Review: Jojo Rabbit (Kino)

Das Hauptplakat von "Jojo Rabbit" (© 2019 Twentieth Century Fox)

Das Hauptplakat von „Jojo Rabbit“ (© 2019 Twentieth Century Fox)

Inhalt: In der Endphase des Zweiten Weltkrieges ist der kleine Johannes „Jojo“ Betzler (Roman Griffin Davis) immer noch voll von der Sache überzeugt und engagiert in der Hitler-Jugend unter Gruppenleiter Captain Klenzendorf (Sam Rockwell, „Mr. Right“). Dabei ist er tief traurig, dass ihn die anderen Kinder für einen waschechten Hasenfuß halten. Zuspruch holt er sich bei seiner liebevollen Mutter Rosie (Scarlett Johansson, „Under the Skin – Tödliche Verführung“) und seinem unsichtbaren besten Freund – dem Führer (Taika Waititi, „Thor 3 – Tag der Entscheidung“) selbst. Seine ganze Welt wird aus den Angeln gehoben, als er herausfindet, dass seine Mutter auf dem Dachboden das jüdische Mädchen Elsa (Thomasin McKenzie, „Leave No Trace“) beherbergt. Das Chaos ist komplett, als ihm aufgeht, dass der ungewollte Hausgast gar kein Ungeheuer oder eine Hexe ist. Jojo macht es sich zur Aufgabe, das Wesen der angeblich schlimmsten Feinde des Reiches zu verstehen und beginnt, Elsa auszufragen.

 

Kritik: Der Neuseeländer Taika Waititi kann bereits auf eine lange Karriere zurückblicken. Gemeinsam mit seinem Kollegen Jemaine Clement feierte er als Teil des Comedy-Duos The Humorbeasts große Erfolge, ehe er sich mehr der Regie und Schauspielerei zuwandte. 2005 gelang ihm da ein erstes Ausrufezeichen, als sein Kurzfilm „Two Cars, One Night“ für einen Oscar nominiert wurde. Mit seinem Langfilm-Debüt „Eagle vs Shark“ schaffte er es 2007 bis zum renommierten Sundance-Festival, wo er sogar für den „Grand Jury“-Preis nominiert wurde. Nach einem weiteren Achtungserfolg mit „Boy“ gelang ihm dann 2014 durch eine erneute Kooperation mit Jemaine Clement der internationale Durchbruch: Der wunderbar abstruse „5 Zimmer Küche Sarg“ wurde bei Kritikern und Publikum ein Hit und beförderte die Macher auf die nächste Karriere-Stufe. So durfte Waititi 2017 mit „Thor 3 – Tag der Entscheidung“ ein ordentliches Hollywood-Debüt feiern. Noch im gleichen Jahr wurde er als „Neuseeländer des Jahres“ ausgezeichnet.

Wem kann Jojo hier vertrauen? (© 2019 Twentieth Century Fox)

Wem kann Jojo hier vertrauen? (© 2019 Twentieth Century Fox)

Das brachte ihn jetzt in die Position, ein lange gehegtes Traumprojekt in die Tat umzusetzen. Lose basierend auf dem Roman „Caging Skies“ von Christine Leunens hatte Waititi bereits im Jahr 2012 sein Drehbuch zu „Jojo Rabbit“ verfasst, was seitdem auf der berühmt-berüchtigten „Black List“ Hollywoods verweilte. Es wird mit Sicherheit so sein, dass der durchaus kontroverse Film vielen Zuschauern sauer aufstoßen wird. Wer sich aber auf eine Faschismus-Satire, die einen Grundton zwischen Wes Anderson und Monty Python pflegt, einlassen kann, wird mit einem der ungewöhnlichsten Filmerlebnisse der letzten Zeit belohnt. Der Humor, der mit Albernheiten, Situationskomik, tiefst schwarzem Witz und entlarvenden, unangenehmen Momenten fast die komplette Bandbreite abdeckt, erlaubt sich praktisch keine Fehltritte.

Und was in diesem Fall wohl noch wichtiger ist: In „Jojo Rabbit“ bekommt die weitreichende Gag-Palette genug Kontext, um die Geschehnisse mit angemessenem Ernst und Respekt einzuordnen. An manchen Stellen hat der Humor ausgedient und bitterer Ernst, aber auch zwischenmenschliche Güte setzen ein, was das Weltbild eines 10-Jährigen, der Hitler zu seinem unsichtbaren Freund erkoren hat, nachhaltig ändert. Auf diese Art schafft es Waititi, den Faschismus und seine Anhänger der (verdienten) Lächerlichkeit preiszugeben.

Von diesen Leuten sollte man besser keine Ratschläge annehmen... (© 2019 Twentieth Century Fox)

Von diesen Leuten sollte man besser keine Ratschläge annehmen… (© 2019 Twentieth Century Fox)

Dabei sorgt auch der Spielfilm-Debütant Roman Griffin Davis, der die verblendete Titelfigur zu einem menschlich nachvollziehbaren Jungen dieser Zeit macht, für die nötige Balance im Film. An seiner Seite zeigt Scarlett Johannson als herzliche Mutter, die sehr unter der aktuellen Lage und den Ansichten ihres Sohnes leidet, eine der eindrucksvollsten Leistungen ihrer Karriere. Thomasin McKenzie zeigt als scharfzüngige Elsa, weshalb sie zu den hoffnungsvollsten Talenten Hollywoods zählt. Taika Waititi ist als bizarre Comic-Kinder-Version von Hitler erschreckend unterhaltsam. Sam Rockwell, Alfie Allen („Game of Thrones“) und Rebel Wilson („Die Hochzeit unserer dicksten Freundin“) ergänzen als wunderbar grenzdebile Anführer der örtlichen HJ-Gruppierung den Hauptcast.

Selbst wenn der Schlussakt ein wenig zu süßlich wirkt, ist Taika Waititi mit seinem Traum-Projekt ein tabuloses, unkonventionelles und sagenhaft kurzweiliges Statement gegen Hass und Intoleranz gelungen. Da es gelingt, eine Welt zu zeigen, die trotz all ihrer Albernheiten nie die nötige Ernsthaftigkeit in Frage stellt, ist „Jojo Rabbit“ ein außergewöhnliches Stück Kino, das höchste Beachtung verdient.

4,5 von 5 Punkten


Quelle: 20th Century Fox, Leinwandreporter TV, YouTube

Jojo Rabbit

Originaltitel:Jojo Rabbit
Regie:Taika Waititi
Schauspieler:Roman Griffin Davis, Thomasin McKenzie, Scarlett Johansson
Genre:Satire, Drama, Kriegsfilm
Produktionsland/-jahr:USA/UK, 2019
Verleih:20th Century Fox
Länge:108 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Kinostart:23.01.2020

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite von 20th Century Fox

Verfasst von Thomas.

 

Zuletzt geändert am 23.01.2020
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