Review: Old (Kino)

Das Hauptplakat von "Old" (© Universal Pictures)

Das Hauptplakat von “Old” (© Universal Pictures)

Inhalt: Um sich von ihrer kriselnden Beziehung abzulenken, fahren Guy (Gael García Bernal, „Mozart in the Jungle“) und Prisca (Vicky Krieps, „Der seidene Faden“) mit ihren Kindern Trent (Nolan River) und Maddox (Alexa Swinton) auf eine paradiesisch anmutende Insel. Auf Anraten des Hotel-Managers (Gunnar Hammarsten) nehmen sie an einem exklusiven Ausflug zu einem abgelegenen Strand teil. Die erste Begeisterung über die sensationelle Natur ist aber schnell verflogen, als die Truppe die Leiche einer Frau entdeckt. Das bleibt nicht das kleinste Problem: Innerhalb weniger Momente altern die Kinder sichtbar und auch die restlichen Luxusurlauber scheinen die Auswirkungen der veränderten Zeit bald zu spüren. Eine Flucht ist unmöglich, da der Strand von einer Art unsichtbarer Wand abgesperrt ist. Können die Urlauber die rätselhaften Ereignisse entschlüsseln? Die Zeit wird ein immer knapper werdendes Gut.

 

Kritik: Mit „The Sixth Sense“ wurde M. Night Shyamalan 1999 über Nacht zum Superstar und zur neuen Regie-Hoffnung Hollywoods. Nach immer extremeren Fehlschlägen beendete „After Earth“ sein Schaffen im Blockbusterbereich. Nachdem er sich mit „The Visit“ im Low-Budget-Bereich durchaus unterhaltsam neu erfand und sich „Split“ als zwar mit einigen Problemen belasteter, aber überraschender Thriller entpuppte, lieferte er mit „Glass“ eine der langweiligsten Superhelden-Geschichten der jüngeren Vergangenheit. Mangelnden Unterhaltungswert wird man „Old“ wohl nicht vorwerfen. Der lose auf der Graphic Novel „Sandcastle“ von Pierre Oscar Levy and Frederik Peeters basierende Mystery-Thriller wurde von Shyamalan mit 18 Millionen US-Dollar Budget selbst finanziert.

Der gemeinsame Familien-Urlaub wird zum Horrortrip  (© Universal Pictures)

Der gemeinsame Familien-Urlaub wird zum Horrortrip (© Universal Pictures)

Das vorhandene Geld reicht nur gerade so aus, um die Geschichte des gewohnt ambitionierten Filmemachers zu erzählen. So verzichtet der an nur zwei Handlungsorten spielende „Old“ immer wieder darauf, nennenswerte Effekte im Bild zu zeigen – was stellenweise schon amüsante Züge annimmt. Wer darüber hinwegsehen kann, bekommt größtenteils kurzweiligen Hochglanz-Trash geboten, den die Beteiligten für weit hochwertiger erachten, als das Ergebnis hergibt. Über viele Phasen wirkt das Drehbuch wie das Ergebnis eines Brainstormings. „Old“ beinhaltet zahllose Ideen, die kurzzeitig aufgegriffen und dann wieder verworfen werden. Eine innere Logik oder nur das Ziel, zumindest selbst erarbeitete Regeln zu beachten, ist kaum existent. Hier werden Sachen gemacht, weil der Regisseur und Autor das gerade exakt so machen will. Eine äußerst skurrile und selbstbewusst gewählte Nebenrolle Shyamalans unterstreicht dieses Vorgehen zusätzlich.

In manchen Phasen überschreitet „Old“ die Grenzen des Erträglichen. Gewohnt esoterische Ergüsse und tiefenpsychologische Erkenntnisse, in denen ein speziell zu diesem Zweck existenter Charakter (Nikki Amuka-Bird) dem Zuschauer die (absurde) Handlung erklärt, fallen gewaltig auf die Nerven. Die Dialoge und Charaktere haben allenfalls ein zweckdienliches Niveau. Es ist schon beinahe schmerzhaft, wie talentierte Schauspieler hier vergeudet werden. Als Beispiel wäre hier der vielfach preisgekrönte Gael García Bernal zu nennen, dessen Versicherungs-Mathematiker Guy dadurch auffällt, dass er gerne über die Mathematik hinter verschiedenen Situationen redet. Vicky Krieps darf die unzufriedene Ehefrau mimen, Rufus Sewell („Victoria“) einen arrogant-cholerischen Arzt, Abbey Lee („Elizabeth Harvest“) die oberflächliche Social-Media-Zicke. Bei den Jungdarstellern wurden die hochbegabten Thomasin McKenzie („Jojo Rabbit“), Eliza Scanlen („Little Women“) und Alex Wolff („Hereditary – Das Vermächtnis“) besetzt. Diese dürfen ihr Talent hauptsächlich dafür einsetzen, in zweifelhafter Bademode ordentlich auszusehen.

Am Ende ist „Old“ in allen Bereichen ein ganzes Stück davon entfernt, als im klassischen Sinn guter Film funktionstüchtig zu sein. Dennoch schafft es Shyamalan irgendwie, etwas Eigenes kreieren und trotz all der inhaltlichen und speziell handwerklichen Schwächen einen Film zu liefern, der genug interessante Bausteine beinhaltet, um den Mystery-Thriller auf einem ansehbaren Level zu halten.

2,5 von 5 Punkten


Quelle: Universal Pictures, YouTube

Old

Originaltitel:Old
Regie:M. Night Shyamalan
Darsteller:Gael García Bernal, Vicky Krieps, Rufus Sewell
Genre:Thriller, Mystery
Produktionsland/-jahr:USA, 2021
Verleih:Universal Pictures
Länge:108 Minuten
FSK:ab 16 Jahren
Kinostart:29.07.2021

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von Universal Pictures

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 28.07.2021
Review: Old (Kino)

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