Review: Melancholia (Blu-ray)

Michael und Justine auf der Hochzeitsfeier (Bildquelle: Concorde Film)

Michael und Justine ganz nah (Bildquelle: Concorde Film)

Es sollte der Tag ihres Lebens werden. Die zurückhaltende Werbetexterin Justine (Kirsten Dunst, „All Beauty Must Die“) hat den charmanten Michael (Alexander Skarsgard, Eric aus „True Blood“) geheiratet. Die Feier findet auf einem gigantischen Schloss mit anliegendem Golfplatz statt. Alles scheint perfekt. Die junge Braut leidet aber unter schweren Depressionen und quält sich mit einem aufgesetzten Lächeln durch den Tag. Die zynische Mutter (Charlotte Rampling, Lady Spencer aus „Die Herzogin“), der schürzenjagende Vater (John Hurt, Control aus „Dame, König, As, Spion“), dumpfe Rituale, wie Torte anschneiden und Brautstrauß werfen, der Chef (Stellan Skarsgard, Professor Selveg aus „The Avengers“), der sie selbst am Hochzeitstag arbeiten lassen möchte: Es wird alles zu viel für die junge Frau. Sie flüchtet nach draußen und wundert sich, dass das Sternbild Skorpion nicht mehr am Himmel zu sehen ist.

Um bei ihren Depressionen Hilfe zu haben, bleibt sie nach der Hochzeit bei ihrer treusorgenden Schwester Claire (Charlotte Gainsbourgh, She aus „Antichrist“) und deren Mann, dem sehr wohlhabenden Astrophysiker John (Kiefer Sutherland, Jack Bauer aus „24“). Dort erfährt sie, dass es sich bei dem fehlenden Stern um den Planeten Melancholia handelt, der in Richtung der Erde abstürzt. Während Claire panische Angst davor hat, dass Melancholia die Erde treffen könnte, gewinnt Justine im Angesicht der Bedrohung neue Kräfte.

Im Garten des Hochzeitsschlosses (Bildquelle: Concorde Film)

Im Garten des Hochzeitsschlosses (Bildquelle: Concorde Film)

Es gibt wohl kaum jemanden, der in der Filmlandschaft so umstritten ist, wie der dänische Dogma-Regisseur Lars von Trier. Immer wieder fällt er durch provokante Äußerungen auf (Stichwort „Cannes“) oder sorgt mit seinen Werken, wie zuletzt mit „Antichrist“, für Kontroversen. Wie in „Antichrist“ behandelt auch „Melancholia“ die Thematik von Triers eigener Depressionserkrankung. Was jedoch schon nach wenigen Minuten auffällt: Sein neuestes Werk ist weitaus weniger düster als der radikale Vorgänger. Schon in der Einleitung zeigt der Regisseur einige Aufnahmen, die das Prädikat „schön“ verdienen. Diese Bilder greift er dann im weiteren Film als Leitmotive immer wieder auf. Dennoch ist dies kein Versuch von Lars von Trier, sich massentauglich einzugliedern. Es sind intensive Emotionen, die trotz ihrer positiven Ausstrahlung immer noch die Handschrift des Regisseurs tragen. In der darauf folgenden Geschichte merkt der Zuschauer in jeder Szene die Identifikation des Dänen mit seiner Hauptfigur, die zunächst ihren eigenen Weltuntergang erlebt, um für einen tatsächlichen Untergang gestärkt zu sein.

Wenn Lars von Trier ruft, kommen die Stars

Justine fühlt sich gefangen (Bildquelle: Concorde Film)

Justine wird von ihrer Krankheit eingesperrt (Bildquelle: Concorde Film)

Trotz eines kleinen Budgets von ca. 7,4 Millionen Dollar wollten es sich zahlreiche Stars des europäischen Kinos nicht nehmen lassen, Teil dieses Films zu sein. Hauptdarstellerin Kirsten Dunst bekam die Rolle sogar erst, nachdem die favorisierte Oscar-Gewinnerin Penelope Cruz („Vicky Christina Barcelona“) ihre Teilnahme abgesagt hatte. Ein Glück für die Qualität des Films, denn die ehemals selbst depressive Kirsten Dunst liefert die bislang beste Leistung ihrer Karriere ab. Ihre schmerzhafte Darstellung der Krankheit erreicht wohl jeden Zuschauer. Dazu gelingt es ihr, Justine Würde und Anmut zu verleihen. Da bei großen amerikanischen Filmpreisen die Arbeiten von Lars von Trier seit jeher ignoriert werden, wurde Dunst brillante Leistung weder für den Golden Globe noch für den verdienten Oscar nominiert. In Cannes wurde sie mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet. Speziell im zweiten Teil des Films kommt auch Charlotte Gainsbourgh voll zur Entfaltung. Als verängstigte, aber liebevolle Claire verkörpert sie eine vollkommen andere Rolle als in „Antichrist“. Vom Niveau kann sie dennoch an ihre Leistung anknüpfen. Die perfekte Harmonie zwischen ihr und Dunst verleiht dem Film zusätzlichen Tiefgang.

Claire und Justine im Garten (Bildquelle: Concorde Film)

Claire und Justine sind glücklich (Bildquelle: Concorde Film)

Dass auch Kiefer Sutherland ein hervorragender Schauspieler ist, braucht nicht weiter erwähnt zu werden. Als etwas selbstgefälliger Pragmatiker liefert er eine seiner besten Vorstellungen der letzten Jahre. Alexander Skarsgard, der als zynischer Vampir in der US-Serie „True Blood“ bekannt wurde, zeigt hier als sensibler, hoffnungslos überforderter Neu-Ehemann Michael, dass in ihm ein starker Charakterdarsteller steckt, den die Zuschauer wohl noch öfter im Kino erleben werden. Trotz geringer Spielzeit liefert Charlotte Rampling einen erinnerungswürdigen Auftritt als Justines Mutter. Wie sie mit wenigen Sätzen und Emotionen die Entwicklung Justines erklärt, ist einer großen Charakterdarstellerin würdig. Stellan Skarsgard, der Vater von Michael-Darsteller Alexander Skarsgard, verleiht in wenigen Szenen seiner Figur des ehrgeizigen Chefs Tiefgang. Auch John Hurt kann als gealterter Lüstling Dexter glänzen. Das dieser Film eine ungewöhnliche Lars von Trier-Produktion ist, beweist die Anwesenheit eines Fremdkörpers im von Trier-Universum: klamaukigen Humor. Er bringt die Kölner Schauspiellegende Udo Kier („Iron Sky“) als mondänen Wedding-Planner ein, der nach einigen Missgeschicken Justine nicht mehr ins Gesicht gucken will. Dank der Präsenz und Klasse von Kier entwickelt sich ein Running-Gag.

Lars von Trier lässt die Welt untergehen. „So weit, so typisch“ sind da die ersten Gedanken, die dem geneigten Filmfan kommen. Dieser Film zeigt aber schon bald für von Trier untypische, unglaublich schöne Bilder. Trotz seiner Abkehr von der Finsternis muss sich der Regisseur aber keine Sorgen machen, ein Mainstream-Film ist „Melancholia“auf keinen Fall. Da das Schauspielensemble bis in die kleinste Nebenrolle stimmig ist, Kirsten Dunst eine der spektakulärsten Darstellerleistungen des letzten Jahres zeigt und in dem Drehbuch keine einzige Lücke zu finden ist, darf der nachdenkliche „Melancholia“ als große Filmkunst bezeichnet werden.

5 von 5 Punkten

 

Bild: Der Transfer von Concorde wird den sensationellen Bildern absolut gerecht. Perfekte Schärfe, ein sehr natürliches Farbspektrum, Detailreichtum selbst bei Nachtaufnahmen. Das Bild von Melancholia ist mit das Beste, was in letzter Zeit unter den Blu-Ray-Erscheinungen zu bewundern war.

5 von 5 Punkten

Ton: Der englische und deutsche Ton können in DTS-HD MA 5.1 ebenfalls voll überzeugen. Die Dialogverständlichkeit ist zu jederzeit gegeben und der gelungene Klassik-Score spricht alle Boxen gleichmäßig an. In wenigen einzelnen Szenen ist die Mischung beim Übergang von Musik zu Dialog etwas unsauber. Ansonsten ist die Tonumsetzung fast referenzwürdig.

4,5 von 5 Punkten

Extras:Als Bonusmaterialien liegt ein hochinteressanter Audio-Kommentar von Lars von Trier sowie ein umfangreiches vierteiliges Making Of und der Trailer bei.

4 von 5 Punkten

Gesamt: 4,5 von 5 Punkten

Concorde Home Entertainment, YouTube

Melancholia

Originaltitel:Melancholia
Regie:Lars von Trier
Darsteller:Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourgh, Kiefer Sutherland, Alexander Skarsgard
Genre:Drama
Produktionsland/-jahr:Dänemark, Schweden, Frankreich, Deutschland, 2011
Verleih:Concorde Home Entertainment
Länge:130 Minuten
FSK:ab 12 Jahren
Offizielle Homepage zum Film:"Melancholia" Homepage

Verfasst von Thomas.

Zuletzt geändert am 07.05.2012
Review: Melancholia (Blu-ray)

{lang: 'de'}

Leave A Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *