Review: Split (Kino)

Das Kino-Plakat von "Split" (© Universal Pictures Germany)

Das Kino-Plakat von „Split“ (© Universal Pictures Germany)

Inhalt: Eigentlich ist Casey (Anya Taylor-Joy) die klassische Außenseiterin. Mehr aus Mitleid war sie auf die Party von Claire (Haley Lu Richardson) und Marcia (Jessica Sula) eingeladen. Als Claires Vater (Neal Huff, „Spotlight“) die drei jungen Frauen nach Hause fahren möchte, geschieht das Unvorstellbare: Ein fremder Mann (James McAvoy, „X-Men – Apocalypse“) schlägt den Vater nieder und entführt die Mädchen. Als Casey und die anderen wieder zu sich kommen, sind sie in einem kargen Raum eingeschlossen, wo sie von ihrem Entführer Kevin auch schon bald drangsaliert werden. Schnell stellt sich heraus, dass Kevin wie wohl kein weiterer Mensch auf der Welt ist: In seinem Kopf leben 23 verschiedene Persönlichkeiten, die im Wechsel an die Oberfläche kommen. Einige von ihnen schwärmen von einer Bestie, die die Mädchen bald kennen lernen werden. Egal, wie viel Wahrheitsgehalt in den Aussagen von Kevin stecken, wissen die Geiseln, dass sie so schnell es geht fliehen müssen, wenn sie überleben wollen.

Kritik: Ist er Genie oder Wahnsinniger? M. Night Shyamalan galt um die Jahrtausendwende als das große neue Wunderkind von Hollywood. Gerade hatte er sich mit dem sechsfach für den Oscar nominierten „The Sixth Sense“ in aller Munde gebracht, da legte er mit „Signs“ und „Unbreakable“ sehr ordentlich nach. In den folgenden Jahren sollte sich Shyamalan zu dem belächelten Namen entwickeln, für den er heute steht. Neben selbstgefälligen Vorträgen über sein verkanntes Genie, prätentiösem Geschwafel in seinen Filmen und weinerlichen Schlägen gegen seine Kritiker lieferte er mit den bizarr missglückten, aber unfreiwillig unterhaltsamen „Das Mädchen aus dem Wasser“ und „The Happening“ zwei Filme, die heute schon „So Bad, It’s Good“-Status genießen. Selbst das konnte er mit den absolut unerträglichen „Die Legende von Aang“ und „After Earth“ nicht fortsetzen. Shyamalan war zum absoluten Kassengift geworden und seine Karriere war mehr oder weniger am Ende.

Kevin ist nicht so harmlos, wie er aussieht (© Universal Pictures Germany)

Kevin ist nicht so harmlos, wie er aussieht (© Universal Pictures Germany)

Im Jahr 2015 ging er dann zurück auf Start und zeigte mit der erfreulich geradlinigen Horrorkomödie „The Visit“, dass er tatsächlich noch Filme machen kann. Zwar waren hier auch wieder einige typische Fehler des Regisseurs zu finden (einschließlich einem Vortrag übers Filmemachen durch sein Alter Ego in der Geschichte), doch der Film blieb brauchbar. Ähnliches schien auch hier zu warten: Eine wunderbar absurde Prämisse, die als Exploitation-Thriller nur ein großer Spaß werden kann. Doch Shyamalan scheint nicht gelernt zu haben und fällt immer wieder in alte Muster zurück. Wenn der Entführer in den beengten Kellerräumen die Mädchen in Angst und Schrecken versetzt und wild zwischen den Persönlichkeiten hin- und herwechselt, baut sich langsam eine wirkliche Atmosphäre auf. Doch der Regisseur und Autor scheint sich nicht mit diesem einfachen Plot zufrieden zu geben und fügt eine Parallelgeschichte rund um die Psychologin (Betty Buckley) von Kevin ein, die vom Krankheitsbild fasziniert ist und darüber forscht und Informationen in die Welt bringt.

Es ist ja durchaus anzuerkennen, dass Shyamalan das Bewusstsein für die Krankheit des Protagonisten schärfen möchte. Nur leider ist sein Vorgehen vollkommen fehlgeleitet. Wenn sich der Zuschauer gerade darauf eingerichtet hat, um Casey und ihre Mitgefangenen zu zittern und direkt danach eine Szene kommt, in der die Psychologin Dr. Fletcher per Skype (!) zu einem Auditorium in Paris spricht, ist jede Stimmung dahin. Gerade nachdem „The Visit“ das Medium Skype durchaus effektiv für soliden Horror nutzte, ernten solche Szenen nur Unverständnis. Ähnliches gilt für die Rückblenden, in denen der Zuschauer ein wenig Exposition zur Figur Casey bekommen soll. Es ist nicht nur so, dass auch diese Sequenzen wahre Stimmungskiller sind. Darüber hinaus triefen sie vor Klischees und machen die Hauptstoryline deutlich vorhersehbarer, als sie hätte sein müssen. Eine großer Twist, wie ihn viele von Shyamalan gewohnt sind, muss demnach keiner (abgesehen von einem netten Schluss-Gag) erwarten.

Die jungen Frauen haben Panik (© Universal Pictures Germany)

Die jungen Frauen haben Panik (© Universal Pictures Germany)

Im Gegensatz zu Shyamalan scheint James McAvoy verstanden zu haben, wofür dieses Material gut ist: In einer wunderbar überdrehten, abwechslungsreichen Performance ist er ebenso amüsant wie gruselig und spielt so gegen die Fehlentscheidungen des Drehbuchs an. Ihm alleine ist es zu verdanken, dass eigentlich durchgängig ein gewisser Unterhaltungswert bestehen bleibt. An seiner Seite bekommt die begabte Anya -Taylor-Joy, die sich mit einem tollen Auftritt in dem sehenswerten Arthaus-Horror „The Witch“ in den Fokus gespielt hatte, noch am ehesten etwas zu tun. Sie schafft es zumindest teilweise, dass sich die Zuschauer auf ihre Seite schlagen.

Dennoch ist hier wieder einmal ein Film von M. Night Shyamalan entstanden, bei dem weniger deutlich mehr gewesen wäre. Wenn sich „Split“ auf die Haupt-Storyline beschränkt hätte, wäre der Film wohl ein ordentlicher, durchaus runder B-Thriller um einen teuflisch spaßigen James McAvoy geworden. Da der Film aber versucht, der albernen Ausgangssituation eine intellektuelle Ebene zu geben, die fast auf ganzer Linie scheitert und dabei noch den Fluss der Geschichte stört, bleibt schlussendlich ein recht unbefriedigendes filmisches Erlebnis.

2,5 von 5 Punkten


Quelle: Universal Pictures Germany, Leinwandreporter TV, YouTube

Split

Originaltitel:Split
Regie:M. Night Shyamalan
Darsteller: James McAvoy, Anya Taylor-Joy, Haley Lu Richardson
Genre:Thriller
Produktionsland/-jahr:USA, 2015
Verleih:Universal Pictures Germany
Länge: 116 MinutenFSK: ab 16 Jahren
Kinostart: 26.01.2017
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Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 26.01.2017
Review: Split (Kino)

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