Review: The House That Jack Built (Film Festival Cologne)

Das Plakat von "The House That Jack Built" (© Concorde Filmverleih)

Das Plakat von “The House That Jack Built” (© Concorde Filmverleih)

Inhalt: Der Ingenieur Jack (Matt Dillon, „Wut im Bauch“) wirkt auf den ersten Blick nicht sonderlich furchteinflößend. Dabei ist er einer der erfolgreichsten, aktiven Serienkiller des Landes. Ein geheimnisvoller, alter Mann namens Verge (Bruno Ganz, „Der Himmel über Berlin“) beginnt mit ihm ein Gespräch, in dem Jack von den fünf Morden berichten soll, die ihm am meisten im Gedächtnis geblieben sind. Zwischen Exkursen über Architektur und Musik versucht der Serienkiller, seine „Kunst“ Verge genauer zu erläutern. So startet eine blutige Geschichte, in der Jack daran arbeitet, sein Schaffen immer mehr zu perfektionieren.

Kritik: Der Däne Lars von Trier ist ein Mann, der gerne aneckt. In seinen Filmen neigt er dazu, auf provokante Art mit seinen realen Depressionen zu spielen. Das führt dazu, dass dann auch manchmal ein verstörend düsterer „Antichrist“ von einem verträumten und wunderschön anzusehenden „Melancholia“ gefolgt wird. Zuletzt tauchte er mit dem (für die internationale Kinoauswertung geschnittenen und in zwei Filme aufgeteilten) 5 ½ Stunden-Epos „Nymphomaniac“ einschließlich unsimulierter Sexszenen in die Welt einer Nymphomanin ein. Unabhängig davon, wie viel man tatsächlich mit den eigenwilligen Werken von Triers anfangen kann, wird ihm wohl niemand seinen höchst ambitionierten und visuell außergewöhnlichen Stil absprechen. Wo es bekannt wurde, dass er einen Serienkiller-Thriller dreht, in dem der Protagonist sein Alter Ego ist, und er mit der Branche und der Kunstwelt abrechnet, dürfte wohl niemand einen konventionellen Film erwartet haben.

 

Jack verliert die Nerven (© Concorde Filmverleih)

Jack verliert die Nerven (© Concorde Filmverleih)

Tatsächlich zeigt „The House That Jack Built“ fast alles an Genie und Wahnsinn, das die Filmographie des dänischen Exzentrikers bislang geziert hat. In den 155 Minuten, die sich der Film für den Umgang mit seinem Anti-Helden nimmt, herrscht erzählerisch komplette Anarchie. So sind die Mordsequenzen grotesk, brutal und gönnen sich reihenweise Tabubrüche. Teilweise sind die zynisch-ironischen Passagen, die vor den Morden stattfinden, urkomisch. So funktioniert der Film in seinen gradlinig erzählten Phasen – zumindest für ein hartgesottenes Publikum – wirklich gut. Das alles wird eingerahmt von bewusst langweiligen Off-Gesprächen zwischen Jack und Verge, in denen über Kunst schwadroniert wird. Hier ist sich der Film selbst über den meilenweit entfernten Unterhaltungswert klar, hat aber sichtlich Spaß, den Zuschauer mit Nichtigkeiten zu quälen. Darüber hinaus nutzt von Trier diese Phasen, um wenig subtil sein Ego zu streicheln und seinem künstlerischen Genie auf die Schulter zu klopfen.

Matt Dillon ist als unauffälliger und ausgesprochen psychotischer Jack eine Offenbarung. Was er aus dem redseligen Killer an Unterhaltungswert holt, ist mehr als sehenswert. Bruno Ganz, der erst in der Spätphase auch physisch im Film vertreten ist, spielt als geheimnisvoller Gesprächspartner eine Paraderolle. Bei Jacks Opfern, die in jeder Episode abgearbeitet werden, gibt es auch ausnahmslos ordentliche Auftritte. Dabei dürften vor allem Uma Thurman („Kill Bill“), die als nervtötende Anhalterin Jack zur Weißglut bringt, und Riley Keough („Logan Lucky“), die sich als naive Prostituierte das eigene Grab schaufelt, im Gedächtnis bleiben.

Wenn dann nach – teils quälend langen – 2 ½ Stunden die Credits rollen, wird das Publikum zumindest mit der originellsten Wahl eines Abspann-Songs entlohnt. Eigentlich hätte „The House That Jack Built“ leicht ein blutig-verstörendes Kino-Highlight werden können. Leider legt Lars von Trier großen Wert darauf, sich an den eigenen Gaben zu ergötzen und den Zuschauer immer wieder mit vollkommen überflüssigen Randbemerkungen aus der Geschichte zu reißen. Obwohl die meisten Zuschauer inzwischen wissen dürften, auf was sie sich bei diesem Filmemacher einlassen, sind manche Phasen des Films derart unerträglich, dass der Gesamteindruck merklich getrübt wird.

3 von 5 Punkten

Der Film lief im Programm des Film Festival Cologne 2018und wird am 29.11.2018 vom Concorde Filmverleih in die deutschen Kinos gebracht.


Quelle: Concorde Filmverleih, Leinwandreporter TV, YouTube

The House That Jack Built

Originaltitel:The House That Jack Built
Regie:Lars von Trier
Darsteller:Matt Dillon, Bruno Ganz, Uma Thurman, Riley Keough
Genre:Horror, Thriller, Drama
Produktionsland/-jahr:Dänemark, 2018
Verleih:Concorde Film
Länge:155 Minuten
FSK:ab 18 Jahren
Kinostart:29.11.2018

Mehr Informationen findet ihr auf der Seite des Films

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 20.10.2018
Review: The House That Jack Built (Film Festival Cologne)

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