin jede Facette dieser Figur zum Leben erweckt, ist einer der Gründe, warum „The Danish Girl“ so berührt. Neben den herausragenden Hauptdarstellern sind so erstklassige Schauspieler wie Amber Heard, Matthias Schoenaerts („Am grünen Rand der Welt“), Ben Whishaw („SPECTRE“) und Sebastian Koch fast ein wenig in den Hintergrund, liefern aber durchweg ordentliche Leistungen.

Mit „The Danish Girl“ ist handwerklich nahezu perfektes Schauspielkino gelungen. Einfühlsam erzählt, wunderbar bebildert und von den Gala-Darbietungen von Vikander und Redmayne getragen, dürfte auch dieser Tom Hooper-Film ein sicherer Preiskandidat sein.

4,5 von 5 Punkten


Quelle: Universal Pictures, Leinwandreporter TV, YouTube

The Danish Girl

Originaltitel:The Danish Girl
Regie:Tom Hooper
Darsteller:Eddie Redmayne, Alicia Vikander, Matthias Schoenaerts, Amber Heard, Ben Whishaw, Sebastian Koch
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:USA/UK/Deutschland, 2015
Verleih:Universal Pictures
Länge:120 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Facebook-Page:The Danish Girl

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 02.01.2016
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